Dass viele den Tag herbeigesehnt hätten, haben die beiden Redner anlässlich der offiziellen Verkehrsfreigabe der neuen Staatsstraßenverbindung St 2069 zwischen dem Kreisverkehr an der Waldkreuzung und der südlichen Anbindung der Starnberger Westumfahrung betont. Sie ist seit heute nach rund dreijähriger Bauzeit frei befahrbar. Zuvor hatte das Staatliche Bauamt Weilheim dazu noch Gäste geladen. Heute konnten auch die Stadträte kommen, die am Samstag für das Bürgerfest keine Zeit gehabt hatten. Einzig die Bürgerliste war auch diesmal nicht vertreten. Dafür die hohe Politik. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Kießling, CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig, der Sprecher der Landkreisbürgermeister, Rupert Monn aus Berg, der Zweite Pöckinger Bürgermeister Albert Luppart sowie Maria Reitinger, Zweite Bürgermeisterin aus Schäftlarn, waren der Einladung gefolgt, ebenso wie Eva John, die Erste Bürgermeisterin von Starnberg. Außerdem Altlandrat Heinrich Frey und Starnbergs Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger. Die Anzahl der anwesenden Bürger war überschaubar. Unter sie hatten sich der ehemalige Leiter der Weilheimer Behörde, Günther Grafwallner, und seine damalige Mitarbeiterin Stephanie Kürmeier-Beyl gemischt. Denn das Projekt hatte eine sehr lange Vorlaufzeit. Die Anfänge reichten bis in das Jahr 1982 zurück. Mit dabei wie schon beim Bürgerfest am Samstag der evangelische Pfarrer von Starnberg, Stefan Koch, der diesmal nur Gast sein brauchte.

Auf die lange Vorgeschichte ging der jetzige Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Uwe Fritsch, in seiner Rede ein. Er musste sein Redemanuskript gut festhalten, denn es blies ein kräftiger Wind an der neu geschaffenen Einmündung der Straße von Hadorf in die neue Verbindung zur Waldkreuzung, wo sich die Gäste zusammengefunden hatten. Fritsch sagte, ohne die Bereitschaft der Stadt Starnberg, in der Finanzierung einen Eigenanteil zu übernehmen, „könnten wir heute nicht Einweihung feiern“. Gleiches gelte für die Grundstückseigentümer, die mit ihrer Bereitschaft, Flächen zur Verfügung zu stellen, den Grundstein für die neue Straße gelegt hätten. Die bezeichnete Fritsch als „logistische und bautechnische Meisterleistung“ und erinnerte an den langen Weg bis zum heutigen Tag. Begonnen habe alles mit dem Antrag des damals noch für den Landkreis Starnberg zuständigen Straßenbauamtes München für ein Raumordnungsverfahren für die sogenannte „Würmtalparallele“. Das sei 1984 gescheitert, die Idee einer Entlastungsstraße habe aber weiter gelebt. 14 Jahre später ging es um die Entlastung der Straße über Unter- und Oberbrunn, fünf Jahre weiter um Voruntersuchungen für die Westumfahrung von Starnberg. Altbürgermeister Pfaffinger und den damaligen Stadtrat lobte Fritsch für „die  gute Entscheidung“, den Bau der Umfahrung im Rahmen des staatlichen Finanzierungspogrammes „Staatsstraßenortsumgehungen in kommunaler Sonderbaulast“ zu ermöglichen. Im Februar 2014 war der Planfeststellungsbeschluss ergangen. Erste Bauarbeiten waren 2016 gestartet, der Ausbau bei Mamhofen kam 2018 dazu. Beide Strecken würden nun gemeinsam freigegeben, womit sich „eine überaus lästige Lücke im Staatsstraßennetz“schließe. Das bringe den Anwohnern der alten Strecke Entlastung, auch die Hanfelder Straße in Starnberg werde eine nennenswerte Entlastung erfahren, „auch wenn man das in vollem Umfang erst spüren wird, wenn der B2-Tunnel fertiggestellt ist“, so Fritsch. Er hatte ausgerechnet, dass Pendler ab Tutzing nun in einem Jahr 40 Stunden weniger Fahrzeit hätten – „Bei Beamten ist das eine ganze Wochenarbeitszeit“. Die Prognosen für 2030 sprächen von 8300 Fahrzeugen pro Tag, die die neue Verbindung nutzen werden. „Eine durchschnittliche Staatsstraße ist mit 3800 Fahrzeugen pro Tag belastet. Das  zeigt, welch hohe Bedeutung die Westumfahrung haben wird“, so der Behördenleiter.

