Als es zu Beginn dieses Jahres in den örtlichen und überörtlichen Medien keine Wetterprognose für 2019 vom liebevoll als „Starnberger Wetterprophet“ bezeichneten Druckereibesitzer Josef Jägerhuber gab, konnte man schon erahnen, dass das nichts Gutes zu verheißen hat. Am Wochenende ist der Träger der Bürgermedaille der Stadt Starnberg gestorben, kurz vor seinem 93. Geburtstag, den er Ende dieses Monats hätte feiern können.

Für Starnberg hatte sein Wirken in vielerlei Hinsicht Bedeutung. Er war nach seiner Rückkehr von der Ostfront kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch den frühen Tod seines Vater gezwungen mit nur 21 Jahren dessen Druckerei zu übernehmen und zum Erfolg zu führen. Gelernt hatte Jägerhuber das Handwerk des Schriftsetzers, was erklärt, dass kaum jemand wie er in der Lage war, Fehler in einer Druckvorlage aufzuspüren. Noch mit 91 Jahren las er die Vorlagen für den Druck der Amtsblätter Korrektur. Nach ersten spärlichen Druckaufträgen in den Nachkriegsjahren gab er bald dreimal wöchentlich die Heimatzeitung „Land- und Seebote“ heraus, deren Archiv auch heute noch unerschöpfliche Quelle für Nachforschungen über die Historie Starnbergs ist. Wegen inzwischen zu groß gewordener Konkurrenz musste die Herausgabe aber 1990 eingestellt werden. Da hatte sich der gebürtige Starnberger jedoch schon längst auf anderen Feldern für seine Stadt verdient gemacht. So war er 35 Jahre lang im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr unterwegs gewesen, für die er vieles von dem erreicht hat, was heute selbstverständlich ist, wie zum Beispiel den Bau des Gerätehauses an der Ferdinand-Maria-Straße. Für seine Verdienste ernannte ihn die „Truppe“ zum Ehrenvorsitzenden, eine Auszeichnung die er mit großer Freude entgegennahm.

Richtig berühmt, auch über Starnbergs Grenzen hinaus, wurde Jägerhuber aber erst durch sein Hobby. Seit 1960 ging er zuverlässig jeden Tag auf seinen Balkon in dem Haus über der Druckerei und zeichnete akribisch alles auf, was seine kleine Wetterstation für diesen Tag ablesen ließ: Temperatur, Niederschlagsmenge, Druck laut Barometer. Mit der Zeit machte er dadurch die Beobachtung, dass sich das Wetter im Großen und Ganzen offenbar aller sieben Jahre wiederholt, ebenso wie die Stellung der Planeten, weshalb er in seinen Prognosen immer den Namen des Planeten voraus stellte. Als Jägerhuber 2011 seinen 85. Geburtstag feierte, war es ein „Venusjahr“. Für manche seiner treuen Prognosenleser war seine Vorhersage für das kommende Jahr, die regelmäßig zu Jahresbeginn in den Medien abgedruckt wurde, das Evangelium, andere nahmen sie nicht richtig ernst. Aber am Jahresende, wenn der Vergleich zwischen Prognose und tatsächlichem Wetter erfolgte, wurde so mancher eines anderen belehrt. In der Summe hatte der Hobby-Metereologe eine erstaunliche Trefferquote. Er selbst gab unumwunden zu: „Meine Prognose ist nicht wissenschaftlich fundiert.“ Jägerhuber setzte dabei auf Erfahrungswerte, kannte sich auch hervoragend aus mit den Bauernregeln zum Wetter oder dem Hundertjährigen Kalender.

Jetzt muss man in Starnberg und anderswo ohne seine Prognose auskommen. Nur die sind im Vorteil, die sich aufgeschrieben haben, wie das Wetter vor sieben Jahren gewesen ist. So könnte es bei einigen noch lange heißen: Josef Jägerhuber hätte jetzt vorhergesagt, dass dieses „Merkur“- oder „Venus“-Jahr voraussichtlich wettermäßig so verläuft wie…

Der Trauergottesdienst findet am Freitag, 15. März 2019 um 14 Uhr in der Stadtpfarrkirche Sankt Maria in Starnberg statt, die Beerdigung anschließend auf dem Friedhof Sankt Josef an der alten Starnberger Kirche auf dem Schlossberg.