Gestern Abend sind die beiden derzeit wichtigsten Posten im Ortsverband der FDP neu besetzt worden. Von den insgesamt 44 Mitgliedern waren 15 im Bayerischen Hof erschienen um einen Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2020 sowie einen neuen Ortsvorsitzenden zu küren. Daneben waren eine Reihe von Gästen anwesend, die Interesse bekundet haben künftig bei den örtlichen Liberalen mitzuwirken. Um es vorweg zu nehmen: Bürgermeisterkandidat und neuer Vorsitzender ist ab sofort identisch und heißt Marc Fiedler. Gegenstimmen gab es keine.

Der 41jährige Kaufmann ist vor etwa drei Jahren von München nach Starnberg gezogen, wo er aufgewachsen war. Er ist Vater von zwei Kindern, seit 2009 FDP-Mitglied und war im Stadtverband München schon für die Liberalen aktiv (siehe FDP: Auf Ahlendorf folgt Fiedler). Die bisherige Ortsvorsitzende der FDP, Heike Barall-Quiring, hatte ihn schnell für die Arbeit im Ortsverband akquiriert. Eine richtige Antrittsrede sparte sich der frisch Gewählte vorerst, sagte nur: „Wir wollen was vorantreiben, etwas verändern, und im Stadtrat endlich wieder anständig miteinander umgehen.“ Seine wichtigsten Themen seien das bezahlbare Wohnen, eine gute Gewerbentwicklung wie sie das Projekt der Stadt in Schorn vorzeichne, sei ihm ganz wichtig. Ebenso Verbesserungen beim Öffentlichen Personennahverkehr, mehr Platz für die Berufsschule sowie die Schaffung eines Handwerkerhofes. In diesen Angelegenheiten liefere derzeit niemand sonst Antworten. Zum Thema Seeanbindung sagte Fiedler: „Erst müssen mal die Fakten auf den Tisch, was in der Mediation, die ja nichtöffentlich war, gelaufen ist. Dann geht es um eine pragmatische Lösung ohne Schuldzuweisungen. Und für die nächsten zehn Jahre muss es eine Zwischenlösung am Bahnhof See geben.“

Barall-Quiring ist ins zweite Glied zurückgetreten und übernahm einen der drei Stellvertreterposten im Ortsvorstand (12 Stimmen für sie). Als weitere Stellvertreter wurden der Historiker Christoph Aschermann (11 Stimmen) sowie der Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen und Soziologiestundent, Valentin Windorfer ( 11 Stimmen), bestimmt. Schatzmeisterin bleibt Paola Heidtmann-Ambrosoli (15 Stimmen). FDP-Urgestein Katharina Hange hatte zwar Stefan Zeil als einen der stellvertreteden Ortsvorsitzenden zur Wahl empfohlen, aber er erhielt nur fünf Stimmen. Statt nur zwei Beisitzer – bisher die beiden FDP-Stadträte Iris Ziebart und Anton Wiesböck – sind es neu vier: Lilo Schneider, Wiesböck, Anke Henniger und Michael Schildbach.

Da es sich um eine ordentliche Mitgliederversammlung handelte, gab Barall-Quiring auch einen Rechenschaftsbericht ab. In den letzten beiden Jahren habe der Fokus vor allem auf der Bundes- und Landtagswahl gelegen. „In der Kommunalpolitik waren wir relativ ruhig. Jetzt kommen wir aber nicht mehr drum rum.“ Ihrer Ansicht nach brauche es in Starnberg eine ehrliche, machbare, rein an der Sache orientierte Politik. Dann grenzte sie sich umgehend zur Stadtratsfraktion der Wählergemeinschaft Pro Starnberg (WPS) ab: „Es ist reine Wählerfängerei, wenn WPS-Chef Günther Picker fordert, man müsse dem Juristen Otto Gaßner (UWG), der 1987 die Verträge zwischen Bahn und Stadt Starnberg für die Seeanbindung ausgehandelt hat, nun den Streit verkünden“, sprich: ihn regresspflichtig für eventuell an der Stadt hängen bleibenden finanziellen Schaden machen. Diese Forderung hatte Picker wie berichtet ( sieher Seeanbindung braucht langen Atem) in der jüngsten Stadtratssitzung erhoben und die Kollegen gewarnt, wenn sie dem nicht zustimmten, könnten auch sie in Haftung genommen werden. „Ich habe mich darüber geärgert“, so Barall-Quiring, der ihr Mann, der Jurist Andreas Quiring, zur Seite sprang und behauptete, Ansprüche an Gaßner seien bereits seit 1990 verjährt. Auf Anfrage von Lokales-aus-Starnberg bekräftige Picker, ebenfalls Jurist, jedoch seine Sicht der Dinge: Die Verjährung beginne erst dann, wenn die Stadt von dem möglichen Schaden Kenntnis erlange. Zudem müsse noch geklärt werden, ob der von Gaßner geschlossene Vertrag überhaupt wirksam und aufsichtsrechtlich genehmigt sei.

