Seit 2015 arbeitet der STAgenda Arbeitskreis Verkehr unter der Leitung von Irmgard Franken an einem Konzept, wie eine nachhaltige Verkehrsentwicklung für Starnberg im 21. Jahrhundert aussehen könnte, insbesondere unter den Gesichtspunkten, dass die Westumfahrung bereits in Betrieb ist und der B2-Tunnel 2026 eröffnet werden soll. Sie haben wie schon Expertenbüros vor ihnen eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, die bereits vor der Tunneleröffnung umsetzbar und hilfreich wären. In der jüngsten Stadtratssitzung bekamen Franken, der Architekt Helm Andreas Heigl, der ehemalige Kreisbaumeister Helmut Rauscher sowie Andrea Schmölzer, allen bekannt als Organisatorin des „Stadtradeln“, die Gelegenheit, ihr Konzept vorzustellen und einen Antrag zu formulieren. Wichtig ist den ehrenamtlich tätigen „Verkehrsplanern“, dass der Stadtrat auch tatsächlich Beschlüsse fasst: zu einem Planergänzungsverfahren zu den Zuläufen der B2 für den Planfeststellungsbeschluss „Starnberger Entlastungstunnel“, und zur Umsetzung des Konzeptes „Lebendiges Starnberg“ auf Basis der STAgenda-Vorschläge. „Nutzen wir die historische Chance und handeln wir gemeinschaftlich“, bat Heigl die Stadträte. Wie die Debatte und Abstimmung verlief, dazu folgt ein eigener Bericht. Hier zunächst die Vorstellung des Konzeptes:

„Lebendiges Starnberg“ – das soll nach dem Willen der STAgenda eine Perspektive für den Zeitraum 2020 bis 2026 sein. Klares Ziel ist „Weniger Durchgangsverkehr – Mehr Lebensraum“. Zur Grundlage seiner Vorschläge machte der Arbeitskreis die Tatsachen, dass die Westumfahrung in Betrieb ist, der Tunnel 2026 eröffnet und Starnberg so die Chance bekommt, „unsere Stadt Schritt für Schritt zurück zu gewinnen“ – was bedeute, den Raum nicht mehr überwiegend dem Kfz zuzugestehen, sondern Fuß- und Radfahrern Flächen zu geben und Aufenthaltsqualität für alle zu schaffen. „Es liegt in unserer Hand, sicher zu stellen, dass sich die Verkehrsbelastung halbiert“, hieß es in Heigls Präsentation vor dem Stadtrat – durch Entlastung der Innenstadt, mehr Flächen für Fuß- und Radverkehr, ein gutes öffentliches Transportangebot und klug geplante Stadteinfahrten.

Hier die wichtigsten Maßnahmenvorschläge:

  • Am Bahnhofsplatz, am Alten Rathaus (Stadtbücherei) und an den Kirchplätzen sollen Begegnungszonen ausgebaut werden, auf denen Verkehrsteilnehmer jeder Art gleichberechtigt sind (Shared Space). Als Beispiel nannte Heigl den Bereich der Maximilianstraße.
  • Schon in der Zeit bis zur Tunnelinbetriebnahme sollte ein Einbahnstraßensystem in der Innenstadt geschaffen werden. Dazu wird die Wittelsbacherstraße vom Tutzinger-Hof-Platz abgehängt, indem sie mit der Josef-Jägerhuberhuber-Straße gemeinsam einmündet. Der Platz selbst soll ein langsamer Kreisverkehr werden. Im Süden beim Übergang von der Haupt- zur Weilheimer Straße will man die bisherigen Fahrtrichtungen von Seufzerberg (Bahnhofstraße) und Dinardstraße umkehren.
  • Die Pläne für die Stadteinfahrten des Staatlichen Bauamtes im Rahmen der Tunnelplanung will die STAgenda verändern. So soll es im Norden am Gymnasium nicht sieben, wie in der Planfeststellung vorgesehen, sondern nur noch vier Fahrspuren geben – zwei im Tunnel und je eine (bisher zwei) rechts und links des Tunnelportals. Zumindest auf die zusätzliche Abbiegespur von der Münchner- in die äußere Leutstettener Straße sollte verzichtet werden. Folgte man der Maximalforderung, hätte das viel mehr Platz für Geh- und Radwege zur Folge und die Bahnüberführung auf Höhe des McDonalds müsste nicht wie geplant für viel Geld aufgeweitet werden. Im Bereich des geplanten Südportals des B2-Tunnels ist es der STAgenda ein Dorn im Auge, dass dortige Wohn- und Einkaufsgebiete keine direkte Zufahrt in den Tunnel bekommen sollen. Der Arbeitskreis schlägt deshalb einen (Wende-)Kreisverkehr zwischen Am Waldspielplatz und Franz-Heidinger-Straße vor, über den alle, die es wollen, in den Tunnel einfahren könnten.
  • Um Parksuchverkehr zu vermeiden, will man ein Parkleitsystem etablieren.
  • Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr: mehr inner- und überörtliche Wegeverbindungen, im Zentrum attraktive Wege und sichere und gerechte Stadträume für alle Verkehrsteilnehmer (Shared Space).
  • Die Buslinien müssen noch besser werden, könnten durch Angebote wie einen Zentrums- oder Badebus sowie Shuttle-Service, eventuell mit selbstfahrenden elektrischen Kleinbussen ergänzt werden.
  • Für Hanfelder-/Söckinger-/Andechser Straße unterstützt die STAgenda die Umbaupläne, nachdem diese Straßen wie berichtet nach Eröffnung der Westumfahrung zu Ortsstraßen geworden sind, und macht zusätzliche Vorschläge.
  • Über allem steht der Wunsch, Durchgangsverkehr konsequent in den Tunnel zu lenken und somit aus der Innenstadt fern zu halten.

„Wir müssen dafür sorgen, dass nicht neuer Durchgangsverkehr die entstehenden Freiräume füllt“, endet die Präsentation.

Eigene Vorschläge zur Verbesserung der Schulwegsicherheit rund um die Schulen an der Ferdinand-Maria-Straße steuerten die Schülersprecher der Mittelschule, Christina Plahuta und Deniz Türkmen bei. Das Projekt wurde aus der Taufe gehoben, nachdem der STAgenda Arbeitskreis Verkehr seine Vorschläge in der Schule vorgestellt hatte. So bat Plahuta um einen Zebrastreifen an der  Bushaltestelle im Bereich der Agentur für Arbeit an der Hanfelder Straße, weil die Schüler so über die Schulstraße einen kürzeren Weg zur Schule hätten. Der heute vorhandenen Zebrastreifen mit Ampel an der Rheinlandstraße werde von den Schülern kaum genutzt. Türkmen bat darum, für die Schüler, die vom Bahnhof Nord kommen, entlang der Himbselstraße die Gehwege zu verbreitern und darauf zu drängen, dass Grundstücksbesitzer ihre Hecken schneiden, damit Fußgänger mehr Platz haben. Unter dem Beifall von Stadträten, Verwaltung und Zuhörern der Ratssitzung für die von ihnen beigesteuerten Ideen wünschten sich beide Schülersprecher zudem mehr sichere Radwege rund um die Schule.