Zum letzten Mal hatte man sich im Herbst letzten Jahres getroffen. Mittwochabend kamen Bürgermeisterin Eva John und etwa 80 interessierte Perchtinger erneut im Pfarrheim an der Pöckinger Straße 11 zusammen, um über Möglichkeiten der Verkehrsberuhigung im Ort und mehr zu sprechen. Hintergrund ist der heuer geplante Neubau des Kinderhauses an der Jägersbrunner Straße. Es gibt Befürchtungen, die Sicherheit von Eltern und Kindern auf dem täglichen Weg zur Kindertagesstätte werde wegen der zahlreichen Autofahrer, die sich nicht so gern an die Regeln halten, nicht gewährleistet sein. Folglich war jetzt Thema, wie man die Sicherheit erhöhen, und ob es neue Zufahrtsmöglichkeiten zum Kinderhaus geben könnte. John konnte mit mehreren Mehrheitsvoten in der Tasche die Bürgerversammlung nach etwas mehr als zwei Stunden beschließen.

Ende letzten Jahres hatte der Bauausschuss den Bebauungsplan für den Bereich des geplanten Neubaus zur Satzung beschlossen und dabei wie berichtet noch einmal bekräftigt, dass andere Erschließungsmöglichkeiten zu prüfen seien (siehe Kita-Perchting: Satzungsbeschluss). Der Aufgabe war die Rathausverwaltung nachgekommen, und John berichtete nun über die Ergebnisse. Als bauliche Maßnahmen war die Verbreiterung der Jägersbrunner Straße, eine Zufahrt über eine neue Stichstraße von der Andechser Straße (Kreisstraße) bis zur Jägersbrunner Straße, sowie der Ausbau des heutigen Feldweges, der westlich von Perchting von der Andechser Straße Richtung Sportplatz  und Reiterhof abzweigt. Um es vorweg zu nehmen, keine der drei Lösungen ist derzeit realisierbar. Von einer Verbreiterung des Jägersbrunner Straße wären sieben Privateigentümer mit Grundabtretungen betroffen. Nur einer hat gegenüber der Stadt seine Bereitschaft dazu signalisiert. Für die neue Stichstraße müssten zwar nur zwei Anlieger Grund hergeben, doch die wollen das auch nicht. Was den 1,2 Kilometer langen Feldweg angeht, war man sich einig, dass das ein zu großer Umweg wäre. „Da fährt doch keiner“, riefen mehrere Perchtinger. „Also haben wir uns Gedanken über mehr Sicherheit auf den vorhandenen Wegen gemacht“, leitete die Bürgermeisterin zum Thema „verkehrliche Maßnahmen“ über.

So könnte auf der Pöckinger Straße auf Höhe der Hausnummern 20/25 eine deutlich hervorgehobene Fußgängerfurt markiert werden. Darüber hinaus an der Einmündung der Jägersbrunner- in die Pöckinger Straße ein gut ausgeleuchteter Zebrastreifen plus vergrößerte Aufstellflächen für die Fußgänger eingebaut werden, damit diese erstens selbst besseren Einblick in den aus beiden Straßen kommenden Verkehr erhalten – geprüft wird auch, ob das an der Kreuzung stehende Holzkreuz versetzt werden kann –  und zweitens die Autofahrer dort stehende Fußgänger eher und deutlicher wahrnehmen. Hinzu käme ein Verkehrsspiegel. Der vorhandene Fuß- und Radweg über den Keltenweg (am Vereinsheim vorbei) könnte verkehrssicher hergerichtet und beleuchtet werden, natürlich weiterhin nicht für Autofahrer. „Ein überschaubarer Aufwand“, meinte John. Dann kam sie zu dem „großen Thema schon der letztjährigen Bürgerversammlung“: Tempo-30-Zone im ganzen Ort südlich der Andechser Straße. Vor allem männliche Perchtinger Bürger fanden das überhaupt nicht gut. Wenn, dann höchstens Tempo 40, überlegten sie laut. Die mit Tempo-30-Zonen einhergehende Rechts-vor-Links-Regelung provoziere nur Unfälle, hieß es, und so weiter. Ein Besucher meinte, die Diskussion drehe sich zu sehr um persönliche Befindlichkeiten. Die Damen unter den Perchtinger Bürgern bestätigten unisono, es werde heute auf Perchtings Straßen viel zu schnell gefahren, was angesichts der vielen im Dorf lebenden Kinder ein Problem sei. Der Ortsteilreferent des Stadtrates, Gerd Weger (CSU), erinnerte an die Ergebnisse, die der Arbeitskreis Perchting, ein freiwilliger Zusammenschluss von Bewohnern, gefunden hätten und empfahl auf dieser Basis die Einrichtung der Tempo-30-Zone. Überwachen sollte die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkung die kommunale Verkehrsüberwachung, und gelten solle dies zunächst für ein halbes Jahr als Probezeit. John ließ darüber abstimmen, allerdings, damit man alle Jahreszeiten erlebt habe, mit einjähriger Probezeit. Mit 47:11 Stimmen sprach sich die große Mehrheit für den Versuch aus. Nicht alle Besucher hatten sich in der Lage gefühlt, ein Votum abzugeben.

