Bürgermeisterin Eva John und die Rathausverwaltung haben einen Vorschlag gemacht, wie das tägliche Chaos auf dem Schotterparkplatz östlich des Bahnhofs See ins Reich der Vergangenheit verwiesen werden könnte. Der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates fasste dazu einstimmig einen umfangreichen Beschluss. Damit ist ziemlich sicher, dass mit dem kostenlosem Parken auf der Fläche Schluss ist.

Es geht um 140 oberirdische Parkplätze, teils neben der Straße Bahnhofsplatz, teils auf der geschotterten Fläche, die der Bahn gehört. Das Unternehmen hat die Nutzung als Parkplatz genehmigt, was Pendler, Innenstadtbewohner, Fremd- und Dauerparker reichlich nutzen, obendrein natürlich auch Besucher des Sees und der Stadt. „Bei schönem Wetter herrschen dort ziemlich chaotische Zustände, es gibt immer mehr Unfälle und Gefährdungen von Personen,“ fasste John die Lage zusammen. „Da unten tobt der Bär. Das nehme ich nicht nochmal zwei Jahre hin.“ Ein neues Parkraummanagement solle deshalb bessere Bedingungen schaffen. Auf Nachfrage von Ludwig Jägerhuber (CSU) bestätigte sie, dass es keine baulichen Veränderungen geben soll. Das schon deshalb nicht, weil derzeit nicht absehbar ist, was aus dem Projekt Seeanbindung wird, und ob dafür in kommenden Jahren Umbauten im Umfeld des Seebahnhofs beschlossen werden. „Ich will keine baulichen Einrichtungen, weil die nicht von Dauer sein können“, sagte John.

Jägerhuber hält es für richtig, dass Nutzer von Zug, S-Bahn und Bussen vergünstigte Tickets erwerben können und ansonsten eine Höchstparkdauer von vier Stunden eingeführt wird. Nach dem Vorschlag des Rathauses sollten Innenstadtbewohner und Mitarbeiter umliegender Geschäfte oder Betriebe die Möglichkeit bekommen, ein Jahresticket zum Preis von 40 Euro zu erwerben. Eine Stellplatzgarantie sollte damit jedoch nicht verbunden werden. Jägerhuber wies darauf hin, dass Starnberger, die in der Umgebung Garagenplätze hätten, diese teuer vermieten und sich dann für nur 40 Euro im Jahr einen günstigen Stellplatz sichern könnten. Seiner Ansicht nach müsste das Jahresticket einen höheren Preis haben. Laut John kostet heute eine gewöhnliche Anliegerlizenz zum Parken 40 Euro im Jahr. Winfried Wobbe (UWG) sieht Probleme, zu überwachen, dass tatsächlich nur ÖPNV-Nutzer das vergünstigte Ticket einsetzen. John denkt an eine Kontrolle bei der Ausfahrt aus dem Parkplatz.

Martina Neubauer (Grüne) lobte die Vorschläge als eine „intelligente verkehrslenkende Maßnahme, damit weniger Bürger mit dem Auto in die Stadt kommen“. Sie regte an, in die Überlegungen den Bahnhof Nord einzubeziehen, überhaupt ein ganzheitliches Parkkonzept für die Stadt Starnberg zu entwickeln, und die Abstellsituation für Fahrräder weiter zu verbessern. Klaus Rieskamp (DPF) will, dass etwas gegen dort dauerhaft aufgestellte Wohnwagen unternommen wird. Markus Mooser (WPS) findet es „großartig, dass die Verwaltung sich generell des Themas annimmt.“ Was Wohnwagen und Wohnmobile angehe, würde er diese aber lieber verbieten und nur Pkw zulassen. Jägerhuber empfahl, diese Fahrzeuge zu Gunsten von Touristen, die Starnberg besuchen, tagsüber dort auch parken zu lassen, allerdings nur im Rahmen der Höchstparkdauer von vier Stunden. Zum 40-Euro-Jahresticket schlug auch Mooser einen höheren Preis vor und eine damit verbundene kürzere Nachtparkzeit – nämlich nur zwischen 19 und 6 Uhr (vorgeschlagen war zwischen 18 und 8 Uhr), ausgenommen am Wochenende. Christiane Falk (SPD) und Michael Mignoli (BLS) wollten dem Einzelhandel mehr entgegen kommen. Anton Wiesböck (FDP) glaubt, durch einen kräftigen Rückschnitt der Büsche und Bäume auf dem Areal könnten mehr Parkplätze gewonnen werden. Die Bürgermeisterin sagte aber, es gebe eine Vereinbarung mit der Bahn, dass der Gleiskörper durch Grün von dem Bereich getrennt bleiben müsse. Im Übrigen warnte sie davor in die jetzt beabsichtigte Lösung für diesen Bereich „alles reinzupacken, was wir die letzten 20 Jahre nicht so beachtet haben“. Auch Mooser warnte vor „generalistischen Anträgen“, denn sonst passiere vermutlich lange Zeit nichts. Christine Lipovec (BMS) unterstützte das und meinte: „Erst mal am Seebahnhof anfangen. Dann kann man dort gewonnene Erkenntnisse in anderen Bereichen nutzen.“

Der Ausschuss sprach sich am Ende der Diskussion dafür aus, die Angelegenheit weiter zu bearbeiten und dabei die folgenden Rahmenbedingungen zugrunde zu legen:

  • Die Stellplätze am Bahnhof See und am Nord-Bahnhof sollen in den Geltungsbereich der Parkgebühr-Verordnung der Stadt einbezogen werden.
  • Für den gesamten Geltungsbereich der Verordnung sind differenzierte Höchstparkzeiten und Parkgebühren vorzuschlagen. Dabei müssen unterschiedliche Bedürfnisse von Anwohnern, Gewerbebetrieben, Tourismus und ÖPNV-Nutzern berücksichtigt werden. Weiter sind bei der Gestaltung der Ticketpreise Unterschiede zwischen Werk- und Wochenend- sowie Feiertagen vorzuschlagen.
  • Bei der Beschaffung von Parkscheinautomaten soll darauf geachtet werden, dass ÖPNV-Nutzer ein eigenes Ticket wählen können.
  • Die Verwaltung wird beauftragt, im Bereich des Seebahnhofs geeignete Flächen für weitere Fahrradabstellplätze und Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge zu suchen.
  • Beim Vorschlag für den Ticket-Preis für ÖPNV-Nutzer ist darauf zu achten, dass unter Berücksichtigung des Tarifsprungs bezüglich der MVV-Tarifzonen kein zusätzlicher Anreiz geschaffen wird, mit dem Auto zum Starnberger Seebahnhof zu fahren, um dort erst in den Zug zu steigen. Das sei bei Feldafingern und Pöckingern beliebt, hieß es von Stadträten.

Zu diesen Punkten gab es einhellige Zustimmung, nicht jedoch zu dem Antrag von Mignoli, einen bestimmten Anteil an Stellplätzen am Seebahnhof für Mitarbeiter des Einzelhandels fest zu reservieren, beziehungsweise dieses Kontingent an sie zu vermieten. Mit 2:10 Stimmen wurde das abgelehnt.