Wie schon am Vortag hielten die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim ihre Informationsvorträge zum Projekt B2-Tunnel vor weitgehend leeren Stuhlreihen. Nicht einmal ganz hundert Besucher waren in die Schlossberghalle gekommen. Die Organisation rundum war im großen und ganzen die gleiche wie am Abend zuvor, nur war die Polizei diesmal mit nur zwei Vertretern präsent. In der Einladung zu den Veranstaltungen hatte es noch geheißen, es werde an beiden Abenden den identischen Vortag geben. Daran hat sich die Behörde aber nicht gehalten, denn sie hatte wohl aus negativem Feedback zum Ablauf des Vorabends gelernt, beantwortete diesmal obendrein gleich Fragen von Besuchern der ersten Info-Veranstaltung. Auch der Ablauf war ein anderer: Die Vorträge wurden im Block gehalten, Zwischenfragen waren diesmal nicht gewünscht. Das hatte den positiven Effekt, dass die Fragerunde schon früher beginnen konnte, wenngleich auch diesmal die meisten Besucher in der dazwischen geschalteten Pause Hut und Mantel nahmen und lieber nach Hause gingen. An der Fragerunde ab 21.30 Uhr nahmen deshalb nur noch etwa 35 Bürger teil. Sie stellten teils andere Fragen als die Besucher des Vortages, weshalb es Zusätzliches zu berichten gibt (siehe auch Wenig Interesse am B2-Tunnel).

  • Auch beim Bau der fünf Dücker und sechs Notausstiege wird baubegleitend die Einhaltung des Lärmschutzes durch einen Gutachter gemessen.
  • „Den Abtransport des Aushubs aus den Baustellen in der Stadtmitte wollen wir über die Hanfelder Straße bewältigen“, sagte Projektleiter Herwig Ludwig. In der Stadtmitte werden zwei Notausstiege sowie das Lüftungsbauwerk auf dem Schlossberg gebaut.
  • Setzungen im Geländeniveau erwartet er besonders im Norden zwischen Polizeistation und Bahnbrücke, weil der Boden dort besonders schlecht sei und man nur noch mit einer geringen Überdeckung der Tunnelröhre arbeite.
  • Ludwig hat den Plan für den Notausstieg 1 bei der Pizzeria nahe der Einmündung  Jahnstraße in die Weilheimer Straße gezeigt. Der Schacht ist 17,60 Meter tief. Die Tür vom Tunnel zum Notaufstieg lasse sich mit dem Kraftaufwand öffnen, der dem Gewichtsdruck einer Tafel Schokolade entspreche. Wer laufen könne und sich im Notfall hinter diese Tür gerettet habe, laufe über die im Schacht befindlichen Treppenhäuser nach oben zum Ausstieg. Mobilitätseingeschränkte müssten warten bis Hilfe kommt.
  • Auf die Frage, ob der Abluftkamin am Schlossberg notwendig ist, obwohl die Abgase der Fahrzeuge immer sauberer würden und später überwiegend Elektroautos führen, antwortete Ludwig kurz und knapp: „Ganz klar ja.“
  • Neu war auch die Präsentation einer Folie, auf der ein Unfall im Tunnel dargestellt wurde, und anhand der Ludwig erläuterte, wie die Experten rechnen, dass Pkw-Lenker in dem Fall reagieren. Man gehe davon aus, dass sich die Fahrspur jeweils vor und hinter der Unfallstelle schnell leere, so dass über diese die Feuerwehr oder der Rettungsdienst einfahren könne. Von einem Besucher nach Vorschriften für Gefahrguttransporte gefragt, berichtete der Projektleiter, eine Gefahrgutanalyse besage, dass diese im Starnberger Tunnel problemlos durchzuführen seien. „Wenn aber ein Laster brennen sollte, dann brennt er aus. Da geht keine Feuerwehr rein um zu löschen“, so Ludwig. Die Bewehrung der Tunnelwände sei auf solche Fälle ausgelegt. Größere Schäden seien da nicht zu erwarten.
  • Ein Besucher befürchtete, die Baustellen für das Einheimischenmodell Am Wiesengrund und für das Gewerbegebiet von Pöcking könnten mit den Tunnelbaumaßnahmen kollidieren. Dazu gebe es noch keine konkreten Überlegungen, aber man werde das mit der Stadt besprechen und versuchen, sich zeitlich zu einigen, antwortete Ludwig.
