Angelika Kammerl hat in der letzten Stadtratssitzung dieses Jahres wieder einmal einen „Dringlichkeitsantrag“ gestellt, der nach den Buchstaben der gültigen Geschäftsordnung des Stadtrates keiner ist, weshalb Günther Picker (WPS) umgehend darauf hinwies, dass ein eventuell in dieser Angelegenheit gefasster Beschluss rechtswidrig sein werde. Die Mehrheit aus CSU (ausgenommen Thomas Beigel), UWG, Grünen, SPD, BLS und DPF unterstützte jedoch wie üblich Kammerl, die nochmals die Planung für den Umbau der Petersbrunner Straße aufschnüren wolllte (siehe 2019 Umbau Petersbrunner Straße und Tunnel erfordert neue Geh- und Radwege), und beschlossen mit 15:6 Stimmen, dass der Antrag auf die Tagesordnung genommen wurde. Erfolg hatte er am Ende aber dennoch nicht. Stefan Frey (CSU) und Martina Neubauer (Grüne) überredeten Kammerl, den Antrag zurückzunehmen. Nicht in öffentlich geführter Debatte, sondern in Gesprächen abseits der Mikrophone am Rande der Sitzung hatten Frey und Neubauer Kammerl zu überzeugen versucht, dass ihr Wunsch für die Pläne des Staatlichen Bauamtes Weilheim, ab Herbst nächsten Jahres den Durchstich von der Petersbrunner- zur Münchner Straße zu bauen, sehr hinderlich würden.

Das Staatliche Bauamt Weilheim habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass der Kostenanteil für den Umbau, der auf die Stadt Starnberg entfalle, relativ hoch sei, erläuterte Kammerl den Hintergrund für ihren Vorstoß. Sie schrieb der Planung der Geh- und Radwege, Bepflanzung  und Beleuchtung die hohen Kosten zu und erinnerte an die Haushaltslage der Stadt: „Ein solcher Ausbau ist nicht sinnvoll. Das Geld könnte man besser in andere Projekte stecken“, so die DPF-Stadträtin. Das Ingenieurbüro solle den Auftrag bekommen, die Planung zu überarbeiten. Im nördlichen Bereich reiche ein normal breiter Gehweg, denn statt des dort in ausreichender Breite geplanten kombinierten Geh- und Radwegs „können Fahrradschutzstreifen und Parkbuchten durch Markierungen auf der Fahrbahn eingerichtet werden“. Dann stiegen die Kosten für die Straße, die der Freistaat trage, sagte Kammerl. In Weilheim habe man ihr gesagt, eine Umplanung sei jetzt noch möglich. Bürgermeisterin Eva John fragte: „Was war der Grund, dass Sie ohne unser Wissen mit dem Staatlichen Bauamt verhandelt haben?“ „Ich habe nur eine Auskunft erbeten“, antwortete Kammerl. Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass die Pläne für den Umbau der Petersbrunner Straße vom Stadtrat bereits am 24. Juli 2018 genehmigt worden seien. Nach weiteren Anliegerversammlungen und Ortsterminen  seien noch Änderungen vorgenommen worden, so dass der Baubeschluss vom Stadtrat gefällt wurde und die Verwaltung den Auftrag erhielt, die Leistungen auszuschreiben und zu vergeben. „Wir sind jetzt soweit, dass wir vor Beginn der Arbeiten für den Durchstich gerade so fertig werden können, auch der Grunderwerb ist fast abgeschlossen. Bei einer weiteren Planänderung bauen wir sicher nicht mehr in 2019“, erläuterte John. Das Staatliche Bauamt und die Stadt waren sich von Beginn an einig, dass sich die beiden Vorhaben gegenseitig behindern würden, weshalb der Umbau der Petersbrunner Straße auf jeden Fall vor Beginn der Arbeiten am Durchstich abgeschlossen sein müsse. Zwar trage die Stadt Starnberg 51 Prozent der Kosten, die vor allem der künftigen Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern geschuldet sind – die Kosten der Straße trägt der Freistaat – doch bekomme die Stadt auch einen relativ hohen staatlichen Zuschuss. Den genauen Betrag konnte John noch nicht nennen. Nur so viel: „Ab 50 Prozent aufwärts.“

Otto Gaßner (UWG) beantragte ungeachtet der Zeitnot, Kammerls Wunsch in der nächsten Bauausschusssitzung beraten zu lassen, die erst im neuen Jahr stattfindet. Jetzt traten Frey und Neubauer in Aktion. Gaßners Geschäftsordnungsantrag wurde mit 6:23 Stimmen abgelehnt. Neubauers Wunsch nach einer Sitzungsunterbrechung lehnte das Gremium mit 10:14 Stimmen ab. Laut Klaus Rieskamp (DPF) habe Weilheim gesagt, man solle es so machen wie auf der Hanfelder Straße, auf der wie berichtet Fahradschutzstreifen markiert worden sind. Allerdings ist das wie berichtet erst nach der Abstufung zur Ortsstraße dank der Eröffnung der Westumfahrung geschehen. Rieskamp war dennoch der Ansicht: „Was geplant ist, ist eher eine Anlage für einen Kurpark, nicht für ein Gewerbegebiet. Das gesparte Geld könnte die Stadt in innerstädtische Radwege stecken.“

John reagierte sichtlich fassungslos: „Die Planung war abgestimmt mit dem Staatlichen Bauamt und der Obersten Baubehörde bei der Regierung von Oberbayern. Von den 2,2 Millionen Euro Gesamtumbaukosten treffen die Stadt 1,1 Millionen Euro minus die staatlichen Zuschüsse. Wie kommen Sie dazu in ihrem Antrag zu behaupten, die Stadt müsse 2 Millionen Euro zahlen?“ Josef Pfister (BMS) fand Kammerls Vorgehen „befremdlich“. „Wieviel wird es nach Ihrem Plan denn billiger?“, wollte er wissen und erläuterte der DPF zum wiederholten Mal:“Die Hanfelder Straße ist von der Staatsstraße zur Ortsstraße abgestuft worden. Die Petersbrunner Straße wird nach dem Durchstich aber statt bisher Ortsstraße neu zur Staatsstraße. Und bei welchem Radweg-Projekt in der Innenstadt wollen Sie denn das gesparte Geld parken? Ich hoffe, es bleibt bei den bisherigen Beschlüssen“, sagte Pfister. Ludwig Jägerhuber (CSU) warb ebenfalls dafür, die Beschlüsse nicht nochmals zu ändern: „Den Umbau müssen wir möglichst zeitnah umsetzen. Dann folgt der Umbau der Kreuzung an der Strandbadstraße mit dem Durchstich von der Petersbrunner- auf die Münchner Straße. Da darf es keine gegenseitige Behinderung geben.“ Die Planung sei schon mehrfach korrigiert worden und ermögliche jetzt einen durchgehenden Radweg von Percha zum Bahnhof Nord. Auf einer Staatsstraße brauche man Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, da seien Schutzstreifen „keine ideale Lösung“. Die Rathausverwaltung habe die ganze Arbeit in einem Jahr geleistet. Das sei alles mit großer Mehrheit (25:0) beschlossen worden. Eine nochmalige Änderung verhindere die Umsetzung, warnte Jägerhuber.

Daraufhin zog Kammerl ihren Antrag zurück.