Der Bauausschuss hätte heute Abend grünes Licht geben können, dafür, dass das Rathaus das weiter entwickelte Planungskonzept für das Gewerbegebiet Schorn beim Landratsamt vorlegen kann. Dies wäre nämlich Voraussetzung dafür, dass der zuständige Ausschuss des Kreistages am 9. Juli 2019, also noch vor der Sommerpause, entscheiden kann, ob er der Herausnahme der Erweiterungsflächen in Schorn aus der Landschaftsschutzgebietsverordnung zustimmen will. Daraus wird nun nichts, denn obwohl vor allem Ludwig Jägerhuber (CSU), aber auch andere Stadträte mehrfach nachdrücklich versicherten, sie seien – „schon immer“ – für dieses Projekt, das der Stadt auf lange Sicht zu mehr Gewerbesteuereinnahmen verhelfen könnte, hat die Mehrheit aus CSU, UWG, SPD und Grünen dem Antrag von Otto Gaßner (UWG) zugestimmt, die Entscheidung zurückzustellen. Gaßner wünschte Zeit, die Angelegenheit in den Fraktionen zu besprechen.

Hintergrund: In Schorn und Umgebung organisieren sich Bürgerinitiativen gegen das Projekt, die von den Grünen und dem Bund Naturschutz unterstützt werden. In den Unterlagen, die dem Kreisausschuss als Grundlage für seine Entscheidung übermittelt werden sollten, gibt es  die Angabe einer maximalen Höhe für spätere Gebäude von 25 Meter. Das Bauamt und Bürgermeisterin Eva John versuchten in der Bauausschusssitzung anhand von Grundlagen, die für den im Verfahren unabdingbaren Umweltbericht erarbeitet worden waren, Sorgen zu zerstreuen, dass es in der Realität nach der Umsetzung der Pläne tatsächlich zahlreiche Gewerbebauten mit dieser Höhe geben werde. Vielmehr gehe es nur um das Baufeld Nummer 2, das im Übrigen so tief im Gelände liege, dass solche Bauten trotz ihrer Höhe immer noch unter der sichtbaren Baumgrenze liegen würden. Außerdem handele es sich nur um einen „Vor-Vor-Entwurf“, sagte John. Also noch lange nicht um das öffentlich durchzuführende Bebauungsplanverfahren, in dem Betroffene und Träger öffentlicher Belange beteiligt würden.

SPD-Stadträtin Christiane Falk lehnte das Gesamtprojekt als „nicht nachhaltig“ und wegen massiver Bebauung ab. Jägerhuber meinte mit Blick auf die stellenweise eventuell möglichen 25 Meter hohen Bauten: „Mir fehlt die Vorstellungskraft, wie sich das in die Landschaft eingliedert. Wir müssen da sensibel vorgehen.“

Stadtbaumeister Stephan Weinl  warb: „Es ist nichts zementiert. Diese Höhenangabe soll den sparsamen Umgang mit Grund und Boden ermöglichen. Er widersprach Falk. Es sei sehr wohl nachhaltig, wenn man ein Baugebiet in wirtschaftlich und städtebaulich sinnvollen Abschnitten ermögliche und sich über deren Erschließung auf mehrere Jahrzehnte im voraus Gedanken mache.

Gaßner verlangte nun, nach jahrelangen, am Ende von Erfolg gekrönten Bemühungen, vom Bund und der Autobahndirektion einen Autobahnhalbanschluss genehmigt zu bekommen, es müsse doch ein Vollanschluss an die A95 werden ( siehe Bauleitplanung für Schorn). Sonst werde Starnbergs Ortsteil Wangen tangiert. Dort leben einige UWG-Mitglieder. „Das Vorliegende ist für mich keine Erschließung“, so Gaßner.

Franz Heidinger (BLS) stellte sich uneingeschränkt hinter das Projekt: „Das ist für die nächsten 50 bis 100 Jahre genau das Richtige.“ Man solle das nicht wieder verschieben. Angelika Kammerl (DPF) berichtete von ihren Erfahrungen aus der Teilnahme an diversen Workshops zur Erarbeitung des Schorn-Konzeptes: „Man macht sich dort viel Mühe. Auf Befürchtungen aus der Bevölkerung wird man reagiern.“

Iris Ziebart (FDP) brach eine Lanze für die Projektentwickler der „Asto Campus Starnberg GmbH“: „Wir müssen verstehen, dass dort nicht mehr Geld für konkretere Planungen in die Hand genommen wird, solange überhaupt noch nicht geklärt ist, ob die nötigen Flächen aus dem Landschaftsschutz herausgenommen werden.“ Wie hoch dann am Schluss tatsächlich gebaut werde, entscheide doch der Bauausschuss selbst im Bebauungsplanentwurfsverfahren.

Auch Josef Pfister (BMS) mahnte: „Es liegt in unserer Hand, welche Höhen wir am Ende zulassen. Es ist ein denkbar schlechtes Zeichen, wenn wir heute nicht entscheiden und die Frist sausen lassen.“ Befürchtungen, dass solche Höhen im gesamten Gewerbegebiet realisiert würden, seien „völlig gegenstandslos“.

Das Votum für die Zurückstellung fiel denkbar knapp mit 6:5 Stimmen aus. Damit ist völlig offen, ob noch heuer über die Frage der Herausnahme aus der Landschaftsschutzgebietsverordnung entschieden werden kann. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Diskussion über die Höhen nur vorgeschoben ist, weil hier ein Erfolg noch in dieser Bürgermeisterperiode verhindert werden soll.