Nach Bekanntwerden der neuen Sicherheitsanforderungen für die im Bau befindliche 2. Stammstrecke der S-Bahn in München hat die Starnberger „Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI)  sich nun mit einer Presseerklärung zum B2-Tunnel zu Wort gemeldet:

Sicherheitskonzept des B2-Tunnels ist überholt

Das Sicherheitskonzept zur „Selbstrettung“ beim Starnberger B2-Tunnel verdient den Namen nicht. Es gilt das Prinzip „Rette sich wer kann“. Das dürfte den allerwenigsten im Katastrophenfall gelingen, mit Sicherheit nicht Kindern, alten Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Rettung über Rettungsschächte mit „haushohen“ Treppenhäusern wird seit Jahren beim Bau von Verkehrstunneln abgelöst durch befahrbare Rettungsstollen /Rettungsröhren, die parallel zum Tunnel laufen und mit diesem durch Querstollen als Fluchtweg verbunden sind.

Wie jetzt veröffentlicht wird, muss das Sicherheitskonzept der zweiten S-Bahn- Stammstrecke grundlegend geändert werden, obwohl das Projekt ohnehin zwei getrennte Richtungstunnels aufweist. Doch das Rettungssystem über Schächte muss wegen unlösbarer Probleme ersetzt werden durch eine dritte, befahrbare Rettungsröhre. Die Umplanung ist spektakulär, weil die neue S-Bahn-Stammstrecke bereits im Bau ist.

BI und WPS haben seit Baugenehmigung des B2-Tunnels im Jahr 2008 das Sicherheitskonzept „Selbstrettung“ mit Rettungsschächten heftig kritisiert und im Januar 2011 einen Antrag im Stadtrat gestellt, „das veraltete und nicht behindertengerechte Sicherheitskonzept des B2-Entlastungstunnels durch die Forderung nach einem sicherheitstechnisch zeitgemäßen und parallellaufenden befahrbaren Rettungsstollen nachbessern zu lassen“. Der Antrag wurde von der Mehrheit der Stadträte abgelehnt, weil man befürchtete, das ganze Projekt könnte damit gefährdet werden. Dabei ist die Sicherheit das oberste Gebot, wenn es um Menschenleben geht. Die schrecklichen Unfälle, die sich immer wieder in Straßentunnels ereignen, zeigen die konkrete und nicht nur herbeigeredete Lebensgefahr. Jeder Stadtrat trägt hier eine große Verantwortung.

Nach Anhörung der Starnberger Feuerwehr sowie des Gutachters der Stadt Dr. Dirk Schneider sind die geplanten Rettungsschächte mit Treppenhäusern über mehrere Stockwerke auch in Starnberg ein bisher ungelöstes Problem. Wir meinen, das gesamte Sicherheitskonzept muss abgeändert werden, zumal noch weitere Risiken des einröhrigen B2-Tunnels mit Gegenverkehr hinzukommen, wie fehlende Trennwand zwischen den Richtungsfahrbahnen, unüberwindbare Längsneigung des Tunnels für Rollstuhlfahrer oder schmalste Gehsteige entlang der Fahrbahn.

Die Hoffnung der Tunnelfreunde, die Hauptstraße würde entlastet und zu einer Idylle werden, ist illusorisch. Man muss nicht klaustrophobisch veranlagt sein, wenn man den B2- Tunnel, sollte er denn kommen, wie eine 2.000 m lange „Geisterbahn mit Gegenverkehr“ meidet und „oben umfährt“. Die Politik sollte mehr auf die Technik hören: Das Projekt ist eine Fehlplanung! Das Wort „B2-Entlastungs-Tunnel“ ist von der Technik längst gestrichen.

Mit der Westumfahrung wird die Stadt bereits zu 50 % vom Durchgangsverkehr befreit. Ergänzen wir diese geduldig mit einer Nordumfahrung, dann ist die 100%- Entlastung der Stadt auch auf den Staatsstraßen komplett. Von dieser Baustelle würden die Starnberger, genauso wenig beeinträchtigt werden wie vom Bau der Westumfahrung.“