Wolfgang Ziebart läuft Sturm gegen die Pläne von Bund und Freistaat, vertreten durch das Staatliche Bauamt Weilheim, beim Bau des B2-Tunnels in Starnberg die Ableitung der Tunnelabluft über einen Kamin an der Mauer des Schlossgartens vorzunehmen. Nicht in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbandes der FDP, sondern als Starnberger Bürger. Wie berichtet hat er bisher vergeblich mit der Weilheimer Behörde darüber verhandelt, einen anderen Ort für das Ausblasen der Abluft zu finden. Die soll nach den bisherigen Plänen mit hoher Geschwindigkeit über den Kamin in große Höhen ausgestoßen und dort dann verwirbelt werden (siehe Rettet den Schlossgarten). Dass im Falle eines Brandes im Tunnel auch die teils gesundheitsgefährdenden Rauchgase über den Abluftkamin über der Innenstadt ausgestoßen würden, treibt Ziebart insbesondere nach den Vorträgen von Feuerwehrexperten vor dem Stadtrat im November 2018 und im Januar dieses Jahres um (siehe B2-Tunnel braucht Nachrüstung und Tunnel: Nachrüstung zwingend erforderlich). Er hat sich an einen der Experten, den Chef von „Phoenix Fire“, einem Zusammenschluss von Experten der Rettungswissenschaften, Dirk Schneider, gewandt und von diesem Antwort erhalten.

Ziebart glaubt, der Stadtrat habe durch die Vorträge der Experten und Aussagen des Staatlichen Bauamtes Weilheim (siehe Wenig Interesse am B2-Tunnel) den Eindruck gewonnen, der Abluftkamin sei, wenn nicht schon aus Gründen der Schadstoffbelastungen aus dem Autoverkehr (NOx), dann auf jeden Fall zur Entrauchung des Tunnels im Brandfall nötig. Schneider hat geantwortet, dass das Tunnelbauwerk ohne Zweifel eine Einrichtung für den Abzug von Wärme und Brandgasen benötige, es hierfür verschiedene technische Möglichkeiten gebe. Wichtig sei, dass man sehr darauf achten müsse, wohin die Brandgase abgeführt werden. Denn in unterirdischen Verkehrsanlagen sei mit der Entstehung erheblicher Mengen solcher Gase zu rechnen, die dort, wo sie austreten, aufsteigen, dann abkühlen und an anderer Stelle, je nach Dichte und chemischer Zusammensetzung, sich niederschlagen. Dabei sei eine Gefährdung von Dritten durch sinkfähige Anteile des Brandrauches zu vermeiden, sagt Schneider.

Iris Ziebart, die das Anliegen ihres Mannes  unterstützt, dies aber nicht in ihrer Eigenschaft als FDP-Stadträtin sondern als Bürgerin, hält den Austrittsort des Brandrauches im dicht besiedelten und genutzten Gebiet rund um den Schlossgarten mit Blick auf die dort befindlichen Schulen (Berufs-, Musik- und Grundschulen), den Kirchplatz und den Bereich bis zum Tutzinger-Hof-Platz für problematisch. Sie und ihr Mann halten Austrittsöffnungen für die Ableitung von Tunnelabluft und Brandrauch für vertretbarer in Bereichen, in denen sich kaum Personen aufhalten. So ihr Fazit aus Schneiders Stellungnahme. Das vom Staatlichen Bauamt gewählte Entlüftungskonzept des Tunnels mit einem geschlossenen Abluftkanal über den Fahrbahnen gebe dazu  Freiheiten, meint Wolfgang Ziebart.

Das Staatliche Bauamt hält bisher aber am Abluftkamin am Schlossgarten fest (siehe “Abluftkamin unverzichtbar”). So ist es auch einer Liste von Bürgerfragen und den dazugehörigen Antworten der Behörde auf deren Homepage zu entnehmen:

Frage eines Bürgers an das Staatliche Bauamt Weilheim:

  • Lüftung im Brandfall: Wo wird das System gebaut werden. Gibt es Versuche mit Theaterrauch?

Antwort:

  • Der Lüftungskamin befindet sich als Mittelabsaugung am Schlossberg. Simulati- onen vor Inbetriebnahme mit Rauchstoffen erfolgen (Brandversuch nach RABT).

(Quelle Staatliches Bauamt Weilheim, Homepage, „Tunnel Starnberg –  Antworten auf Bürgerfragen“)

Wolfgang Ziebart und sein Mitstreiter, Markus Lehmann-Horn, haben sich inzwischen auch an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewandt. Anfang Dezember 2018 wiesen sie den Minister darauf hin, dass der am Schlossgarten geplante Abluftkamin nach dem jüngsten vom Staatlichen Bauamt Weilheim in Auftrag gegebenen Lüftungsgutachten zum B2-Tunnel eigentlich nicht mehr nötig sei, weil bis zu dessen Fertigstellung in 2026 die Luftschadstoffe aus dem Autoverkehr so gesunken seien, dass ein solches riesiges und immens teueres Bauwerk überflüssig sei. Die Antwort aus Berlin stellte die beiden Starnberg nicht zufrieden. Es sei nur wieder auf die Notwendigkeit des Projektes B2-Tunnel insgesamt eingegangen und die Haltung des Staatlichen Bauamtes Weilheim wiedergegeben worden. Im nun neuerlichen Schreiben an das Bundesverkehrsministerium weisen sie nochmals darauf hin, dass das Lüftungskonzept des Tunnels ihrer Ansicht nach vollständig überholt ist, es die Starnberger Bürger während der Bauphase und im Betrieb massiv belastet und zudem einen zweistelligen Millionenbetrag kostet. Die Weilheimer Behörde habe für das neue Gutachten die falschen Parameter eingesetzt und somit die Ergebnisse absichtlich „manipuliert“, schreiben sie. Bemühungen ihrerseits, mit dem Gutachterbüro  zu einer Nachberechnung mit korrekten Zahlen zu kommen, wofür Ziebart und Lehmann-Horn selbst die Kosten getragen hätten, habe das Staatliche Bauamt nicht zugelassen.  Beide betonen gegenüber dem Ministerium, es nicht akzeptieren zu können, dass die Stadt belastet und Steuergeld sinnlos verschwendet werde.

Je nachdem, welche Antwort nun aus Berlin kommt, überlegen Ziebart und Lehmann-Horn weitere Schritte.