Höchstpersönlich anwesend gewesen ist Landrat Karl Roth in der jüngsten Bauausschusssitzung des Stadtrates. Mitgebracht hatte er die Architektin des Landratsamtes, denn es ging laut Tagesordnung  um den Bebauungsplan für den Teil des Starnberger Gewerbegebietes, in dem sich das ehemalige Grundstück des städtischen Betriebshofs, Seilerweg 14, befindet und auf dem eine Fachoberschule entstehen soll (FOS). Nach langem Hin und Her hatte der Stadtrat es dem Landkreis 2017 zum Schnäppchenpreis von zwei Millionen Euro verkauft. Der will dort eine Fachoberschule bauen. Die Festlegungen im Bebauungsplan, die man 2017 und Anfang 2018 im Einvernehmen beschlossen hatten, sind dem Landrat jetzt zu gering. Er verlangte mehr Baurecht auf der insgesamt 3700 Quadratmeter großen Fläche – wegen der nun hinzugefügten Turnhalle. Der Neubau hätte höher werden können als der Kirchturm von Sankt Maria in der Innenstadt. Dafür gab es aber keine Mehrheit. Jetzt bleibt man etwas darunter. Streitpunkt war aber auch, wie viele Parkplätze die Schule brauchen wird.

Der Vorstoß von Roth kommt jetzt, weil laut Bürgermeisterin Eva John die möglicherweise geänderten Eckdaten die Grundlage für den Architektur-Wettbewerb werden sollten, den Stadt und Landkreis durchzuführen wünschen. Bisher lauteten die Eckdaten wie folgt: Überbaubare Grundfläche 2600 qm, mögliche Geschossfläche 6550 qm und maximale Wandhöhe bei vier Vollgeschossen und einem zurückgesetzten fünften Geschoss 17 bis 20 Meter. Roth wünscht sich neu auf der unveränderten überbaubaren Grundfläche 8800 qm Geschossfläche und eine Wandhöhe von 28 Meter über sieben Geschosse. Einer der Gründe für die Mehrung sei die Erkenntnis, so Stadtbaumeister Stephan Weinl, dass die neue Schule nicht ohne eigene Turnhalle auskomme. Es sei geprüft worden, ob die Schüler nicht auch andere Sporthallen mit benutzen könnten, „aber die anderen Hallen haben keine freie Kapazität“, so Weinl. Er präsentierte die Auswirkungen einer solchen Baumasse an dieser Stelle mit Hilfe einer städtebaulichen Studie: „Bei fünf Geschossen ist das Grundstück komplett bebaut“, sagte der Stadtbaumeister und zeigte noch Skizzen, wie es bei sechs, sieben und bis zu neun Geschossen aussehen würde. „Solche Höhe gibt es in Starnberg sonst nicht“, lautete Weinls Fazit. Das Gaßner-Hochhaus in der Nähe sei 23 Meter hoch.

Eine weitere Aufgabe, die die Architekten bewältigen sollten, ist nach seinen Worten der Immissionsschutz für die Schule, die sich ja inmitten von Gewerbebetrieben befinden wird. Nachbarn müssten sich im öffentlichen Bebauungsplanverfahren verbindlich auf eine Kontigentierung des von ihren Betrieben ausgehenden Lärms festlegen. Damit Chancen auf Einigung gegeben seien, sollte es Festlegungen geben, wie die Schulfassade ausgeführt wird und wie die Räume im Gebäude ausgerichtet werden. Weinl mahnte: „Die Räume brauchen Qualität für die Schüler.“

Drittes Thema seien die Stellplätze. Gehe es nach der städtischen Stellplatzsatzung, wären bei 24 Klassen 192 nötig. Betrachte man jedoch die Umstände des Standortes genauer, könnten auch 268 Stellplätze begründet werden. Es gelte eine angemessene Zahl zu finden. Die Stadtverwaltung empfehle 192 Plätze, in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um überwiegend auf Grund ihres Alters schon motorisierte Schüler handele, in der Hauptsache Lehrer mit dem Auto kommen, am Standort gute Möglichkeiten zur Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs – Bahnhof Nord, Busbahnhof – bestünden, aber trotzdem besonders in den Morgenstunden an dieser Verkehrsdrehscheibe der Stadt mit Problemen zu rechnen sei.