  • Nortrud von Redwitz wollte wisse, ob die Würmbrücke am Beginn der A952 stabil genug für die zu erwartenden Erdtransporte sei. Der Chef des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Uwe Fritsch, antwortete: „Sie gehört nicht zum Projekt B2-Tunnel.“ Die Brücke sei nicht im besten Zustand und müsse in den nächsten Jahren erneuert werden, sei aber noch tragfähig genug.
  • Ein Gast wollte wissen, ob die B2 nach der Tunneleröffnung im Untergrund verlaufe und was mit den Straßen auf der Oberfläche geschehe. Ja, der Tunnel sei dann die Bundesstraße, oberirdisch könnten die Straßen abgestuft werden. Bei Fragen hierzu müsse man sich aber an die Stadt wenden.
  • Gefragt nach den  Belästigungen für Anwohner der Baustellen erläuterte Ludwig am Beispiel des Notausstiegs 2 (Fischzucht), man müsse dort mit 30 Baustellenfahrzeugen pro Tag rechnen. Beeinträchtigender könnte der Bau der fünf Dücker werden. Die bedeutenderen konzentrierten sich auf den Bereich zwischen dem Edeka-Markt an der Weilheimer Straße und dem Bereich Lindenweg, denn „die Musik in Sachen Grundwasser spielt auf Höhe der Fischzucht“. An der Pizzeria hätten die beiden Schächte, die für den Dücker gebaut werden, sechs bis acht Meter Durchmesser, seien 30 Meter tief und erforderten neun bis zehn Monate Bauzeit. Am Beginn des Lindenweges gehe es dagegen um „Mordsschächte“, 35 Meter tief, Bauzeit knapp zwei Jahre. Den Durchmesser nannte er nicht.
  • Ein Besucher sorgte sich um die Statik der Häuser im Umfeld von Düker-Bauwerken, nachdem Ludwig Schemazeichnungen gezeigt hatte, in denen zu erkennen war, dass von den Dückerschächten kleinere Stollen in die Umgebung getrieben werden, an denen wie die Zacken eines Kammes Grundwassersammelrohre anschließen. Er fragte, ob auch für Häuser außerhalb des von der Weilheimer Behörde festgelegten Beweissicherungskorridors Beweissicherungen durchgeführt würden. Antwort von Ludwig: „Wer vom Tunnelbauwerk nicht betroffen ist, kann die Beweissicherung nur privat machen.“
  • Fragen gab es auch zur Verkehrführung in den Bauphasen des Nord- und Südportals des Tunnels. Laut Ludwig muss man sich das vorstellen wie beim Bau des Tunnels am Luise-Kiesselbach-Platz in München. Die Fahrbahnen würden immer dorthin verschwenkt, wo gerade nicht gebaut werde. So gebe es am Südportal vier Bauphasen, am Nordportal derzeit noch elf, „was ich aber noch optimieren lasse“.
  • Günther Krawitz hätte gern die Kosten eines Dükers gewusst. Darüber wollte Ludwig nichts sagen, weil das kontraproduktiv im Ausschreibungsverfahren sei. Im Moment sei man dabei, die Entwurfs- in die Ausschreibungsplanung überzuführen. Als Krawitz nachhakte und sich für eventuell mögliche Kostensteigerungen interessierte, meldete sich Fritsch zu Wort: „Als staatliche Behörde sind wir der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verpflichtet. Wir werden vom Bundesrechnungshof und vom Bund der Steuerzahler ausreichend kontrolliert.“
  • Ein Besucher wollte wisse, wer die Betriebskosten des fertigen Projektes Tunnel trage. „Betrieb und Unterhalt der Bund, ausgenommen die Feuerwehr-Ertüchtigung. Das ist Aufgabe der Stadt. Die Kostenhöhe können wir noch nicht sagen, weil wir die betriebstechnischen Komponenten erst noch erarbeiten und es noch keinen betriebstechnischen Entwurf gibt.“
  • „Fräst die Tunnelbohrmaschine auch Findlinge“, lautete die letzte Frage des Abends. „Ja, solche Findlinge werden dann in handlichen Stücken abgefördert“, sagte Ludwig.
  • Auf Nachfrage des Blogs gab er noch Auskunft über den Zeitpunkt, zu dem die Bahnbrücke zwischen Leutstettener- und Gautinger Straße verbreitert werden soll. Ludwig nannte das Jahr 2023. Mit der Bahn, die für diese Maßnahme zuständig ist, wolle man aber vielleicht verhandeln, das etwas vorzuziehen.