Mit zwei Anträgen hat sich der Kulturausschuss des Stadtrates befasst. Die CSU hatte geeignete Aufstellorte für sogenannte öffentliche Bücherschränke in Starnberg und/oder seinen Ortsteilen beantragt, diesen Antrag laut Bürgermeisterin Eva John aber wieder zurückgezogen. Drei Tage später ging der Antrag der UWG im Rathaus ein, die damit eine private Initiative zur Einrichtung einer oder mehrerer Bücheraustauschstationen („Bücherkühlschränke“) unterstützen wollte. Unentgeltlich sollte die Stadt geeignete Standorte auf öffentlichem Grund zur Verfügung stellen. Die Auswahl der Standorte solle nur im Einvernehmen mit den Vertretern der Initiative erfolgen, verlangte die UWG. Dass die Stadt das Vorhaben unterstützt, befürwortete der Ausschuss einstimmig.

„Bürgerinnen planen in Eigenregie Bücherkühlschränke aufzustellen“, berichtete John und wies darauf hin, dass das Amt für Standortförderung bereits Kontakt mit der Initiative aufgenommen habe. Auch in der letztjährigen Bürgerversammlung war ein solcher Wunsch geäußert worden. Iris Ziebart (FDP) fand, das sei eigentlich eine gute Idee, doch dass nun auch noch „ausrangierte Kühlschränke im öffentlichen Raum rumstehen sollen“, da „dreht sich mir der Magen um“. Sie erinnerte an die vielen Dinge, die bereits viel Platz in Anspruch nehmen, wie Müllbehälter, Verkehrs- und Hinweisschilder und vieles mehr. John beschwichtigte, es würden nur zwei bis vier Standorte gesucht. Das Modell funktioniere anderswo bereits und in Starnberg müsse man Orte dafür finden, die das Erscheinungsbild nicht beeinträchtigen und nicht dem Vandalismus ausgesetzt sind. Patrick Janik (UWG) hielt Ziebart entgegen: „Der öffentliche Raum hat nicht leer zu sein.“ Franz Heidinger (BLS) findet das Bücherangebot gut, „aber nicht mit Kühlschränken“. Er könne sich so ein Angebot im Bürgerpark vorstellen. Laut Franz Sengl (Grüne) funktioniert das in Österreich „super“. Er plädierte dafür, nicht nur leichte Lesekost, sondern „auch bayerische Geschichte“ dort einzustellen. Das rief Günther Picker (WPS) auf den Plan, der verlangte: „Bei der Bestückung ist die Vielfalt der Literatur zu gewährleisten.“

Katja Fohrmann (CSU) berichtete, sie kenne eine solche Inititative, die alte Telefonzellen in Bücherschränke  umgewandelt hätten. Was das Angebot angehe, vertraue sie auf die Initiatorinnen. Anton Summer (BMS) erinnerte daran, dass er schon vor zwei Jahren vorgeschlagen habe, Bücherkisten als Lese-Angebot aufzustellen. Dass jetzt etwas ähnliches komme, freue ihn. Er warnte aber, die Leute dürften die neuen „Bücherschränke“ nicht als zusätzliche Entsorgungsmöglichkeit zur Papiertonne nutzen.

Picker, dessen Antrag zur literarischen Vielfalt mit 3:9 Stimmen abgelehnt worden war, gab am Ende zu Protokoll: „Die WPS hat das beantragt, weil man aus der Geschichte genügend Missbräuche kennt.“ Ziebart gab zu Protokoll, die Standorte und die Gestaltung der öffentlichen Bücherschränke solle jeweils im Bauausschuss geklärt werden. Die Bürgermeisterin will erst noch prüfen, ob der Bauausschuss dafür zuständig wäre.