Seit 2015 arbeitet das Stadtbauamt an dem Bebauungsplanverfahren für den Bereich am südwestlichen Fuß des Schlossbergs zwischen Hauptstraße und Vogelanger. In der jüngsten Beratung des Bauausschusses des Stadtrates ging es insbesondere um den Lärmschutz, der im Rahmen einer Bauleitplanung gelöst werden muss, damit es zu gesunden Wohn- und Lebensverhältnissen kommt. Genau dies ist im betroffenen Gebiet aber äußerst schwierig. Nach längerer Diskussion erhielt der Antrag von Ludwig Jägerhuber (CSU) eine Mehrheit (9:3): Das Bebauungsplanverfahren soll wieder eingestellt werden.

So viel zum Hintergrund: Im Moment geht es um die drei Grundstücke Schlossbergstraße 9 (Alte Apotheke), Vogelanger 17 (das denkmalgeschützte ehemalige Handwerkerhaus aus 1842) und Vogelanger 15 (ein Haus, für das es bereits einen Bauantrag gibt), die alle drei hoch über der Hauptstraße oberhalb einer Stützwand thronen (südlich der Alten Polizei). Schlossbergstraße 9 und Vogelanger 17 stehen eng beieinander. Die alte Apotheke steht im Gegensatz zum Nachbarhaus, das wegen der nur noch spärlich zu findenden „Laubsägearbeiten am Balkon“ – früher am Starnberger See weit verbreitet – unter Denkmalschutz steht, nicht unter einem solchen Schutz. Für beide Grundstücke (sie haben den selben Eigentümer) war schon vor Jahren ein Antrag auf Vorbescheid gestellt worden, dem der damalige Bauausschuss nicht das gemeindliche Einvernehmen erteilen wollte, weil sich das dort neu geplante Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage nach Art und Maß der baulichen Nutzung nicht in die  Umgebungsbebauung einfüge. Gegen diese Entscheidung ist eine Klage des Eigentümers anhängig. Für die Mitglieder des Bauausschusses war der Antrag damals Auslöser für den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen. Im Juni 2018 hatte der Ausschuss entschieden, die für das Verfahren bereits gefassten städtebaulichen Ziele auch noch um das Thema Denkmalschutz zu erweitern, damit dann weiter am Entwurf zu arbeiten und zur Sicherung der Ziele eine Veränderungssperre bis zum 20. Juli 2019 zu erlassen. Seitdem wurde unter anderem die Lärmsituation oberhalb der Hauptstraße gutachterlich untersucht, um immissionschutzrechtliche Vorgaben machen zu können (siehe auch Denkmalschutz als weiteres Ziel).

Das Ergebnis war ernüchternd. Auch unter Berücksichtigung, dass der B2-Tunnel gebaut wird, ergaben sich deutliche Überschreitungen der gültigen Grenz- oder Orientierungswerte. Tagsüber ist laut Gutachten mit einem Lärmpegel von 75 Dezibel, nachts von 68 zu rechnen. Höchstens zulässig sind aber nur  64 tagsüber und 49 nachts. Das bedeutet, das es nicht mehr ausreichen würde, die Neubauten zur Hauptstraße hin entsprechend zu dämmen und mit entsprechenden automatischen Lüftungsanlagen ausgestatteten Lärmschutzverglasungen zu versehen. Deshalb wurde die Wirkung von verschiedenen Varianten einer Lärmschutzwand untersucht. Als am wirksamsten und städtebaulich am verträglichsten wurde eine Wand oberhalb der heute schon vorhandenen Stützwand mit 2,50 Höhe auserkoren, die um drei Meter von der oberen Kante der alten Stützwand zurück Richtung Garten gebaut werden müsste, damit sie begrünt werden könnte und somit nicht mehr so auffalle. Probleme bringe diese Lösung für die Alte Apotheke mit sich, erläuterte Peter Meinert vom Stadtbauamt, weil die Lärmschutzwand dann sehr nah am Gebäude stehe und vermutlich dessen Belichtung beeinträchtige. Dennoch ergebe diese Variante mit bis zu 13 Dezibel weniger Lärm eine deutliche Verbesserung, weshalb die Verwaltung vorschlage, den Bebauungsplanentwurf auf dieser Basis fortzuführen.