Winfried Wobbe (UWG), Sportreferent des Stadtrates, bestätigte: „Alle Sporthallen in Starnberg sind proppevoll. Ich halte eine weitere Turnhalle für erforderlich.“ Er regte an, diese als Tiefgeschoss in den Untergrund unter der Schule zu bauen. Das würde nach Ansicht von Ludwig Jägerhuber (CSU) den Platz für die Tiefgarage beschränken. Ihm ist zudem Dorn im Auge, dass bei so hoher Baudichte auf dem Grundstück ein Pausehof und Freiflächen nur im Norden des Neubaus angeordnet werden können. „Sonne? Licht?“, fragte er und erinnerte daran, dass er nie einen Hehl aus seiner Meinung gemacht habe, dass dieses Grundstück für eine solche Schule „absolut ungeeignet“ sei. Er fühle sich nun bestätigt. Das werde eine „mittelmäßige, zweitbeste Lösung“ und er werde sich „schwer tun, diesen Weg weiter zu gehen.“ Mit dem neuen Raumprogramm fühle er sich im Übrigen „ein bisschen hinters Licht geführt“. So habe der Kreiskämmerer im Juni 2017 auf Nachfragen versichert, die Schule sei am Standort machbar (siehe FOS am Seilerweg “machbar”). „Es ist besser, heute die Notbremse zu ziehen, später geht es nicht mehr“, empfahl Jägerhuber. Man beschreite den falschen Weg. Er warnte davor, anliegende Gewerbebetriebe, die sich überwiegend in den letzten 15 Jahren hier angesiedelt hätten, wovon einer noch im Bau (Gautinger Straße 1) sei, mit dem Immissionsschutz für die Schule einzuschränken. Josef Pfister (BMS) erinnerte an den ursprünglichen Bebauungsplan für diesen Teil des Gewerbegebietes, der von 1800 Quadratmeter Grünfläche auf einem solchen Grundstück gesprochen habe. „Mit der erhöhten Geschossfläche war schon Schluss. Jetzt soll nochmals aufgesattelt werden.“ Der Kirchturm von Sankt Maria habe eine Höhe von 27 Meter, der Neubau solle 28 Meter bekommen können. Dazu komme die Situation mit den Parkplätzen. Der Vorschlag des Landkreises, 140 Stellplätze zu bauen, reiche nicht. Pfisters Fazit: „Das Grundstück ist für diesen neuen Antrag einfach zu klein. Dieser Plan wird dem Anspruch an eine Schule der heutigen Zeit nicht gerecht.“

