Im Rahmen eines Festaktes in der Schlossberghalle hat Bürgermeisterin Eva John  am 10. Mai 2019 neun „außerordentlich engagierte  Bürger der Stadt“ mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Mit dabei deren Familien und Freunde, Weggefährten, ehemalige und aktuelle Stadträte sowie Vertreter aus allen Bereichen des Stadtlebens und der Politik.  John sagte, es sei für sie als Bürgermeisterin ein ganz besonderes Ereignis und eine besondere Ehre diese besonderen Menschen mit der Bürgermedaille auszeichnen zu dürfen. Und sie verwendete ein Konrad Adenauer zugeschriebenes Zitat: „Ehrung – das ist, wenn die Gerechtigkeit einen liebenswürdigen Tag hat.“ „Heute ist so ein Tag“, rief sie den zu Ehrenden zu, die sie nach ihrer Rede in alphabetischer Reihenfolge zu sich auf die Bühne bat, um ihnen nach Verlesung des Textes der Ehrenurkunde diese und die Medaille auszuhändigen.

Das Ehrenamt gehöre zu den Stützbalken unseres gesellschaftlichen Gebäudes, das ansonsten den Lasten innen und Stürmen außen nicht standhalten könne. Die Begeisterung und der unbedingte Wille, Verantwortung „für Mitbürgern und den Ort an dem wir leben“ zu übernehmen, gehörten dazu. Ehrenamtliche sprängen dort in die Bresche, wo sich der Staat aus Aufgaben zurückziehe, wo Effizienz und Wirtschaftlichkeit optimiert werde und deshalb die Menschlichkeit auf der Strecke bleibe, sagte John. „Da muss man doch etwas machen“, heiße es vielfach in der „Online-Aufregung“. „Denen, die lieber nur auf der Couch sitzen und über alles klagen, sei gesagt: Das Ehrenamt kostet viel, kann aber auch glücklich machen. Wer nur auf der Couch sitzt, wird diese Erfahrung nicht machen können“. Die nun auszuzeichnenden neuen Träger der Starnberger Bürgermedaille hätten jedenfalls „keine Zeit zum Rumsitzen“. Als erste bat John Elisabeth Carr zu sich.

Elisabeth Carr wurde ausgezeichnet für ihr hohes jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement und ihre Verdienste für das künstlerische und kulturelle Leben in Starnberg. Sie entdeckte „extravagante Räume“ für kulturelle Veranstaltungen, wie den „Wartesaal für allerhöchste Herrschaften“ im denkmalgeschützten Bahnhof See, den Schlossgarten und sogar einen ehemaligen Gemischtwarenladen, hat darüberhinaus erfolgreiche Kulturreihen aus der Taufe gehoben und fördert junge Talente der Kunstszene. In ihrer kurzen Dankesrede äußerte sich Carr mit einem „inigsten Wunsch an uns alle: Wir reden so lange miteinander, bis wir uns wieder verstehen.“ Ob sie damit den Stadtrat im Blick hatte, der die Verleihung der Bürgermedaille und die Namen der Auszuzeichnenden in nicht öffentlicher Sitzung am 24. Juli 2018 beschlossen hatte, war nicht erkennbar. Carr lenkte den Blick auf das Umfeld aller: „Wir haben es in Starnberg unglaublich gut.“

Biggi Danninger erhielt die Medaille für ihren hohen und langjährigen Verdienst um das Chor- und Musikleben in Starnberg. Sie war und ist in der musikalischen Früherziehung tätig, leitet seit 1986 die „Uli-Singers“, einen über Starnbergs Grenzen hinaus erfolgreichen Gospel-Chor, dessen Gründungsmitglied sie auch war. Danninger bedankte sich für die große Ehre. Sie sei an diesem Tag aufgeregter als vor jedem Konzert. „Mit Musik die Herzen der Menschen zu erreichen macht mich einfach glücklich“, begründete sie ihr Engagement, „aber ein kleiner Teil meiner Medaille gehört auch den Uli-Singers.“