Würden die für den Aushub und dessen Abtransport nötigen Lkw hintereinander gereiht, ergäbe das eine Länge von 500 Kilometer, so Fritsch. Doch der meiste Aushub habe nicht so weit gefahren werden müssen. Er sei zur Aufschüttung der großen und hohen Fledermauswälle links und rechts der Straße verwendet worden. Mit Blick auf die Natur, meinte der Leiter des Straßenbauamtes: „Gerissene Wunden heilen sehr schnell, zumal wir die Wälle in hochwertig blühende Flächen verwandeln wollen, um somit gegen das Insektensterben beizutragen.“ Die Gesamtstrecke habe 16 Millionen Euro gekostet, 13,5 Millionen trage davon der Freistaat, der damit einen erheblichen Kraftakt vornehme, wenn man bedenke, dass das „drei Viertel eines Jahreshaushalts unserer Behörde bedeutet“. Der Anteil der Stadt Starnberg beträgt nach Angaben in der unter den Gästen verteilten Broschüre „rund 2,6 Millionen Euro“. Fritsch ging mit Blick auf die ADFC-Demonstration beim Bürgerfest zur Einweihung der Westumfahrung vom Samstag (siehe Westumfahrung gefeiert) auch auf die bei Mamhofen gekappte Radwegverbindung ein. Es sei nicht gelungen, die dafür nötigen Grundstücke zu erwerben, aber man sei auf gutem Weg zwischen der Waldkreuzung und der Abzweigung nach Unterbrunn ein neues Angebot zu schaffen (siehe Sichere Radwege an Westumfahrung). Abschließend bedankte sich Fritsch bei allen am Projekt Beteiligten, auch bei den Mitarbeitern seiner Behörde.

Landrat Karl Roth betonte ebenfalls, dies sei ein Tag, „auf den alle sehr, sehr lange gewartet haben“. Stadt Starnberg, der Landkreis Starnberg und Nachbarlandkreise wie Weilheim seien sehr froh, dass dieser „wirkliche Meilenstein“ geschafft sei. Damit so ein Projekt starten könne, müssten halt alle zusammenhalten. Unzufrieden äußerte er sich über die von ihm namentlich benannte Eigentümerin von Gut Mamhofen, Gräfin Stephanie von Pfuel: „Sie war nicht bereit, die Unterführung für Radfahrer mitzutragen.“ Roth hofft, dass in Zukunft auch Reiter, die oft bei ihm vorstellig geworden seien, um für den Beibehalt  der Wegeverbindung zu kämpfen, „wieder einen Weg finden“. Der Stadt Starnberg gebe man mit der neuen Straße die große Chance, nun die versprochene Abstufung bisheriger Staatstraßen wie der Hanfelder- und Söckinger Straße zu bewerkstelligen und die Anwohner zu entlasten. Doch sei das Ganze erst dann eine runde Lösung, „wenn auch der Tunnel kommt“. Der Landrat prognostizierte: „Der Verkehr und die Zahl der Lkw werden mehr werden.“ Ob die erhoffte Entlastung eintrete  sei erst zu sehen, wenn die Straße einige Zeit in Betrieb sei. Auch Roth dankte allen am Bau Beteiligten, „auch den Naturschützern“, deren  Forderungen nach 15 Amphibien-Durchlässen erfüllt worden seien, obendrein die nach der Grünbrücke, die den Wildwechsel erleichtern soll. Auch bei der Stadt bedankte sich der Landrat und wünschte den künftigen Nutzern der Strecke „alles Gute“. Fritsch kündigte an, die Entwicklung des Verkehrs besonders am Kreisverkehr am Maxhof „sehr intensiv zu beobachten“. Für das offizielle Pressefoto versammelten sich die Ehrengäste mit Scheren bewaffnet hinter dem obligatorischen weiß-blauen Band, um es auf Kommando gemeinsam zu durchschneiden. Auch Starnbergs Bürgermeisterin Eva John war dazugebeten worden. Über dem Umstand und den Hintergrund, warum Staatliches Bauamt und Stadt Starnberg an getrennten Tagen die Eröffnung der Westumfahrung feiern, wurde kein Wort mehr verloren.