Um es gleich vorweg zu nehmen: Anrufen ist zwecklos. Willi Illguth möchte seinen 80. Geburtstag am 7. Dezember 2018 in Ruhe gemeinsam mit seiner Frau Gerda genießen und ist deshalb ausgeflogen. Wohin, wollte er nicht verraten.

An der Sprache hört man es gleich – ein gebürtiger Starnberger ist der Jubilar nicht. Aber dennoch ist er ein in der Kreisstadt sehr bekanntes Gesicht. Schließlich ist er zwanzig Jahre lang der Wirt der inzwischen abgerissenen „Starnberger Alm“ am südlichen Beginn der Schlossbergs gewesen. Er war dort nicht nur der Wirt, sondern auch Botschafter der Baden-Württembergischen Weine. Legendär seine regelmäßigen „Weinbüffets“. Vom Baden-Württembergischen Ministerium für Landwirtschaft  und Forsten ist er für sein Engagement 1995 mit dem Ehrenpreis für besondere Leistungen in der Weinwirtschaft ausgezeichnet worden.

Nach ihm gelang es keinem weiteren Wirt mehr, in der Starnberger Alm Fuß zu fassen. Wegen baurechtlicher Probleme misslang der Versuch seines Nachfolgers das Traditionsgasthaus, das immerhin auf eine 150jährige Geschichte zurückblicken konnte, zu modernisieren. Es musste schließlich einem Büro- und Wohnhaus weichen. Kaum jemand war so traurig darüber wie Illguth. Aber da hatte er längst neue Betätigungsfelder gefunden.

Das Geburtstagskind ist vehementer Gegner des B2-Tunnel-Projektes und ist in dieser Eigenschaft rund um die Kommunalwahlen 2014 und 2015 hunderte von Kilometern zu Fuß in Starnberg unterwegs gewesen, um Mitstreiter für die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ zu rekrutieren, wobei er sehr erfolgreich war. Er engagierte sich obendrein beim politischen Arm der Initiative, „Wählergemeinschaft Pro Starnberg“, wurde dabei sogar als Stadtrat gewählt, trat das Amt jedoch nicht an. Denn er hätte wählen müssen zwischen diesem neuen Amt und seiner Aufgabe als Seniorenbeirat. Letztgenanntes war ihm bedeutend näher. Seit 2013 gehört er dem Beirat, der sich um die Belange der älteren Mitbürger kümmert, ununterbrochen an. Illguth war Initiator des Projektes „Nette Toilette“, bei dem Gastronomiebetriebe in Starnberg ihre Sanitäreinrichtungen auch Leuten öffneten, die nicht gerade Kunden bei ihnen waren. Er erzählte immer, dass er mehrmals mit jedem hier ansässigen Wirt gesprochen habe,  um diese zu überzeugen mitzumachen. Nicht zuletzt um sich in die Befindlichkeit von Menschen mit Behinderung einfühlen zu können, kümmerte sich der rüstige Senior auch immer wieder um dieses Klientel – holte zum Beispiel Rollstuhlfahrer zum Spaziergang Richtung See ab. Da wußte er bald genau, wo Bordsteine unüberwindbare Schwellen darstellten, und gab dem Rathaus Tipps, was besser gemacht werden könnte.

Im wahrsten Sinne „zur Ruhe setzen“ ist für Illguth auch mit 80 Jahren noch nichts. Er kämpft weiter gegen den B2-Tunnel, hat schon dreimal seine Zeitung „Starnberger Wahrheit – schwarz auf weiß“ herausgegeben  und einen Großteil der Blätter selbst zu Fuß an die Haushalte verteilt. Nicht so einfach auch , Spendengeld für  dieses Projekt aufzutreiben. Nach jeder Aktion sagte er dann: „Jetzt ist Schluss.“ Wir werden sehen.