Als wäre er an Beratung und Beschlussfassung in der Vergangenheit nie beteiligt gewesen, und wüsste nicht genau, dass die Stadträte den Erlös aus dem Verkauf der Grundstücke Am Wiesengrund eigentlich schon heuer im Haushalt eingeplant hatten, jetzt aber dringend im nächsten Jahr brauchen, hatte Patrick Janik (UWG) schon in der vorletzten Ratssitzung ungehalten kritisiert, dass beim Einheimischenmodell „Am Wiesengrund“ im Moment nur die Parzellen für Reihenhäuser vergeben würden, nicht jedoch die angekündigten Eigentumswohnungen. „Warum die geteilte Bewerbungsphase? Wie weit sind die Planungen für den Geschosswohnungsbau? Der ist von den sozialen Komponenten doch interessanter“, so Janik. Bürgermeisterin Eva John erinnerte daran, dass der Stadtrat hierzu noch keine Entscheidungen getroffen habe, auch nicht zu der Frage, wie die Stadt diesen geförderten Wohnungsbau realisieren wolle. Offen sei weiterhin, wer Investor sein solle, ob eine Fremdvergabe erfolge und wie die vorzunehmen sei. Erst danach könne man die Baugrundstücke ausschreiben, um die Eigentumswohnungen möglichst günstig zu erstellen. „Wir können nur eines nach dem anderen machen“, so John. Am 10. Dezember 2018 wiederholte Janik seine Kritik erneut im Stadtrat und stellte einen von SPD und UWG gemeinsam formulierten Dringlichkeitsantrag. Der sollte durchsetzen, dass „unverzüglich Schritte zur Umsetzung beginnen“ und diese den zuständigen Ratsgremien vorgelegt werden. „Die Verwaltung ist hier auf dem Holzweg“, so Janik. Die Stadtratsmehrheit entschied mit 18:2 Stimmen, dass der Punkt auf die Tagesordnung genommen werden musste. Als es soweit war, fasste die übliche Mehrheit den Beschluss, die Verwaltung damit zu beauftragen, „unverzüglich“ in der gewünschten Richtung tätig zu werden. Die Bürgermeisterin gab daraufhin zu Protokoll: „Bei einem ordentlichen Geschäftsgang ist die Verwaltung frühestens im Oktober 2019 in der Lage, diesem Auftrag nachzukommen.“

Janik hatte den Vorwurf erhoben, die wirtschaftlich leistungsfähigere Gruppe der Reihenhausbewerber im Einheimischenmodell Am Wiesengrund  werde vorgezogen. Das sei falsch. Vorrang sollte der Geschosswohnungsbau haben, denn „soziale Gesichtspunkte verwirklichen sich doch eher über Eigentumswohnungen und sozialen Mietwohnungsbau“. Markus Mooser (WPS) antwortete, Eigentums- und Mietwohnungen seien sicher notwendig, aber der Antrag von SPD und UWG sei so formuliert, als hätte die Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit gar nichts gemacht. Er hätte es besser gefunden, wenn sich die beiden Fraktionen erst einmal informiert hätten. John zählte die das Einheimischenmodell betreffenden Beschlüsse des Stadtrates und seiner Gremien auf. Vom Grundsatzbeschluss in 2016 bis zur jetzt angelaufenen Vergabe der Reihenhausgründstücke sei man ungewöhnlich schnell voran gekommen. So stehe bereits der Bebauungsplan, Richtlinien für die Berechtigung auf Wohneigentum im Modell und für die Vergabe nach bestimmten Kriterien seien erarbeitet worden und gelten sowohl für die Häuser als auch für die Wohnungen. In der Verwaltung sei nur eine Person mit der Bewertung der Bewerberbögen und der anschließenden Vergabe der Reihenhausparzellen, Vorbereitung der Bauverträge und mehr befasst, weil im Rathaus Personalnot herrsche. Wie berichtet zeigte sich der Stadtrat in der Vergangenheit und auch was die Zukunft betrifft äußerst hartleibig, was Stellenmehrungen betrifft. Der Geschosswohnungsbau sei, so John, eine andere Größenordnung und Aufgabe. Zuvor müsse der Stadtrat noch etliche Entscheidungen fällen. Zum Beispiel, ob alle Baufelder gleichzeitig oder nacheinander in Angriff genommen werden sollen. Für das Vergabenverfahren für die Wohnugen müsse noch „relativ viel Gehirnschmalz und Zeit“ aufgewendet werden, um das vorzubereiten. Erst nach Abschluss der Vergabe und Beurkundung des Verkaufs oder der Vergabe in Erbpacht der Reihenhausgrundstücke gebe es dafür personelle Kapazität. „Ich rechne frühestens im September/Oktober mit Vorlagen für den Stadtrat“, sagte John.

