Für Benjamin Tillig, seit 1. Mai 2019 Leiter des Museums Starnberger See, war es die erste Kunstausstellung die er in seinem Haus eröffnete. Dafür hatte er gleich etwas ganz Besonderes ausgesucht. Wie schon angekündigt sind vom 20. Juli bis 28. September 2019 „Winkelmonster und Linientiere“ zu bestaunen. Ihr Urheber ist der Holzbauingenieur Günter Steck, der im Ruhestand die während seines Berufslebens entstandenen technischen Zeichnungen mit Blei- und Buntstift zu einem ganz neuen Leben erweckte (siehe Winkelmonster und Linientiere). Zur Vernissage waren zahlreiche Gäste erschienen, darunter neben Bürgermeisterin Eva John auch der Starnberger Ehrenbürger und ehemalige Rathauschef Heribert Thallmair sowie sein damaliger Stellvertreter Fritz Peter Specht, der erst kürzlich die Bürgermedaille der Stadt Starnberg erhalten hatte. Ebenso die gleichfalls ausgezeichnete Kulturmanagerin Elisabeth Carr, dazu Weggefährten von Steck und seine Familie.

John eröffnte die Ausstellung im Garten des Museums, denn auch dort gibt es Winkelmonster  und Linientiere bei einem Parcours zu entdecken. Sie fand, Steck’s Zeichnungen regten an, die Welt ein bisschen anders zu sehen. Auch die Person Günter Steck sieht wohl anders, wer ihn bisher nur als den Techniker, ehemaligen Stadtrat, Seniorenbeiratsvorsitzenden und kurzfristig begeisterten Ruderer, aber langfristig begeisterten Radfahrer kannte. Er  habe vor elf Jahren eine ganz eigene Art entwickelt, mit seinem Berufsleben abzuschließen (siehe Ausstellung “Mein Projekt Ruhestand”), sagte John.

Tillig bescheinigte die Bürgermeisterin, die Stadt Starnberg habe mit ihm einen „tollen Fang“ gemacht. Für den so Gelobten war es „etwas ganz Besonderes, was wir hier tun“. Es seien die Winkel, die ihn interessierten, die das Potenzial in solchen Häusern wie dem Museum Starnberger See haben. So sei die Ausstellung von Stecks Bildern nicht etwa in den Museums-Ausstellungsräumen zu bewundern, sondern im bisher noch nicht so wahrgenommenen Treppenturm. Das passe gut zusammen, denn auch Steck habe etwas Funktionales umgenutzt, habe Dinge erweitert und verändert, ohne Vorheriges einzureißen. Das sei auch sein Weg mit dem Museum. Tillig spannte den Bogen von dieser Ausstellung zu dem Ereignis „100 Jahre Bauhaus“, das heuer gefeiert wird. Dementsprechend lautet die Unterzeile zum Titel der Ausstellung: „Ein Ingenieur im Bauhausjahr“. In Weimar, so Tillig sollte das Leben der Menschen revolutioniert und technisiert werden. Steck habe sein ganzes Berufsleben der Funktionalität gewidmet, jetzt bevölkere er es mit Fabelwesen.

Insgesamt gibt es im Treppenturm 147 Zeichnungen zu sehen, dazu 44 Pläne, anhand derer der Betrachter nachvollziehen kann, was die technische Grundlage für die Winkelmonster und Linientiere gewesen ist. Das letzte Wort hatte Steck’s Enkel Niklas: „Ich hoffe, dass mein Opa weiter so tolle Bilder macht.“ Der Ausstellungskatalog ist gleichzeitig ein Malbuch zum Ausmalen und für Versuche mit der eigenen Kreativität. Er kann für zwei Euro im Museum erworben werden.