Rainer Hange liegt die Erinnerungskultur und der Einsatz für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz am Herzen. Demzufolge ist er seit 15 Jahren Mitglied im Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, gründete 2011 die Starnberger Bürgerinitiative zur Erinnerung an den Todesmarsch Dachau, wofür er jedes Jahr Gedenkfeiern organisiert oder für Schüler Gedenkveranstaltungen anbietet. Seit 49 Jahren ist Hange Mitglied bei der FDP und bekleidete schon verschiedenste Posten innerhalb von Kreis- und Ortsverband der Liberalen. Weiter ist er Mitglied im Verein „Schöner zum See“, bei der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ und beim „Starnberger Dialog“. Hange sagte, sein Bestreben sei von früher Jugend an die Aussöhnung mit den Kriegsparteien Deutschlands und ein vereintes Europa gewesen.

Anne Kirchbach bekam die Auszeichnung für ihr herausragendes soziales, kulturelles und karitatives Engagement im Rahmen des Starnberger Sozialwerks, dessen erste Vorsitzende sie seit 2001 ist. Auf ihr Konto gehen zahlreiche Benefizveranstaltungen, Basare und Spendenaktionen zu Gunsten von Mensch in Not. Sie hat das Sorgentelefon, Besuchs- und Betreuungsdienste gegründet. Obendrein ist sie Künstlerin und freischaffende Theater- und Portrait-Fotografin. Ihr Kulturprogramm verbindet sie mit karitativen Angeboten. „Ich nehme die Auszeichnung auch im Namen des Vereins und der Mitarbeiter entgegen, ohne die ich gar nichts machen kann“, so Kirchbach. Sie erinnerte an ihr neuestes Projekt, den Bürgerbus, und nutzte die Gelegenheit, um einen Aufruf zu starten: „Wir brauchen noch ehrenamtliche Fahrer.“

Holger Knigge hat einen Großteil seines Lebens der Kommunalpolitik gewidmet. Von 1978 bis 2014 saß er für die SPD im Stadtrat, daneben auch im Kreistag bis 2008. Zwei Legislaturperioden war er zudem Dritter Bürgermeister der Stadt. Die Ehrenurkunde nennt ihn einen „großen Freund des Sports“. Die Initiative für das „Sportgespräch“, das die sportliche Entwicklung in Starnberg vereinsübergreifend steuert, war seine Idee. Im Stadtrat hatte Knigge fast durchgehend Sonderaufgaben. Er war mit großem persönlichen Einsatz Leiter der Arbeitskreise Rahmenplan und Seeanbindung. Mit einer kurzen, sehr launigen Rede bedankte sich Knigge, ließ die Anfänge seiner politischen Tätigkeit Revue passieren, die im damals noch selbstständigen Söcking begonnen hatte und schilderte, wie frustrierend er es empfunden habe, einer Mehrheit der CSU gegenüber zu sitzen. „Große Seelen dulden still“, zitierte er aus dem „Don Carlos“ und dankte dem damaligen Bürgermeister und heutigen Starnberger Ehrenbürger Heribert Thallmair, dass dieser der kleinen SPD-Fraktion eine politische Pflegschaft und Minderheitenschutz gewährt habe. Sitzverluste nach der Durchsetzung des Baus des Bahnhofs Nord hätten ihn dann zum ersten Mal erkennen lassen: „Gegen die Bürger vor Ort ist es schwierig.“ Leider sei die Stadt bei der Seeanbindung ja noch nicht weiter gekommen. Für sich selbst nahm Knigge in Anspruch: „In den großen Dingen genügt es, einfach gewollt zu haben.“

Manfred Schulz ist von Kindheit an im Heimat- und Volkstrachtenverein Starnberg aktiv und hatte und hat zahllose Ämter inne. Er ist Kreisheimatpfleger des Landkreises Starnberg, organisiert jedes Jahr das Volksmusikseminar des Landkreises, den Boarischen Singtag sowie den Musikantentag im Museum Starnberger See. Er selbst spielt Zither, Gitarre, Kontrabass und Tuba, macht mit seiner ganzen Familie und seinen Geschwistern Musik, gründete 1980 die Hochberghauser Tanzlmusi, später die Hochberghauser Blasmusi, die Zithermusi und den Starnberger Dreigesang. „I gfrei mi. Das zeigt, dass Heimat- und Brauchtumspflege in der Stadt Starnberg hohen Stellenwert hat.“ Heimatpflege sei gerade in unserer Zeit sehr wichtig, und dass man Verantwortung für alle Lebensbereiche übernehme. Sein Aufruf: „Jeder der hier lebt, sollte in irgendeiner Weise  Heimatpfleger sein.“

