Ein sehr beliebter „Taxler“ wird nun keine Fahrgäste mehr fahren. Erwin Seethaler ist am 17. Juni 2019 im Alter von 74 Jahren gestorben. Aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten hatte er schon länger müssen. Deshalb gab er sein Taxiunternehmen damals auch in andere Hände. Seine Frau Inge ging mit ihm immer durch dick und dünn, sowohl was das Unternehmen anging, als auch die Kommunalpolitik, in die sich beide gern eingemischt haben.

An der lokalen Politik war Erwin Seethaler immer schon interessiert. Er gehörte zu den Männern der ersten Stunde, die 1989 die Bürgerliste (BLS) mit Walter Jann aus der Taufe hoben. Fortan setzten sie sich dafür ein, dass Starnberg keinen B2-Tunnel, sondern eine Umfahrung bekommen sollte. Für die Kommunalwahl 2002 kandidierte Seethaler auf der BLS-Liste für den Stadtrat und wurde, vor allem zu seiner eigenen Überraschung, so weit nach vorn gehäufelt, dass er tatsächlich ein Mandat errang. Das anzunehmen fiel ihm nicht so schwer, denn zur gleichen Zeit war es Ferdinand Pfaffinger gelungen, für die Bürgerliste das Starnberger Bürgermeisteramt zu ergattern. Als sich Jann und Pfaffinger 2006 so weit auseinander dividiert hatten, dass Pfaffinger die Bürgerliste verließ und zur UWG wechselte, blieb Seethaler treu an seiner Seite und ging mit. Er zeigte in der Folge kein Verständnis für die Ablehnung, die Pfaffinger auf Grund seines Seitenwechsels erfuhr, zumal er nun – wie die UWG schon immer – den Tunnel nicht mehr verhindern wollte. Seethaler konnte engagiert diskutieren und auf so mancher Taxifahrt mag es interessante politische Diskussionen zwischen ihm und seinem jeweiligen Fahrgast gegeben haben. Er folgte Pfaffinger auch 2016, als der mit dem ehemaligen SPD-Stadtrat Holger Knigge und ehemaligen UWG-Stadträten gemeinsam ein Nachfolge-Forum für das 2003 letztmalig beerdigte „Stadtbauforum“ gründete. Dieses „Forum für Stadtentwicklung“, das sich die Beratung des aktuellen Stadtrates auf die Fahne geschrieben hatte, hat sich seitdem jedoch kein einziges Mal öffentlich zu Wort gemeldet.

Seethaler war vor allem ein Mann, der um Verständnis für alle Probleme der „Taxler“ in Starnberg warb. Im Stadtrat konnte nur er erklären, warum es damals für einen Taxiunternehmer wirklich keinen Sinn machte, sich am Bahnhof Nord die Reifen platt zu stehen. Einfach zu wenig Fahrgäste und das lukrative Geschäft lief derweilen am Bahnhof See davon. Seethaler konnte sich lautstark aufregen, aber auch humorvoll über Fehler anderer hinwegsehen und mit Mitgefühl Anteil am schweren Schicksal anderer Menschen nehmen. Mit der UWG-Stadtratsliste klappte die Wiederwahl dann 2008 und 2014/2015 nicht noch einmal. Aber er und seine Frau blieben treue Besucher des UWG-Stammtisches, wo er aus seinem Herzen keine Mördergrube machte und seine Meinung sagte.

Im Urlaub fuhr Erwin Seethaler gern nach Südtirol. Dort wird man nun auch vergeblich auf ihn warten. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, dem 3. Juli 2019 um 11 Uhr in der evangelischen Friedenskirche an der Kaiser-Wilhelm-Straße statt. Im Anschluss ist die Urnenbeisetzung im Friedhof an der Hanfelder Straße.