Thema im Stadtrat war der Zwischenbericht zum Arbeitskreis der Sicherheitskräfte (BOS), der beim Staatlichen Bauamt Weilheim eingerichtet worden ist. Den Anfang machte der Erste Kommandant der Starnberger Freiwilligen Feuerwehr, Markus Grasl.

Er lobte die „durchgehend positive Zusammenarbeit“ mit der Weilheimer Behörde. Nach dem vorangegangenen Vortrag von Christian Brauner von der International Fire Academy (IFA) stellte Grasl fest: „Die IFA hat uns ein Konzept gebaut, dass zu kommunalen Kosten führen wird.“ Die Kostenfrage sei aber nicht Sache der Feuerwehr, sondern müsse durch den Stadtrat entschieden werden. Grasl sieht Probleme, innerhalb der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten mit seinen Einsatzkräften und Einsatzmaterial an einem Einsatzort im Tunnel sein zu können, besonders angesichts der Tatsachen, dass es nach dem Nordportal des Tunnels noch drei Ampeln in Richtung München gibt, der bauliche Raum des Tunnels mit insgesamt sieben Meter Breite begrenzt sei und in der Mitte in der erforderlichen Rettungsgasse nur eine Durchfahrtsbreite von maximal 2,40 Meter Breite übrig bleibe. Auch machen ihm, der selbst ausgesprochen groß gewachsen ist, die lichten Höhen in den sechs Rettungsstollen zwischen dem jeweiligen Fluchttreppenhaus und der Notausstiegstür im Tunnel Bauchschmerzen. Sie  haben nach seinen Angaben nur 2,25 Meter. Der Kommandant verwies auf den höchsten Notausstieg mit 36 Meter Höhenunterschied und stellte dazu fest: „Im Fall des Falles ist dieser Flucht- und Rettungsweg auch Angriffsweg der Feuerwehr auf dem Weg zum Brandherd.“ Die IFA hatte in ihrem Gutachten wie berichtet empfohlen, einen Brand von vier Seiten, also auch über die Notausstiegstreppenhäuser, zu bewältigen versuchen. Grasls Folgerung: „Wir brauchen flächendeckend Aufzüge.“ Die Kommune müsse eine sichere und schnelle Anfahrt garantieren, was in Starnberg wegen der Geographie der Notausstiege derzeit nicht überall gewährleistet sei. In deren Umfeld kämen Probleme mit parkenden Autos, viel Verkehr und im Winter der Lagerung von Schnee hinzu. Gut findet Grasl, dass die Notausstiege komplett entraucht werden. Gut findet er auch den bisher geplanten Abluftkamin in der Mitte des Tunnels, somit am Schlossgarten, denn sonst müsse der Rauch vom Brandherd an einem der Portale ausgeblasen werden, was den Einsatz von diesem aus nicht mehr erlaube.

Für den Bund seien die Aufgaben ab der Brandschutztür erledigt. Ab hier gehe es in die Verantwortung der Kommune. Die Probleme beginnen mit dem fehlenden Personal. „Derzeit sind wir kaum in der Lage einen Löschzug zu stellen.“In Starnberg selbst habe er nur noch zwei Atemschutzträger. Zähle er alle Ortsteilfeuerwehren dazu komme er auf acht.  Nötig seien aber fünf Löschzüge mit der entsprechenden Ausrüstung und Ausbildung. Grasl riet, sich zum einen schon in der Bauphase des Tunnels früh zu engagieren und sich um die Bausstellenwache zu bewerben. Zum anderen, für die Zukunft hauptamtliche und ehrenamtliche Feuerwehrkräfte zu mischen. „Nicht nur wegen dem Tunnel“, sagte Grasl, sondern man brauche insgesamt kreative Lösungen, weil auch das geplante Gewerbegebiet in Schorn in den Aufgabenbereich der Starnberger Feuerwehr und ihrer Ortsteilfeuerwehren fallen werde. Weil Veranstaltungen wie der „Tag der offenen Tür“ zuletzt keinen einzigen Ehrenamtlichen mehr gebracht habe – „obwohl wir uns richtig angestrengt haben“, erinnerte der Kommandant an die gesetzlichen Vorschriften, nach denen Bürger zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr zum Dienst bei der Feuerwehr verpflichtet werden könnten. Auch eine solche Entscheidung müsse der Stadtrat treffen. Es gebe zum Beispiel 500 Behördenangestellte im Stadtgebiet, die man verpflichten könne, tagsüber Dienst zu tun, wenn es erforderlich sei. Gelinge das, benötige die Stadt keine Hauptamtlichen.

In Starnberg erfordere die Lage nun einen „Dreiklang der Maßnahmen“: Löschanlagen im Tunnel, oberirdische Aufstellflächen mit ordentlichen Zufahrten, und Aufzüge in den Notausstiegsschächten. Darüber hinaus eine Ertüchtigung der Feuerwehr und die Entwicklung der Einsatztauglichkeit. Den einstimmigen Beschluss des Hauptausschusses des Stadtrates, einen Feuerwehrbedarfsplan aufzustellen, gebe es bereits seit dem 5. Juli 2010, passiert sei aber nichts, kritisierte Grasl. Forderungen des Kommandanten, die er jetzt an die Stadt stellt: Atemschutzgeräte in die Feuerwehrfahrzeuge einbauen, die Maisinger Schlucht-Brücke wieder für Feuerwehrfahrzeuge befahrbar machen, ein neues Feuerwehrgerätehaus im Gewerbegebiet nördlich der B2 bauen, tagsüber eine zweite Wache am städtischen Betriebshof einrichten und an den Tunnelportalen ständige Wachen mit sechs Mann Besatzung vorhalten. Außerdem benötige man dreiachsige Feuerwehrfahrzeuge.

Klaus Rieskamp (DPF) verwies auf die Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden, wie zum Beispiel mit Pöcking. Antwort von Grasl: „Wir brauchen die Willensbekundung der Politik was sie für die Feuerwehr Starnberg beschaffen will, dann kann man Verträge mit Nachbargemeinden über ihre Unterstützung schließen. Stefan Frey (CSU) sagte er halte es für „zwingend erforderlich“, das Schritt für Schritt in Angriff zu nehmen.