Annette von Czettritz (Grüne) fiel dazu nur ein: „Man müsste für jeden Parkplatz in der Innenstadt acht Euro pro Stunde verlangen, damit es hier weniger Autos gibt.“ Patrick Janik (UWG) bekräftigte trotz allem seinen Wunsch, eigentlich auch die untere Stützmauer beseitigen zu wollen. Was hier geplant werde, sei „keine prunkvolle Ausstattung des Tors zur Stadt“. Markus Mooser (WPS) konnte sich nicht verkneifen, in Richtung der Grünen darauf hinzuweisen, dass auch er gegen den vielen Verkehr in Starnberg kämpfe: „Mit einer Umfahrung statt des B2-Tunnels wäre der raus aus der Stadt.“ Unverständlich für ihn, warum der Lärmschutz nicht an der gesamten Hauptstraße eine Rolle spiele, so zum Beispiel bei dem demnächst entstehenden Haus mit dem goldenen Dach südlich der Stadtbücherei. Meinert erläuterte, es sei ein Unterschied, ob es für ein Quartier einen Bebauungsplan gebe oder Neubauten nach der Umgebungsbebauung beurteilt würden. Im ersten Fall sei die Stadt verpflichtet, gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse zu schaffen, im zweiten Fall der jeweilige Bauherr. Laut Stadtbaumeister Stephan Weinl ist es beim Haus mit den goldenen Dach auch deshalb anders, weil es direkt an der Straße stehe und sich deshalb selbst schützen müsse. Bürgermeisterin Eva John ergänzte, das der hier geltende Bebauungsplan schon aus den 1980er Jahren stamme.

Jägerhuber fasste die Situation wie folgt zusammen: Für Hausnummer 15 gibt es Baupläne, Hausnummer 17 ist ein Denkmal, dass nun ohnehin nicht mehr weggerissen werden darf. Also geht es nur noch um Hausnummer 15, bei dem der Lärmschutz auch ohne Bebauungsplan bewältigt werden könnte. „Ich bin dafür, das Bebauungsplanverfahren einzustellen“, lautete sein Fazit. Sein Fraktionskollege Gerd Weger wollte das Verfahren dagegen erst einmal ruhen lassen. Das ist aber, so die Bürgermeisterin, nicht möglich, weil die Veränderungssperre im Juli ausläuft. Vorher müsse das Verfahren beendet sein, weil sonst all das nicht mehr wichtig sei, was die Ausschussmitglieder bisher beschlossen hätten, zum Beispiel das Denkmal beizubehalten und die Wandhöhe bei dem geplanten viergeschossigen Wohn- und Geschäftshaus auf Hausnummer 17 um fünf Meter zu reduzieren. Jägerhuber hält diese Baupläne jedoch für ohnehin obsolet: „Auf dem kleinen Grundstück von der Alten Apotheke lässt sich der große Neubau nicht realisieren und das Denkmal daneben darf nicht abgerissen werden.“ Da mahnte von Czettritz jedoch: „Ein Denkmal kann durch einen heißen Rückbau auch wieder beseitigt werden.“ „Auch durch den Nachweis, dass das Gebäude nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden kann“, ergänzte John. „Ohne Bebauungsplan wäre alles wieder offen“, warnte Weinl, „das hätten wir leider dann nicht mehr in der Hand.“ Weger ist davon überzeugt: „Mit Bebauungsplan haben wir das besser im Griff.“ „Einschließlich der Festsetzungen öffentlicher Verkehrsflächen am Vogelanger“, ergänzte ihn John.

Die Mehrheit sah das anders und folgte Jägerhubers Antrag auf Einstellung des Verfahrens und hob auch die Veränderungssperre auf (9:3).