Genauso groß war die Zustimmung dazu, in der dann verlangsamten Zone das Parken am Straßenrand dadurch zu reglementieren, dass von seiten der Stadt die Straßenbreiten geprüft werden und nur dort, wo diese ausreicht, Parkplätze markiert werden. Nur innerhalb dieser Markierungen darf dann geparkt werden. So hofft man auf mehr Übersichtlichkeit für Autofahrer und Fußgänger. Damit wird dann auch Schluss sein mit dem Parken auf der Jägersbrunner Straße, die nämlich jetzt schon wegen fehlender Breite nicht zum Parken genutzt werden dürfte. Unzulässig ist ebenfalls, das Auto halb auf dem Gehweg abzustellen. „Das Parken auf dem Gehweg beeinträchtigt die Sicherheit von Eltern und Kindern auf dem Weg zu Kinderhaus“, stimmte John zu. Ein Besucher machte seinem Unmut Luft: „Das hätte man damals bei der Dorfentwicklung vor 15 Jahren alles besser machen können. Da gab es noch Anwohner, die Grund verkauft hätten.“ John antwortete, man müsse nun aber mit den jetztigen Verhältnissen umgehen.

Nach diesen beiden mehrheitlich befürworteten Maßnahmen war es kein Thema mehr, aus der Römerstraße eine Einbahnstraße zu machen. Darüber wollte eine Perchtingerin erst nachdenken, wenn das Ergebnis der einjährigen Testphase vorliegt. Der Perchtinger Matthias Frühauf, der in der lokalen Presse kürzlich als möglicher Kandidat der CSU für das Starnberger Bürgermeisteramt genannt worden ist, schlug am Ende der Diskussion vor, die Erschließung des Kinderhauses über die neue Stichstraße von der Andechser Straße her noch nicht zu den Akten zu legen, sondern diese nochmals zu prüfen und mit den Eigentümern der Flächen zu verhandeln. „Vielleicht muss die Stadt einen oder mehrere Euro drauf legen auf das bisherige Angebot“, meinte er. „Es geht nicht nur um’s Geld“, hielt John entgegen, akzeptierte aber, dass die Mehrheit der Anwesenden Frühaufs Vorstoß für unterstützenswert hielten.

Unter „Sonstiges“ äußerte eine Perchtingerin den Wunsch, für ihr Dorf auch einen so tollen Spielplatz wie den in Hanfeld zu bekommen. „Wir würden auch etwas tun dafür“, lockte sie die Bürgermeisterin, die versprach, das erst einmal innerhalb der Verwaltung zum Thema zu machen. Eine ähnliche Bitte gebe es auch in Hadorf, berichtete sie. John bekam eine Liste mit Unterschriften überreicht. Die Unterzeichner fordern, dass die Verwaltungen, die dafür zuständig sind – laut Bürgermeisterin Landrats- und Gesundheitsamt – etwas gegen ein total verwahrlostes Haus mit Rattenbefall in der Blumenau unternehmen.  Dem Eigentümer sei bereits eine Frist gesetzt worden, antwortete die Rathauschefin. Weitere Themen waren der fehlende Radweg an der Kreisstraße Perchting-Hadorf, und die Architektur des neuen Kinderhauses, über die sich einige Bürger immer noch aufregen. Sie halten es für falsch, dort keinen Keller vorzusehen und auch keine Personalwohnungen. Ebenerdiges Bauen sein nicht mehr zeitgemäß, wetterten einige. Die Entscheidungen im Stadtrat für den Bau sind aber längst gefallen. John warb um Verständnis dafür.