Einen anderen Ton als Janik schlug Christiane Falk (SPD) an: „Die Intention des Antrags ist nicht Kritik, sondern nur ein Aufmerksam-machen, damit der Wohnungsbau nicht in Vergessenheit gerät. Wir sollten nicht im Tempo nachlassen und könnten uns den Sommer über schon konzeptionell Gedanken machen. Das ist primär die Aufgabe des Stadtrates.“ „Der Antrag spricht aber eine andere Sprache und übt Kritik“, entgegnete die Bürgermeisterin. Öffentliche Vergaben seien ein vielfältiges Rechtsgebiet und die Verwaltung habe eben nur eine Person. Ihr „ernstgemeintes“ Angebot laute „nach den Sommerferien“. Aber die Fraktionen könnten auch selbst Ideen entwickeln, wie man die Sache voran bringen könnte. Für Iris Ziebart (FDP) war klar: „Alle sind mehr oder weniger dabei. Wir müssen aber den Engpass in der Verwaltung respektieren und sollten konstruktiv zusammenarbeiten.“ Für Otto Gaßner (UWG) hatte der Geschosswohnungsbau „bisher nicht die richtige Priorität“. Er habe schon mindestens fünf mal danach gefragt. Außerdem sei ein Einheimischenmodell nur förderfähig, wenn Bedürftigkeit vorliege. Die könne er bei den Bewerbern, die sich ein Reihenhaus jenseits der 400000 Euro vorstellen könnten, nicht erkennen, so Gaßner. Seiner Meinung nach sei es auch möglich die Aufgabe extern zu vergeben. Ihm hielt John entgegen, die Voraussetzungen für einen Erwerb hinsichtlich Vermögen und Einkommen seien für alle Bewerber, egal ob für eine Wohnung oder ein Reihenhaus, gleich. Aber die bisherigen Entscheidungsfolgen im Stadtrat hätten andere als die von UWG und SPD beabsichtigten Prioritäten vorgegeben. So sei noch nicht einmal entschieden, ob die Mehrfamilienhäuser von der Stadt oder von einem Fremden erstellt werden sollen. „Das war doch die Taktung der Verwaltung“, schrie Janik die Bürgermeisterin an. Die habe einfach nichts vorgelegt. Man hätte sich halt früher Gedanken machen müssen. Günther Picker (WPS) platzte der Kragen: „Das ist ja irre, was Sie hier sagen. Sagen Sie mal, nehmen Sie vielleicht Drogen?“ John ermahnte Beide: „Vielleicht geht es auch eine Tonlage tiefer!“ Michael Mignoli (BLS) beantragte daraufhin „Sofortiges Ende der Debatte“. Abstimmungsergebnis 25:4. Josef Pfisters (BMS) Versuch, wenigstens einen Fortschritt für die Bewerber für Eigentumswohnungen zu retten, wollte niemand mehr diskutieren. „Wir sind doch schon so weit, haben aber noch nicht diskutiert, in welchem Verhältnis Mietwohnungen zu Eigentumswohnungen entstehen sollen.“ Laut John geht es aber um noch viel mehr, weshalb ein halbes Jahr Vorbereitung angemessen sei.