Nach Ansicht des Leiters des Staatlichen Bauamtes Weilheim haben Stadt, Feuerwehr und seine Behörde alle das gleiche Ziel: den Starnberger B2-Tunnel möglichst sicher zu machen. Dabei gebe es aber nicht nur die Seite der Feuerwehr, reagierte er auf die beiden vorangegangenen Vorträge in der jüngsten Stadtratssitzung, die sich mit dem Sicherheitskonzept des Bauwerkes aus Sicht der Feuerwehr befasst hatten (siehe unten). „Es gibt auch die bauliche Seite“, sagte Fritsch, und die gebe der Bund als Bauherr vor. Fritsch versicherte, die Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT 2016) werde als aktueller Stand der Technik umgesetzt: „Wir bauen keinen 2. Wahl-Tunnel. Er entspricht der RABT 2016.“ Er verhehlte aber nicht, dass es Differenzen in der Einschätzung zur Tunnelsicherheit zwischen der Stadt Starnberg und seiner Behörde gebe. Deshalb habe man den Arbeitskreis der Sicherheitskräfte (BOS) gegründet, der bereits fünf mal getagt und eine Ortsbesichtigung an den Ausgängen der Notaufstiege durchgeführt habe. Die Abstimmung sei eine „komplexe Sache“, das Vorgehen aber „genau der richtige Weg“. Es habe sich gezeigt, dass es nun noch drei offene Themen gebe: Die fehlende Brandlöschanlage, die noch nicht eingeplanten Aufzüge für die Feuerwehr und Mängel an den oberirdischen Aufstellflächen rund um die Notausstiege. „Ich kann zusagen, wenn Ihre Forderungen mit Gutachten hinterlegt sind, werden wir uns beim Bund dafür einsetzen, dass er den B2-Tunnel nachrüstet. Wir kämpfen da auf der gleichen Seite und werden die Belange der Stadt dort vertreten“, bat er nachdrücklich darum, ihm das abzunehmen. Die Aussagen seines Projektleiters Herwig Ludwig sprachen dann allerdings teilweise eine härtere Sprache.

„Wir haben schon festgestellt, was wegen des gültigen Planfeststellungsbeschlusses nachträglich nicht mehr geht“, begann Ludwig und nannte zum Beispiel die nicht mehr mögliche Nachrüstung der Röhre mit einer Mitteltrennwand. Das weitere Vorgehen erläuterte  er wie folgt: Die Weilheimer Behörde werde Empfehlungen zur Überarbeitung des Gutachtens von Dirk Schneider zur Notwendigkeit der Brandlöschanlage und der Aufzüge in den Notausstiegsschächten  geben. Dann folge die eventuelle Überarbeitung, damit das Gutachten zur Vorlage und Einigung mit dem Bauherren Bund dienen könne. Mit der Kommentierung dieser Stellungnahme durch die Weilheimer Behörde sowie deren eigener Stellungnahme rechne er bis 10. Februar 2019. Beides sollte dann bis zum 10. März 2019 zwischen Staatlichem Bauamt und den Starnberger Rettungskräften besprochen worden sein. Die abschließende Besprechung zwischen den BOS und seiner Behörde erfolge bis 15. April. Im Mai 2019 gehe eine Empfehlung des Staatlichen Bauamtes an den Bund, der daraufhin eine Entscheidung treffe. Obendrein müsse man klären, wo und wie Aufstellflächen nachbesserbar seien. Ludwig machte noch einmal deutlich, dass der Bund nicht verpflichtet sei, Forderungen über die RABT 2016 hinaus nachzukommen. Dass die Stadt zum Nachweis des Zusatzbedarfs Gutachten vorlege, sei „essentiell“. Ludwigs deutlicher Hinweis: „Das Staatliche Bauamt entscheidet, welche Dinge dem Bund vorgelegt werden.“

Klaus Rieskamp (DPF) plädierte dafür,  darauf zu verzichten über das Schneider-Gutachten im Stadtrat zu reden: „Wir sollten abwarten, bis das Staatliche Bauamt die konsolidierte Meinung vorlegt. Ludwig fand das sinnvoll, denn Weilheim sichte die Gutachten und mache dann eine Gesamtstellungnahme. Alle drei Gutachten (IFA, Feuerwehr-Kommandant und Schneider) übergebe man zuerst dem eigenen Gutachter des Staatlichen Bauamtes. Das sei ein anerkannter und renommierte Gutachter, der eine möglichst hohe Objektivität biete. Das ergebe dann eine Gesamtschau aller Bedingungen für die Sicherheit im Bauwerk, die anschließend mit der Stadt zu diskutieren und danach ganz oder teilweise dem Bund vorzulegen sei. Der werde gefragt, ob er wegen der Sondersituation in Starnberg entgegen der bisherigen Planung bereit sei, diese zu ergänzen. „Je besser das durchdiskutiert ist, desto größer die Chance“, so Ludwig. Seine Behörde sei aber nur für die baulichen und betrieblichen  Fragen im Zusammenhang mit dem Tunnel zuständig. Was die Einsatzausstattung und Organisation der Rettungskräfte angehe, sei dies Sache der Stadt Starnberg.

Michael Mignoli (BLS) fühlte sich überfordert: „Irgendwie ist mir das alles zu wirr. Ich hoffe, dass Sie das Beste geben“, sagte er an die Adresse des Staatlichen Bauamtes. Worauf Ludwig versicherte: „Das ist hier keine Alibiveranstaltung.“ Stefan Frey (CSU) sprang ihm zur Seite: „Es ist ein mustergültige Prozess, wie er hier abläuft.“ Die Fachleute sollten ihre Arbeit machen, erst dann müssten die Fraktionen politisch Stellung nehmen. Im Stadtrat solle das Thema erst wieder auf die Tagesordnung kommen, wenn sich die Gutachter abgestimmt hätten. Anderer Ansicht war Franz Heidinger, Referent des Stadtrates für die Rettungsorganisationen. Er wolle das Schneider-Gutachten sehr wohl im Stadtrat hören. Außerdem kritisierte er, dass sich im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vor 2007 offenbar weder das Landratsamt noch die Kreisbrandinspektion eingebracht hätten. „Das ist irgendwo ein Fehler“, so Heidinger, sonst wäre man nämlich schon viel weiter. „Jetzt fallen die Kosten auf die Stadt Starnberg. Da geht es um Millionen.“ Er finde das schwierig, der Stadt das aufzubürden, wenn der Bund sage, nach der Notausstiegstür sei es ihm egal. Ludwig bezog das nur auf die Aufstellflächen. Die gelte es zu optimieren. Allerdings genüge die Planung auch jetzt schon allen Anforderungen, weil der öffentliche Straßenraum eine ausreichende Aufstellfläche sei. Dass das im üblichen Starnberger Verkehr zu Chaos führen würde, sagte er nicht. Dagegen sagte er schon: „Es ist nicht unsere Intention alle Lasten bei der Feuerwehr abzuladen.“

Da Bürgermeisterin Eva John den Saal kurz verlassen und die Sitzungsleitung ihrem Stellvertreter Rieskamp übertragen hatte, beendete dieser die Beratung mangels weiterer Wortmeldungen mit der Zur-Kenntnisnahme des Berichtes. Beschlüsse wurden wieder weder beantragt noch gefasst.