Ihm widersprach Christiane Falk (SPD). Man solle „die Kirche im Dorf lassen“. In den Ballungszentren rund um München funktioniere in Zukunft nichts mehr, „wenn wir unsere städtische Stellplatzsatzung anwenden“. „Ich würde für Schüler überhaupt keine Stellplätze anbieten. 140 sind komplett ausreichend. Wenn wir uns heute nicht für dieses Projekt entscheiden, ist das Ding tot“, drohte Falk. Der Landrat warb noch einmal für seinen Vorschlag, denn dann könnten die Architekten kreativer sein: „Das wäre das Maximale. Dann müsste der Bebauungsplan bei späteren Vorgängen nicht wieder geändert werden.“ Die Turnhalle sei erst jetzt Thema geworden. Die könnte auch die Stadt in schulfreien Zeiten nutzen. Ob man in den Untergrund bauen könne, wisse er noch nicht, weil noch nicht klar sei „was der Boden hergibt“. Ein Plädoyer für die höchste Baumasse hielt Angelika Kammerl (DPF). Auch in München habe man sich mit Hochhäusern abfinden müssen und die Stadt werde ihr Gewerbegebiet in den nächsten 15 Jahre weiter verdichten müssen. „Das mit dem Kirchturm halte ich für Panikmache“, sagte sie. Viel größer sei die Gefahr, dass Starnberg die Schule nicht bekomme. Andere Schulen hielten die Stellplatzsatzung sicher auch nicht ein. Bürgermeisterin Eva John bat, nicht Grundschulen mit einer FOS zu vergleichen. Gerd Weger (CSU) riet dem Landrat, Plätze im Nachbarparkhaus anzumieten und die Turnhalle anderswo auf einem Landkreisgrundstück zu bauen. Roth sah dafür keine Möglichkeit. Iris Ziebart (FDP) fragte, ob man immer noch überzeugt sei, dass „das der einzig richtige Standort ist“? Ihr falle als Lösung nur das Wort „Parkregal“ ein sowie ein Freifahrtschein beim ÖPNV für die Schüler. „Städtebaulich kann ich nicht mitstimmen“, sagte sie und prognostizierte einen „miserablen Baugrund“ an dieser Stelle. Eine „zukunftsfähige, pädagogischen Ansprüchen genügende Schule“ könne sie sich so dort nicht vorstellen. Das führe dann auch noch zu „Hochregal-Klassenzimmern“. Ziebart empfahl, zeitgleich doch noch einmal die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen neben dem Creatic Center an der Ecke Petersbrunner-/Gautinger Straße  als Standort für die Schule zu betrachten. Das war im vergangenen Jahr auch Favorit von Jägerhuber und anderen Fraktionen gewesen.  Der Landkreis hatte ihn abgelehnt, weil sich darauf ein Biotop befindet (siehe Landkreis bekommt Fläche am Seilerweg). Mit der Höhe an der Stelle habe er „überhaupt kein Problem“, versicherte Patrick Janik (UWG). Er finde es „albern“ hier den gleichen Stellplatzschlüssel anzuwenden „wie in Söcking-Mitte“. „Dort bauen wir aber keine Schule“, konterte John. Für ihn liege der Schwerpunkt darauf, eine Lösung zu finden, so Janik. Er halte 140 Stellplätze für vertretbar. „Ich habe auch nichts gegen ein Hochregal für Schüler“, sprang ihm Annette von Czettritz (Grüne) bei. Allerdings sollte der Landrat mal die Kosten einer Tiefgarage mit denen für Freie Fahrt für Schüler beim ÖPNV vergleichen.

Kammerl beantragte eine Sitzungsunterbrechung, um sich mit Kollegen beraten zu können. Daran nahm auch der Landrat teil, der danach sagte: „Ich bin gefragt worden, ob wir mit dem Bau weiter in den Untergrund gehen können. Ich denke schon.“ Er favorisiere dann die Variante mit 22 Meter Wandhöhe und sechs Geschossen, schloss er. John erinnerte angesichts hoher Kosten angesichts des schwierigen Untergrunds daran, dass die Stadt über die Kreisumlage den Bau mit finanziere. Sie ließ zunächst die maximale Forderung (7 Vollgeschosse und 28 Meter Wandhöhe, 192 Stellplätze) im Ausschuss abstimmen, die aber mit 5:7 Stimmen scheiterte. Der Antrag von Falk, sich mit 140 Stellplätzen zu begnügen, bekam mit 7:5 Stimmen die Mehrheit. Jägerhuber gab zu Protokoll, er halte den Standort schulpolitisch für ungeeignet. John und die WPS schlossen sich an. Ziebart gab zu Protokoll, es dürften, wie im Rahmenplan der Stadt bestimmt, nicht mehr als acht Zehntel des Grundstücks versiegelt werden.