Fritz Peter Specht war unter Thallmair 30 Jahre lang Vizebürgermeister und saß für die CSU, der er inzwischen fast 60 Jahre als Mitglied angehört, im Stadtrat, zwölf Jahre lang auch im Kreistag. Nach seiner aktiven Zeit in der Politik wurde er Mitglied im Verein „Umweltbewusste Verkehrsentlastung Starnberg“, der sich für den B2-Tunnel engagiert. Specht bezeichnete die Bürgermedaille als „wundervolle und wertvolle Auszeichnung“. Das sei jetzt der „Schluss-Stein seiner kommunalpolitischen Arbeit“. Aber ohne die vielen, die am Weg gestanden hätten, wäre vieles nichts geworden. Er dankte dem anwesenden Heribert Thallmair für dessen Vertrauen in seinen Stellvertreter: „Wenn jemand hinter einem steht, dann traut man sich was.“

Karl-Heinz Sydow wurde für seinen großen, langjährigen und stets ehrenamtlichen Einsatz für die Sportstadt Starnberg ausgezeichnet. Bei der FT 09 war er ab 1966 zunächst selbst Fußballer und durchlief alle Stationen von der Schülermannschaft bis zu den „Alten Herren“. Er war Jugendtrainer im Fußball und übte diesen Sport selbst insgesamt 41 Jahre aus. Ab 1970 kamen die Ämter des Jugendsportleiters  und Sportleiters der Schützenabteilung dazu. Seit 2008 ist er Erster Schützenmeister und arbeitet heute aktiv im Vorstand mit und organisiert öffentliche Veranstaltungen im Sport. Sydow erläuterte seinen Spitznamen „Burle“ selbst: Schon als kleiner Junge habe er seinen Vater zum Fußball auf den Sportplatz begleitet und alle hätten immer gesagt: „Schaut, da kommt der Sydow mit seinem Burle.“ Der Burle sei er fortan bis heute geblieben, und der Sport im Verein habe ihm so viel Freude gemacht, dass er nach der aktiven Zeit ehrenamtlich weiter gemacht habe.

Karin Wurzbacher konnte laut Bürgermeisterin John urlaubsbedingt nicht an der Verleihung der Bürgermedaille teilnehmen. Den Text der Ehrenurkunde gab John trotzdem bekannt. Wurzbacher ist Mitbegründerin des Vereins „Mütter gegen Atomkraft“. Ihre Diplomarbeit hat sie im Bereich Kernphysik gemacht. Nach der Katastrophe von Tschernobyl stellte sie für  Mütter Informationen zur Minimierung der Strahlenbelastung zur Verfügung und forderte den Atomausstieg. Sie ist Mitglied im Bund Naturschutz und im Landesarbeitskreis Energie und Klima, dessen Sprecherin sie auch gewesen ist. Seit 1997 leitet Wurzbacher den STAgenda-Arbeitskreis Energie und Klimaschutz, der bisher mehr als 60 Anträge an den Stadtrat gerichtet hat. Ihr Einsatz, den Landkreis Starnberg energieautark zu machen, ist ungebrochen.

John bat zum Abschluss alle neuen Bürgermedaillenträger und die aktiven Stadträte zum Gruppenfoto auf die Bühne. Wie man sehe, so sagte sie, gehöre Vielfalt zum Wesen des bürgerschaftlichen Engagements, auf das sie als Bürgermeisterin „richtig, richtig stolz“ sei. Das sei unbezahlbar und von unschätzbarem Wert für die Stadt. „Sie sind für uns alle Vorbilder.“ Johns Worte gingen im lang anhaltenden Applaus fast unter.