Im vorherigen Bericht (siehe Schorn: Mehrheit will keinen Stillstand) wurde dargestellt, worum es bei dem Nachprüfungsantrag zum Thema „Erweiterung Gewerbegebiet Schorn“ im Stadtrat ging. Die Nachprüfung korrierte am Ende die Entscheidung des Bauausschusses, der verhindert hätte, dass noch vor der Sommerpause im Kreisausschuss über die Herausnahme der Erweiterungsflächen aus der Landschaftsschutzgebietsverordnung „Starnberger See – Ost“ beraten wird. Mit dieser Entscheidung steht oder fällt das komplette Projekt, weshalb die Projektentwickler  und Investoren großes Interesse haben, so schnell wie möglich zu erfahren, ob es Sinn macht, die Pläne weiter zu verfolgen. Der Bauausschuss hätte eventeuell das ganze Projekt ins Hintertreffen geraten lassen. Hier nun der versprochene Bericht über die neuerliche Debatte im Stadtrat am 1. Juli 2019.

Tim Weidner (SPD) klagte nochmals über die in seinen Augen „überdimensionierte Planung“, gegen die sich seine Fraktion schon mehrfach ausgesprochen habe. Wer das komplette Projekt wolle, befinde sich auf dem „Irrweg“. Lob gab Weidner für  Bauausschussmitglieder, die eine nochmalige Vertagung gewollt hatten: „Dort sind Teile der CSU und UWG endlich aufgewacht.“

Patrick Janik (UWG) sagte, er teile die Bedenken der Mehrheit im Bauausschuss. Aber die Erschließung und die Höhenentwicklung bezüglich des Gewerbegebietes seien beides Punkte, „die wir im Bebauungsplanverfahren reparieren müssen“. Sie rechtfertigten nicht die Rücknahme des beim Kreis gestellten Antrags der Stadt auf Herausnahme der nötigen Flächen aus der Landschaftsschutzgebietsverordnung.

Winfried Wobbe (UWG), der den Nachprüfungsantrag der DPF unterstützt hatte, machte jetzt einen Rückzieher. Er fand die Erschließung unbefriedigend und warnte, die Besucher der Betriebe müssten durch die Dörfer fahren, so durch Wangen und Percha, aber auch Schäftlarn und Neufahrn seien betroffen. Zudem sei ein „unvorstellbar großes Gebiet“ geplant, nämlich 1 Kilometer auf 500 Meter. Das sähen die Wangener, zu denen er selbst auch zähle, „schon ein bissel kritisch“. Deshalb sei er, Wobbe, für einen Aufschub der Entscheidungen.

„Wir sind dagegen“, war die klare Auskunft von Martina Neubauer (Grüne). Kein Mensch wisse, ob sich die dort geplanten Investitionen auszahlen werden und die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen für den Stadtsäckel ergäben. Stattdessen werde wertvolle Natur zerstört. „Der Widerstand der Bürger wird ganz massiv sein“, kündigte Neubauer an. Das Projekt sei „Nonsens – Arbeitsplätze, die wir nicht brauchen und mehr Verkehr“.

Günther Picker (WPS) erinnerte daran, dass sich der Stadtrat und somit auch seine Fraktion mit den Plänen für die Erweiterungen in Schorn schon seit Juli 2009 befasse. „Wir halten das Projekt weiterhin für nötig.“ Bisher sei die CSU immer mitgeschritten und habe unterstützt, dass das Gebiet entwickelt werden müsse. Ohne die Herausnahme aus dem Landschaftsschutz gehe es aber nicht weiter.

Iris Ziebart (FDP) lobte die Entwickler: „Da ist eine sehr zukunftsweisende Planung.“ Es sei wichtig, zunächst das gesamte Entwicklungspotenzial abzubilden, damit dieses dann schrittweise wie vorgeschlagen realisiert werden könne. Der Landkreis Starnberg sei ein Hochtechnologie-Standort. Ein solches Projekt wie das in Schorn (siehe Bauleitplanung für Schorn) ermögliche auch noch in 40 Jahren, dass Stadt und Landkreis die Infrastrukturkosten vom Verkehr bis zur Kinderbetreuung erwirtschaften könne. Ziebart bat um die Unterstützung einer deutlichen Mehrheit: „Nur so haben wir die Chance, den Kreistag zu überzeugen.“

Bürgermeisterin Eva John rief in Erinnerung, dass das Planungskonzept für die Erweiterung des schon bestehenden Gewerbegebietes genauso wie die Entscheidung, den Antrag auf Herausnahme aus dem Landschaftsschutz zu stellen, mit großer Mehrheit beschlossen worden sei.

Michael Mignoli (BLS) warf den Unterstützern des Vertagungsantrags im Bauausschuss vor, sie wollten Starnberg „gewerbefrei“. Es sei doch jetzt schon so, dass große Firmen weggingen und alle anderen Orte rund um Starnberg herum schöne neue Gewerbegebiete bauten. Mit Blick auf die zuvor behandelten Vorschläge der STAgenda für mehr Qualität in Starnberg für Fußgänger und Radfahrer fragte Mignoli: „Und wer bezahlt dann Fuß- und Radwege?“ Wer die Vorlage im Kreisausschuss ablehne müsse sich fragen, wo er sich eine Entwicklung in Starnberg überhaupt noch vorstellen könne.

Stefan Frey (CSU) mahnte, man solle den Standort Schorn nicht grundsätzlich in Frage stellen. Er sei der geeignetste für eine solche Planung, weil er auch am wenigsten Betroffenheit auslöse. „Wir müssen vielen Firmen was Vernünftiges anbieten können.“

Gerd Weger (CSU), der wie sein Fraktionskollege Ludwig Jägerhuber im Bauausschuss „Nein“ gesagt hatte, gestand zwar zu, man brauche ein Gewerbegebiet, er habe aber immer nur im Auge gehabt, innerstädtische Betriebe aus der Stadt herauszubekommen. Die könnten sich die hochwertig geplanten Flächen in Schorn jedoch nicht leisten. Außerdem vermisste Weger, dass für Zuziehende entsprechender Wohnraum ausgewiesen worden wäre.

„In diesem Stadtrat ist niemand gegen Gewerbe“, glaubt Otto Gaßner (UWG). Er hatte mit seinem Antrag auf Vertagung im Bauausschuss den Dissens ausgelöst. Er verlangte einen Ausgleich zwischen Wohnen und Gewerbe, sah allerdings den Überhang beim Wohnen. Die „Brachen“ im Gewerbegebiet an der Petersbrunner Straße müssten überplant und in Schorn die noch nicht gelösten „Haken“ beseitigt werden. Die bisherige Erschließung mit einem Halbanschluss an die A95 bezeichnete er als „kümmerlich“ und prophezeite, dass auch der Landkreis es so sehen werde, dass Starnberg mit München gemeinsam eine bessere Lösung suchen müsse.

Die Abstimmung erbrachte Unterstützung für den Weg, zunächst doch den Kreis über die Herausnahme der Flächen aus dem Landschaftsschutz entscheiden zu lassen (19:11). Dagegen votierten Jägerhuber und Weger, die Grünen, Gaßner, Angelika Wahmke (UWG) und Wobbe, die SPD und Sieglinde Loesti (DPF).