Im Januar 2019 hatte der Bauausschuss es mit 9:3 Stimmen abgelehnt, den 2015 aufgestellten Bebauungsplan für das Gebiet am südwestlichen Fuß des Schlossbergs zwischen Hauptstraße und Vogelanger fortzuentwickeln. Die Beendigung dieser Bauleitplanung samt Verzicht auf eine Veränderungssperre war ein Antrag von Ludwig Jägerhuber (CSU), der eine Mehrheit dafür bekam. So manchem, der im  Januar dabei mitgestimmt hatte, tat es jetzt fast leid. Denn wie fast zu erwarten war, flatterte dem Stadtbauamt ein neuer Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einer von der Hauptstraße aus anfahrbaren Tiefgarage am Vogelanger 17 herein, der es in sich hat. Das Stadtbauamt beurteilte diese Planung  wie folgt: „Am Vogelanger sind solche Wandhöhen nicht zu finden. Von der Hauptstraße aus gesehen hätte es, dadurch, das es direkt an der Straße stehen soll, eine erschlagende Wirkung. Unseres Erachtens ist die Planung einfach überzogen.“ Dem schloss sich die Mehrheit der Bauausschussmitglieder an. Widerspruch kam von Patrick Janik und Angelika Wahmke (UWG), sowie Christiane Falk (SPD) und Katja Fohrmann (CSU).

Zum Hintergrund: Mit dem ursprünglichen Bebauungsplanaufstellungsbeschluss wollte der Ausschuss den Charakter der Einfahrtssituation in den Innenstadtbereich von Starnberg sichern. Der Blick auf die Sankt Josef Kirche und das Schloss sollten weiterhin dominierend bleiben. Diese Linie hatten die Stadträte auch schon früher vertreten, als sie den Antrag auf Vorbescheid eines UWG-Stadtrates für die Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses mit Tiefgarage anstelle des Altbestands ablehnten, weil sich die bauliche Nutzung nicht in die Umgebungsbebauung einfügte. Dagegen beschreitet der Eigentümer den Klageweg. Dieses Grundstück – genau genommen sind es zwei, nämlich ein Wohnhaus mit ansprechender Architektur und zur Söckinger Straße hin orientiert die so genannte „Alte Apotheke“ – ist das Nachbargrundstück zu dem jetzt im Ausschuss behandelten Antrag auf Baugenehmigung (Vogelanger 17). Das ehemalige „Handwerkerhaus aus 1842“ mit den noch erhaltenen Laubsägearbeiten am Balkon (Vogelanger 15) wurde inzwischen in die Denkmalliste aufgenommen, weshalb ein Abriss nicht mehr so leicht möglich ist. Die Alte Apotheke steht nicht unter Denkmalschutz. Die Arbeit am Bebauungsplanentwurf wurde im Januar mit der Begründung eingestellt, dass die zur Bewältigung der Lärmimmissionen nötige Lärmschutzmauer auf dem Stadtbalkon nicht gewünscht wird, und Vogelanger 15 ohnehin durch den Denkmalschutz vor dem Abriss geschützt ist. Annette von Czettritz (Grüne) und Bürgermeisterin Eva John hatten damals schon zu bedenken gegeben, dass der Denkmalschutz zum Beispiel  „durch einen heißen Rückbau“ oder „den Nachweis, dass das Gebäude nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden kann“ aushebelbar sei (siehe Mehrheit will keinen Bebauungsplan). Für Vogelanger 17 gab es bis dato einen relativ unproblematischen Bauantrag. Das ist nun schlagartig anders.

