FDP-Stadträtin Iris Ziebart hat in der jüngsten Ratssitzung alle Argumente vorgetragen, die ihrer Ansicht nach dagegen sprechen, dass der Bund im Rahmen des Bauvorhabens B2-Tunnel auch den Abluftkamin am Schlossgarten und darunter ein riesiges Betriebsgebäude in den Schlossberg baut. Unter anderem verwies Ziebart darauf, dass bei der 2026 geplanten Inbetriebnahme des B2-Tunnels eine Mittenabsaugung der Luft aus dem Tunnel nicht mehr nötig sei, weil bis dahin die vom Autoverkehr ausgehenden Luftschadstoffe, insbesondere Stickstoffdioxid (NO2), weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten liegen. Die Mehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD und DPF lehnte Ziebarts Antrag ab, Möglichkeiten, die Tunnelplanung anzupassen, mit allen dazu notwendigen Behörden prüfen zu lassen. Nur WPS, BMS, BLS, FDP und Bürgermeisterin Eva John stimmten dafür (11:18).

Ziebart bezeichnete den Abluftkamin, der an der Oberfläche in die Mauer am Schlossgarten – auf der Seite des Finanzamtsparkplatz –  gebaut werden soll, als „winzigen Zahnstocher“, der auf dem „Riesenbauwerk“ des darunter befindlichen Betriebsgebäudes sitzen werde. Das reiche nämlich von der Schlossgartenmauer bis zur Kante des Steilhanges des Schlossberges bis zur Unterkante des Finanzamtparkplatzes: 40 Meter lang, bis über 20 Meter breit und sechs Meter tief, plus 45 Meter hoher Betonturm mit elf Meter Außendurchmesser, der 15 Meter tiefer als der Georgenbach gründen und somit die doppelte Höhe des sogenannten Gaßner-Hochhauses an der Münchner Straße haben werde. Ziebart rechnete vor, es bedürfe während der Bauzeit 1500 Lkw-Fahrten zum Abtransport des Aushubs, und zwar über die Schlossbergstraße an der St. Josefs-Kirche und der Schlossbergschule vorbei, über die Söckinger- oder Von-der-Tann-Straße zur Hanfelder Straße. Die Kosten bezifferte die FDP-Rätin mit 30 Millionen Euro und wies darauf hin, dass zusätzlich auf der Rückseite des Schlossbergs noch zwei Notausstiege für den Tunnel gebaut würden. All das werde das gesamte Viertel über drei bis vier Jahre enorm belasten und die Erreichbarkeit einschränken.

Nach ihren Recherchen hatte die Ursprungsplanung für den Tunnel eine normale Längslüftung vorgesehen. Als 2002 jedoch die  NO2-Grenzwerte gesenkt wurden und ein Immissionsgutachten ergab, dass dieser Grenzwert an einem Punkt der Wohnbebauung am Nordportal überschritten werde, habe man die Planung geändert und eine Mittenabsaugung eingeplant. Im Planfeststellungsverfahren sei dies vom Stadtrat akzeptiert und beschlossen worden. Allerdings sprach man damals von einer Tunneleröffnung in 2010. Ziebart erinnerte an den jüngsten Bericht des Ingenieurbüros Accon über die Messergebnisse in der Starnberger Haupt- und Hanfelder Straße, die gezeigt hätten, dass die Werte deutlich unter den Grenzwerten lägen (siehe NO2: Grenzwerte sind eingehalten). Unverständnis äußerte sie, dass das Staatliche Bauamt Weilheim zwar eine Aktualisierung des Immissionsgutachtens aus 2002 in Auftrag gegeben habe, jedoch den Gutachtern als Eröffnungstermin des B2-Tunnels das Jahr 2020 vorgegeben habe, nicht den realistischeren Termin 2026. Dennoch seien auch nach dem neuen Gutachten die Grenzwerte eingehalten und würden laut Umweltbundesamt bis 2026 nochmals um 40 Prozent sinken. Schon aus Sicherheitsgründen sollte, so Ziebarts Meinung, zudem die Höchstgeschwindigkeit im einröhrigen Tunnel mit Gegenverkehr nicht die geplanten 80 sondern nur 50 Stundenkilometer betragen, was weitere Schadstoffminderungen nach sich ziehe. Besonders, weil im geplanten Tunnel Gefahrguttransporte nicht beschränkt seien. Dann sei es auch unproblematisch, zur ursprünglichen Längslüftung zurückzukehren und 30 Millionen Euro Steuergeld, die mit dem Kamin einhergehende Energie-Vernichtung sowie die Großbaustelle Schlossberg einzusparen. Ziebart beantragte, der Stadtrat möge feststellen, dass Abluftbauwerk und dessen Betrieb zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Tunnels nicht mehr erforderlich sein werde. Darüber hinaus müsse die Anpassung der Planung geprüft werden.

