In der jüngsten Stadtratssitzung ging es um einen weiteren der insgesamt elf Bürgeranträge (siehe Elf Bürgeranträge) aus der letztjährigen Bürgerversammlung. Mehrere Bewohner der an das geplante Einheimischenmodell „Am Wiesengrund“ angrenzenden Wohngebiete hatten dort verlangt, die Erschließung des Einheimischenmodells dürfe nicht über die Straßen Am Waldspielplatz und Jahnstraße erfolgen. Die Bürgerversammlung unterstützte das damals mit Mehrheit, weshalb sich jetzt der Stadtrat mit den Anträgen befassen musste. Der sprach sich einstimmig dafür aus, mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim und der Gemeinde Pöcking weiterhin alle nur denkbaren Varianten einer anderen Anbindung des Neubaugebietes zu verhandeln. Das Rathaus hatte empfohlen, die Bürgeranträge abzulehnen, weil vorherige Bemühungen in diese Richtung allesamt gescheitert waren. Die Auskunft aus Weilheim sei immer gewesen, die Erschließung habe über das untergeordnete Straßennetz zu erfolgen, berichtete Bürgermeisterin Eva John.

Die Erschließung des Gebietes „Am Wiesengrund“ ist seit Beginn der Planungen ein Thema, da die benachbarten Wohngebiete Angst vor einer Zunahme des Verkehrs haben. Schon im Bebauungsplanverfahren war die Stadtverwaltung nicht weiter gekommen mit dem Wunsch, das Neubaugebiet direkt an die Bundesstraße 2 (B2) anzuschließen, denn das lehnt das Staatliche Bauamt Weilheim ab. Es sieht die Flüssigkeit des Verkehrs auf der Bundesstraße im Bereich zwischen Kreisverkehr am Maxhof und südlicher Einfahrt in den geplanten B2-Tunnel gefährdet, wenn es eine zusätzliche Einmündung gäbe. Dennoch wurden im Rathaus und vom Stadtrat insgesamt sieben Varianten entwickelt, wie eine andere Zufahrt zum „Am Wiesengrund“ gelingen könnte (siehe auch Wiesengrund: Ampel am Waldspielplatz). Teils betreffen diese Varianten jedoch private Eigentümer (Gut Schmalzhof) oder die Gemeinde Pöcking, die gerade dabei ist, das langerwünschte neue Gewerbegebiet am Maxhof-Kreisel in die Realität umzusetzen. Beide Gesprächspartner haben, wie gegenüber der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit versichert, bisher keine Möglichkeiten gesehen, Wünschen aus Starnberg noch weiter entgegen zu kommen.

Im Oktober 2018 lautete der Stadtratsbeschluss, die in Starnberg ermittelten Erschließungsvarianten durch das Staatliche Bauamt prüfen und bewerten zu lassen. Die Behörde erteilte diesem Wunsch jedoch  laut Stadtverwaltung eine Absage. In der Beschlussvorlage zu diesem Tagesordnungspunkt heißt es jetzt: „Eine Besprechung wird seitens des Staatlichen Bauamtes aktuell als nicht zielführend erachtet, da eine Bewertung der vorgelegten Varianten zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich sei.“ Vielmehr habe man zu Jahresbeginn nicht nur eine Untersuchung der Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes Waldspielplatz/ Mozartstraße in Auftrag gegeben, sondern lasse den gesamten Streckenabschnitt vom künftigen Tunnelportal Süd bis einschließlich des Maxhofkreisverkehrs wegen der inzwischen angezweifelten Leisungsfähigkeit überprüfen. Ziel sei, für alle Knotenpunkte ein Gesamtkonzept zu schaffen. Die städtischen Varianten würden dabei berücksichtigt, aber auch Alternativen untersucht. Bevor nicht Ergebnisse vorlägen, wolle man keine Bewertung abgeben. Das Staatliche Bauamt werde im Sommer wieder Kontakt zur Stadt aufnehmen.

Damit wollte sich Stefan Frey (CSU) nicht zufrieden geben. Die Jahnstraße sei heute schon hoch belastet und im vorderen Teil ohne Gehweg. Er rechne damit, dass pro Tag durch das neue Wohngebiet 150 Autofahrten mehr auf die heutigen Bewohner zu kämen. „Wir sollten Weilheim gegenüber nicht zögerlich sein und die direkte Anbindung an die B2 nicht aufgeben, sondern nochmals verhandeln.“ Frey beantragte „sämtliche denkbaren Alternativen zur Anbindung über den Waldspielplatz mit Nachdruck gegenüber dem Staatlichen Bauamt zu verhandeln und das Prüfergebnis dem Stadtrat zur Beratung vorzulegen.“ Die rund 40 Bürger aus den betroffenen Wohngebieten, die zur Sitzung gekommen waren, klatschten hier Beifall. Freys Antrag erhielt einstimmige Unterstützung. „Vielleicht können Sie, Herr Frey, Einfluss nehmen. Wir finden die Auskunft auch nicht befriedigend“, antwortete John mit Blick auf Freys gute Kontakte zu den Gliederungen der CSU-geführten Ministerien. Freys Fraktionskollege Gerd Weger war allerdings der Ansicht, die Stadt müsse die Lösung allein hinbekommen, wenn sie nur mit Pöcking darüber verhandele, wie man den Verkehr vom Wiesengrund auf den Maxhofkreisel bekomme. Christiane Falk (SPD) wollte in der Antwort der Weilheimer Behörde „noch keine wirkliche Absage erkennen“, weshalb man die Türe noch nicht schließen sollte. „Natürlich muss es eine Anbindung an die B2 geben“, war die Meinung von Klaus Rieskamp (DPF). Man müsse nur zur interkommunalen Zusammenarbeit mit Pöcking finden.  „Sie wissen genau, dass Pöcking alles weiß. Auch wenn wir uns mit der Nachbargemeinde einig würden, heißt das noch lange nicht, dass das Staatliche Bauamt zustimmt. Es liegen sieben Varianten auf dem Tisch, die beide kennen, zu denen Weilheim derzeit aber keine Aussage macht“, erinnerte die Bürgermeisterin. Winfried Wobbe (UWG) wäre auch schon mit einem „Halbanschluss“ zufrieden, also einer Lösung, die entweder nur das Ein- oder das Ausfahren erlauben würde. Anton Summer (BMS) erinnerte an den Vorschlag von Ludwig Jägerhuber (CSU) aus früheren Sitzungen, am Knoten Waldspielplatz/Mozartstraße einen neuen Kreisverkehr einzurichten. Hier mahnte Franz Sengl (Grüne): „Bei realistischer Betrachtung werden Autofahrer nicht in die B2 einbiegen, wenn auf der Stau ist. Bewohner Am Wiesengrund weichen dann auf jeden Fall über das untergeordnete Straßennetz aus. Mit einem Anschluss an die B2 ist nicht automatisch alles gut.“ „Deshalb dringen wir darauf, dass die Stadt die Untersuchungen des Staatlichen Bauamtes nah begleitet“, so John.

Mit 22:2 Stimmen bekräftigte der Rat seine Beschlüsse vom Oktober letzten Jahres. Er nahm zur Kenntnis, dass das Staatliche Bauamt derzeit keine Bewertung abgeben will und sprach sich für weitere Planungs- und Abstimmungsgespräche mit den Grundstückseigentümern vom Schmalzhof und der Gemeinde Pöcking aus. Die Weilheimer Behörde wurde gebeten, die Untersuchung der Knotenpunkte zügig durchzuführen  und mit der Stadt abzustimmen, darüber hinaus über das angestrebte Gesamtkonzept zu berichten (einstimmig).