Der Architekt sieht hier mit dem Untergeschoss, das von der Hauptstraße aus sichtbar ist, fünf Geschosse vor. Am Vogelanger beträgt die geplante Wandhöhe 10,60 Meter, an der Hauptstraße etwa 11,70 Meter. In der Umgebung üblich sind Häuser mit Untergeschoss, zwei weiteren und dem Dachgeschoss sowie Wandhöhen zwischen 6,50 und 9,16 Meter. Lediglich die Wiederkehren ragen darüber hinaus. In der städtebaulichen Beurteilung des Stadtbauamtes heißt es: „Aufgrund der topographischen Lage des Grundstücks drei bis vier Meter oberhalb der Hauptstraße ist das geplante Gebäude städtebaulich dem oberen Vogelanger zuzuordnen. Die umliegenden Gebäude, die direkt an der Hauptstraße und auf deren Niveau liegen, sind bei der Beurteilung zu vernachlässigen, da diese deutlich von den höher liegenden Gebäuden abgesetzt sind und damit in keinem Bezug zu diesen stehen. Unter Berücksichtigung der prägenden Umgebungsbebauung in der Straße Vogelanger fügt sich die geplante Nutzung hinsichtlich des Maßes der baulichen Nutzung nicht in die Eigenart der näheren Umgebung ein.“ Stadtbaumeister Stephan Weinl, der der Ansicht ist, hier werde der Rahmen des Paragraphen 34 Baugesetz bis zur obersten Kante ausgenutzt, bekräftigte nochmals: „Die Gebäude auf dem Stadtbalkon haben mit denen auf der Ostseite der Hauptstraße nichts zu tun.“ Als problematisch sah er es auch an, dass der Neubau sehr nah an der jetzt schon bestehenden Stützwand entlang der Hauptstraße zu stehen komme.

„Ich vertrete andere Argumente“, sagte Patrick Janik (UWG), „auch Dinge an der oberen Grenze des Paragraphen 34 Baugesetz sind noch zulässig. Es ist nicht richtig, das Erscheinungsbild des Neubaus nur von der Hauptstraße aus zu betrachten, denn am Vogelanger hält es sich ja im Rahmen. An der Hauptstraße kann man sich das leisten.“ Christiane Falk (SPD) meinte, sie gehe in die gleiche Richtung. Sie sehe zwar, dass das „schwer an der Grenze“ sei, sehe aber keine „schlagenden Argumente dagegen“. „Dafür ist das Haus weiter weg vom Vogelanger. An dieser Stelle beginnt die Hauptstraße. Logisch, dass da ein sehr massives Haus stehen kann. Die Tiefgarageneinfahrt ist nicht schön, die heutige Stützwand aber auch nicht. Ich kann die Argumentation so nicht nachvollziehen. Wo wenn nicht an der Hauptstraße sollen wir verdichten?“ Weinl hielt Ihnen allen entgegen, es gehe um den Schlossberg, der von Schloss und Kirche dominiert werden solle, was der geplante Neubau beeinträchtige. Die im Bebauungsplanverfahren überlegte Lärmschutzwand wäre nach seiner Ansicht wesentlich vertretbarer gewesen.

Iris Ziebart (FDP) zeigte auf die Ansichtsskizze des Architekten und warnte: „Wenn Sie das so beschließen, dann ist klar, dass wir von den Bürgern gesteinigt werden.“ Sie erinnerte zudem daran, dass im Vogelanger bis vor wenigen Jahren die Vorgartenzonen prägend gewesen seien. Mit der schon entstandenen „Schuhschachtel“ – einem modernen Haus mit Flachdach – sei dieser Grundsatz erstmals aufgegeben worden. Das nun geplante Vorhaben gestalte den Vorgarten mit drei Parkplätzen entlang der Straße. „Das hat mit Architektur und Stadtgestaltung nichts mehr zu tun“, so Ziebart.

Gerd Weger (CSU) äußerte Verständnis dafür, dass der Bauwerber nach Aufhebung des Bebauungsplanverfahrens das für ihn Optimalste beantragt. Man müsse halt noch einmal mit ihm reden. Problematisch sah Weger die Zufahrt zur Tiefgarage von der Hauptstraße aus: „Das sollte über den Vogelanger angestrebt werden.“ Ihm entgegnete die Bürgermeisterin: „Wir können froh sein über jedes Auto, das nicht an der Schule vorbei dort hoch fährt. Die Zufahrt von der Hauptstraße ist da das kleinere Übel.“

Franz Sengl (Grüne) befürchtet städtebauliche Probleme eher beim Grundstück Vogelanger 15 und der Alten Apotheke: „Dort könnte etwas noch Größeres hinkommen, denn das dortige denkmalgeschützte Haus wird wohl nicht zu halten sein, weil es zunehmend verfällt.“ Der Ausschuss müsse also auch Richtung Süden denken.

Josef Pfister (BMS) meinte: „Es ist normal, dass der Bauwerber schaut was geht. Aber wir müssen sagen, wo es beißt. So krass, wie da die Fassade nauf geht – da werde ich nicht zustimmen.“ Die Mehrheit des Ausschusses lehnte es ab, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.