Stefan Frey (CSU) hatte seine Wortmeldung schon avisiert, noch bevor Ziebart überhaupt zu reden begonnen hatte. Er warf ihr persönliche Interessen vor, weil sie am Schlossberg wohne.  Die FDP-Rätin widersprach umgehend, denn sie wohne am Vogelanger und bekomme von der Baustelle hinter dem Schlossberg nichts mit. „Ich wohne am künftigen Südportal des B2-Tunnels und kämpfe für das Projekt. Wir sind doch dem Allgemeinwohl verpflichtet“, hielt Frey Ziebart vor. Das planende Staatliche Bauamt Weilheim habe im Fazit seiner Stellungnahme zu diesen Fragen gesagt, der Abluftkamin mit darunter befindlichem Betriebsgebäude sei der beste Schutz vor Luftschadstoffen und im Brandfall. Er, Frey, habe zwar Verständnis für die Anwohner der Baustelle, sehe das aber viel entspannter: „Die Planfeststellung sieht das so vor, sie ist rechtskräftig. Wenn man daran etwas ändert, sackt sie in sich zusammen. Ein neues Baugenehmigungsverfahren wäre nötig und alle davon Betroffenen müssten neu angehört werden. Für mich ist die Gesamtsituation und die Situation im Brandfall entscheidend. Die Gutachter sagen, die Mittenabsaugung sei die optimale Lösung. Ich wehre mich dagegen und fände es fahrlässig, Bestandteile der Verkehrssicherheit zu opfern“, schloss Frey. Tim Weidner (SPD warf den Liberalen vor, keine Meinung zum Brandschutz zu haben. Seiner Ansicht nach ist es sachgerecht, sich auf die Aussagen des Staatlichen Bauamtes zu verlassen. Klaus Huber (WPS), auch Vorsitzender der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“, machte seine persönliche Rechnung auf: „Wenn wir keinen Tunnel hätten, brauchten wir auch keine Absaugung.“ Er widersprach Frey und glaubt: „Wenn es im Tunnel brennt, dann brennt auch die Absaugung.“ Für Patrick Janik (UWG) ist das „schlagende Argument“, dass der Abluftkamin zentraler Baustein der Rauchabsaugung im Brandfall sei.

Ziebarts Mann, Wolfgang Ziebart, der wie berichtet eine Bürgerinitiative gegen den Abluftkamin ins Leben gerufen hat, hat seine Mitstreiter jedoch in diversen Mails darauf hingewiesen, für wie gefährlich er es hält, wenn bei einem Brand im Tunnel mit Gefahrgut-Beteiligung giftige Rauchbestandteile im Zentrum der Stadt an Grundschule, Wohngebieten und Kirchplatz ausgeleitet werden. Dafür müsse dringend ein anderer Ausblasungsort gefunden werden, was nach der Rückkehr zur Längslüftung im Tunnel problemlos möglich sei. Iris Ziebart erinnerte daran, dass der Rauchabzug in der Ursprungsplanung auch ohne den Abluftkamin geplant gewesen sei, also funktionieren müsse. Sie führte im Übrigen das Beispiel des Kramer-Tunnels bei Garmisch-Partenkirchen an. Dort sei nach einem Wassereinbruch in der frühen Bauphase eine Planänderung vorgenommen worden. „Dann kann das auch in Starnberg funktionieren“, schloss sie daraus. Franz Heidinger (BLS) übte auch Kritik an der Weilheimer Behörde: „Wenn schon ein neues Gutachten, dann darf man es nicht so hinrechnen wie man es braucht.“

Franz Sengl (Grüne) stellte an diesem Punkt den Antrag auf Ende der Debatte, was mit 23:6 Stimmen angenommen wurde. In der Abstimmung über Ziebarts Antrag zeigte sich, dass die Mehrheit der Fraktionen die Angst hat, dass bei Planänderungen die jetzige Baugenehmigung erlischt und keine neue erreicht werden kann.