Im Bauausschuss war es um die Fortsetzung der jährlich viel Geld verschlingenden Sanierung des Starnberger Gymnasiums gegangen, für das die Stadt Sachaufwandsträger ist. Im Rahmen der Diskussion gab Ludwig Jägerhuber (CSU) den Anstoß, darüber nachzudenken, ob es sinnvoll und gerecht ist, wenn die Stadt so viel Geld in ihre Schule steckt, während andere Gemeinden wie Tutzing und Gauting darauf hinarbeiteten, dass der Landkreis ihre weiterführenden Schulen übernimmt und somit dann auch für deren Unterhalt zuständig ist. Folge davon wäre nämlich, dass die Stadt Starnberg für das eigene Gymnasium zahlt, um gleichzeitig als größter Zahler über die Kreisumlage an den Kosten der Schulen anderer Gemeinden beteiligt zu werden. Dies zusätzlich vor dem Hintergrund, dass der Landkreis in Herrsching ein ganz neues Gymnasium bauen werde. Äußerungen von einzelnen Stadträten, sie könnten sich ein einjähriges Aussetzen des Sanierungsprogrammes vorstellen, rief den Elternbeirat des Starnberger Gymnasiums auf den Plan. Der erschien prompt vollzählig im Stadtrat und forderte die Stadträte unter der Rubrik „Bürgerfragen“ vehement auf, zu „Ihrem Gymnasium zu stehen“. Entscheidungen fallen aber erst im Dezember.

Schon im vergangenen Jahr waren wie berichtet Ratsgremium und Elternbeirat aneinander geraten, weil Sanierungsmaßnahmen mangels personeller Kapazitäten im Stadtbauamt verschoben werden sollten (siehe Eltern: Gymnasium zügig sanieren und Sanierung Gymnasium geht doch). Dann ging es aber doch weiter mit der Fassadensanierung, Neugestaltung eines Lehrerzimmerbereiches, Sanierung von WCs und Heizungsverteilungen. Auch das diesjährige Programm war umfangreich den Stadträten vorgestellt worden. Zu obigen Programmen und deren Fortsetzungen sollten der Umbau eines Klassenraumes in einen Fachraum, die Fortführung des Leitsystems innerhalb der Schule und die Sanierung des Physikraumes mit grünem Licht des Bauausschusses auf den Weg gebracht werden. Haushaltsreste dafür waren noch in Höhe von 1,1 Millionen Euro vorhanden, 830000 Euro sollten zusätzlich für 2019 eingeplant werden. Vom Landkreis wären dafür laut Bürgermeisterin Eva John Zuschüsse von 800000 Euro möglich.

Jägerhuber verwies auf die Pläne in Tutzing und Gauting und gab zu Bedenken: „Wir investieren und tragen über die Kreisumlagen die Pläne der anderen Gemeinden mit.“ Sollte das so bleiben, müsse die Stadt Ausgleichszahlungen vom Landkreis fordern. „Wir sollten überlegen, ob wir das Programm nicht erstmal für ein Jahr aussetzen.“ „Bei einem Jahr Pause kann man uns sicher nicht mangelndes Engagement unterstellen“, lautete die Reaktion von Christiane Falk (SPD). Iris Ziebart (FDP) erinnerte die Kollegen an ihr Verhalten im vergangenen Jahr. Auch da hatten sie zuerst die Maßnahmen vertagt, um dann, als der Elternbeirat in der Sitzung geschlossen aufmarschiert war, einzuknicken. Sie würde nur unter der Voraussetzung genauso wie von Herrn Jägerhuber vorgeschlagen entscheiden, wenn man die Gründe für die Investitionspause dem Elternbeirat kommuniziere und dann dazu stehe. „Nicht einknicken“, mahnte Ziebart.

Die Bürgermeisterin redete den Ausschussmitgliedern ins Gewissen: „Dieser Blickwinkel lenkt davon ab, was wir zu tun haben. Die Maßnahmen dienen der Abarbeitung von Sanierungsdefiziten. Unser Gymnasium wächst kontinuierlich, es braucht mehr zeitgemäße Physikräume. Viele von Ihnen waren im vergangenen Jahr bei der Ortsbesichtigung dabei. Da haben wir als Verwaltung eher das Messer auf der Brust gespürt, statt Akzeptanz, nichts zu tun, vor allem im Sanitärbereich. Ein Zurückhalten geht zu Lasten unserer Schüler und unseres Gebäudes. Nur weil wir befürchten, dass andere Kommunen ihre Schulen abgeben, halte ich ein solches Vorgehen wie vorgeschlagen für schwierig. Konsequent wäre, stattdessen zu fragen, ob wir das Gymnasium auf Dauer behalten wollen. Wenn ja, dann müssen wir an einem ordentlichen Unterhalt dran bleiben.“

„Starnberg hat ein sehr schönes Gymnasium. Wenn es nicht mehr der Stadt gehört, wer kümmert sich dann darum?“ fragte Josef Pfister (BMS). Das sei auch Aushängeschild der Stadt. Die aufgeworfene Diskussion sei „heiß“, wobei noch viele Fragen dazu offen seien. Er plädiere jedoch dafür, dabei zu bleiben. Es gehe durchaus um Dinge, die für die Kinder wichtig seien, mahnte auch Annette von Czettritz (Grüne). John schlug vor, die Beratung noch einmal bis zum nächsten Ausschusstermin am 6. Dezember 2018 zurückzustellen. Bei der Wiedervorlage werde die Verwaltung Unterlagen vorlegen, damit die Notwendigkeit dringlicher Maßnahmen besser beurteilt werden könne. Das wurde vom Ausschuss einstimmig unterstützt.

Dieser Beschluss war Grund dafür, dass der gleiche Tagesordnungspunkt für den Stadtrat wenige Tage später abgesetzt wurde. Da waren die Elternvertreter des Gymnasiums aber schon in die Sitzung gekommen. Für sie sprach Walter Nirschl, Elternbeirat und Vorsitzender des Vereins der Freunde des Gymnasiums, der selbst einen Sohn an der Schule hat. Man protestiere gegen die Zurückstellung der Sanierung, sagte er. Er erinnerte an die letztjährige Ortsbesichtigung und die danach aufgestellte Forderung, schnellstmöglich tätig zu werden. „Was soll eine einjährige Verschiebung bringen?“, fragte er. Die Stadträte sollten nicht Mutmaßungen anstellen.  Rückgrat zeigten sie nur, wenn sie nicht aller sechs Monate eine andere Meinung propagierten. Sein Appell: „Zeigen Sie, dass sie wirklich hinter dem Gymnasium stehen und beenden Sie diese unsinnige Diskussion, ob man die Schule an den Kreis abgeben sollte. Sorgen Sie für eine vernünftige Bildungsstätte.“ John versuchte, Stadträte in Schutz zu nehmen: „Es ist eine ganz normale Reaktion, erst mal zusammenzuzucken, wenn es um so viel Geld geht.“ Der Beschluss, nochmals nach mehr Information  zu beraten, sei „sachlich gut und richtig“. Sie selbst habe schon die Hoffnung, dass andere Kommunen nicht unbedingt „unser Vorbild“ sein müssen. Die Bürgermeisterin bat die Elternvertreter noch einmal zwei bis drei Wochen Geduld aufzubringen. Sie hoffe sehr, dass dann alle beruhigt in das neue Jahr gehen können. Damit war auch Nirschl einverstanden. Nur die Verschiebung des Maßnahmen wäre ein Problem, sagte er.