Die Fraktionen des Stadtrates untereinander gönnen sich selten etwas. Das ist in der Hauptausschusssitzung wieder einmal deutlich zu Tage getreten. Dabei gibt es seit zwei Jahren die Mehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS, die eigentlich immer bekommt was sie will, während WPS, BMS und FDP sich so gut wie nie durchsetzen können, weil sie die Minderheit sind. Die beiden Lager stehen sich sogar dann feindlich gegenüber, wenn es eigentlich etwas zu feiern gibt, weil ein Projekt wirklich gut gelungen ist.

Nehmen wir die Westumfahrung, die jetzt für den Verkehr freigegeben worden ist. Im Hauptausschuss war der Haushalt des nächsten Jahres Thema. Bei den Haushaltsresten aus 2018 für das Straßenbauprojekt ging es nicht etwa darum, ob diese Beträge zu bezahlen sein werden. Das war unstrittig.  Vielmehr meldete sich Günther Picker (WPS) zu Wort: „Frau Bürgermeister, danke für die hervorragend gelungene Eröffnungsfeier für die Westumfahrung. Bitte richten Sie unseren Dank auch Ihren MitarbeiterInnen aus.“ Wütend schleuderte Christiane Falk (SPD) postwendend in Richtung Bürgermeisterin : „Danke auch für den Wahlkampf, den Sie der Bürgerinitiative genehmigt haben.“ Hintergrund: Wie berichtet (siehe Westumfahrung gefeiert) hatte die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) im Vorfeld des städtischen Bürgerfestes im Rathaus gefragt, ob es okay sei, wenn ihre Mitglieder Nadelbaumsetzlinge an die Festgäste verteilen. Wissen muss man noch: Die WPS nennt sich den „politischen Arm der BI“. Picker wies Falk darauf hin, dass die Bürgermeisterin allen die gleichen Rechte eingeräumt habe. Sie hatte alle Fraktionen schriftlich aufgefordert, mit Aktionen zum Fest beizutragen.

Bürgermeisterin Eva John platzte der Kragen: „Kann man nicht einfach nur mal sagen, das ist uns gut gelungen und wir freuen  uns?“ Ludwig Jägerhuber (CSU) griff an dieser Stelle ein: „Antrag zur Geschäftsordnung: die Diskussion sofort beenden und die Haushaltsberatung fortsetzen.“ So geschah es.