Seit der Erstanlage des Starnberger Straßenbestandsverzeichnisses im November 1961 trägt die Kaiser-Wilhelm-Straße diesen Namen, aber schon 1877 war sie so dokumentarisch erfasst. Den Namen wollte Bündnis90/Die Grünen nun ändern in „Kurt-Eisner-Straße“. Diesen Namen hatte die Straße schon einmal für kurze Zeit nach dem Ersten Weltkrieg im April 1919 getragen, war aber schon 1920 wieder in Kaiser-Wilhelm-Straße zurückbenannt worden. Gegen eine Stimme hat der Kulturausschuss des Stadtrates die erneute Umbenennung nun abgelehnt. Einig war man sich aber, den Namen Kurt Eisner an anderer Stelle für eine künftig neu zu benennde Verkehrsfläche zu nutzen.

Es war die reinste Geschichtsstunde, die Franz Sengl (Grüne) und sein Gegenpart Tim Weidner (SPD) den Ausschussmitgliedern hielten. Jeder hatte seine ganz persönliche Deutung der historischen Leistung, für die Eisner oder der von Weidner eher bevorzugte Friedrich Ebert geehrt werden sollte, indem eine Straße nach ihm benannt wird. „Als Bayer bewegt es mich, dass wir in Starnberg immer noch einen Hohenzollern-Kaiser ehren, der uns in den Krieg hineingezogen hat. Da geht mein bayerisches Herz nicht mit“, so der Stadtrat der Grünen. Bayern habe Eisner wesentlich mehr zu verdanken.  Er hatte nach dem Sturz des letzten Bayerischen Königs Ludwig III. am 8. November 1918 die bayerische Republik zum „Freistaat“ ausgerufen. Dessen Haltung sei ihm sympathischer als der Militarismus des Kaisers. „Gerade in einer Zeit, in der das Völkische wieder erwacht und der Rechtsruck allenthalben ist, müssen wir ein Zeichen setzen, dass wir mit den demokratischen Werten eng verbunden sind“, verlangte Sengl.

Bürgermeisterin Eva John warf ein, 361 in der Straße wohnende Bürger hätten den Aufwand ihre persönlichen Daten zu berichtigen, weshalb die Verwaltung eher vorschlage, den Namen Eisner an anderer Stelle zu verwenden. Das sah auch Weidner so und forderte, man dürfe nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden. Grundsätzlich fand er es richtig, Eisner zu ehren, „doch meiner Meinung nach gibt es bedeutendere Personen, zum Beispiel Friedrich Ebert (1. Reichspräsident der Weimarer Republik und Sozialdemokrat) oder Wilhelm Högner (1. Ministerpräsident nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Sozialdemokrat)“. Markus Mooser (WPS) wunderte sich über die unterschiedlichen Standpunkte, denn: „Es ist doch bekannt, dass die SPD sonst jeden Antrag, der von dieser Seite kommt, unterzeichnet.“ Außerdem sei er enttäuscht, dass die SPD nicht ihre Wurzeln hervorheben wolle. Eisner war bis 1917 führender Angehöriger des „Vorwärts“-Redaktionskollektivs und somit maßgeblich an der Ausrichtung des Zentralorgans der SPD beteiligt. Für Weidner war aber zu ungewiss, wie sich Eisner weiter entwickelt haben würde, wenn er nicht am 21. Februar 1919 bei einem Attentat ums Leben gekommen wäre. „Unter Verwaltungsgesichtspunkten kann ich die Umbenennung nicht mittragen“, sagte Mooser. Das dauere erfahrungsgemäß zwei Jahre, bis betroffene Bürger die Berichtigung in allen öffentlichen Registern durchgesetzt hätten. Auch Franz Heidinger (BLS) fand es „schwierig, so etwas den Anwohnern zuzumuten“. Günther Picker (WPS) verlangte für den Fall, dass der Ausschuss dem Antrag der Grünen folgen sollte, dass vor der Umbenennung die Anwohner befragt werden. Das ist nun aber nicht nötig, denn es bleibt bei „Kaiser-Wilhelm-Straße“.