Man müsse sich jetzt erläutern lassen, welchen Spielraum es für die Stadt noch gebe, forderte Barall-Quiring. Starnberg müsse „kämpfen was geht“, denn die Bahn kämpfe genauso für sich. Sie forderte den derzeitigen Stadtrat auf, mit einer starken Verhandlungsposition aufzutreten. „Wer nimmt denn einen Partner ernst, wenn der zerstritten ist?“ fragte sie und ergänzte: „Bahn und Stadt können nur gemeinsam stark werden.“

Was die Zukunft der Ortsverbandes angehe, freue sie sich über die vielen Neuen, die mitmachen wollten. Außer dem Ehepaar Ziebart seien alle dabei. Wolfgang Ziebart, bis vor kurzem noch einer von Barall-Quirings Stellvertretern, habe sich schon länger aus der Aufgabe zurückgezogen, denn er sei beruflich viel unterwegs. Iris Ziebart habe am Sonntag in einer Mail geschrieben, dass sie nicht mehr im Ortsvorstand mitarbeiten wolle. „Ich weiß nicht, was sie machen wird. Jeder wählt seinen Weg, das sollten wir respektieren“ , so Barall-Quiring. Iris Ziebart, die auch Dritte Bürgermeisterin der Stadt ist und gestern Abend in dieser Eigenschaft bei der Bayerischen Staatsregierung einen großen Förderzuschuss für den Breitbandausbau in Starnberg in Empfang genommen hat, sagte auf Anfrage, sie habe gegenüber dem Vorstand nicht damit hinter dem Berg gehalten, dass sie nach 18 Jahren im Stadtrat bei der Kommunalwahl 2020 nicht erneut kandidieren werde.

Für sich selbst habe sie, Barall-Quiring, gesagt, sie wolle kein Mandat, vielmehr, dass künftig Junge voran gehen. „Wir müssen lernen abgeben zu können. Aber wenn es gewollt ist, bleibe ich als Stellvertreterin im Vorstand.“ In Starnberg gebe es eine Menge Schwierigkeiten und Probleme. „Wir wollen wieder mehr liberales Gedankengut reinbringen und neue Wege gehen.“ Die Aufstellung der Stadtratskandidatenliste sei für den Herbst geplant. „Wir haben viele neue Mitglieder und wollen einen neuen Kurs in Starnberg.“ Fiedler, der sein schon bestehendes Wahlkampfteam ebenso wie Barall-Quiring hoch lobte – „wir haben schon viel entwickelt“ – , zeigte sich überzeugt: „Wir sind ein starkes Team. Das brauchen wir auch für den heißen Ritt durch diese Kommunalwahl.“

Die Kreisvorsitzende der FDP, Britta Hundesrügge, erinnerte daran: „Starnberg war immer eine Hochburg der Liberalen. Wir konnten uns auf Starnberg verlassen.“ Der FDP-Bundestagsabgeordnete  und -Landesvorsitzende in Bayern, Daniel Föst, konnte die Arbeit von Stadt- und Kreisverband der Liberalen ebenfalls nicht genug loben. „In der Kommunalwahl ist nichts unmöglich.“ Sollte ein FDP-Kandidat in die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters kommen, werde der Landesverband einen deutlichen finanziellen Zuschuss für dessen finalen Wahlkampf geben.  Grundsätzlich forderte Föst die Liberalen vor Ort auf, „Helden der Nachbarschaft“ zu werden, sprich sich mit aller Kraft um die Probleme der Bürger zu kümmern. „Dann werden wir eine starke Kraft in Bayern“, so Föst. Es sei wichtig, möglichst viele Mandate zu erringen. Er forderte den Bürgermeisterkandidaten Fiedler auf: „Sie brauchen eine klare Vision für den Ort. Was Sie hier machen ist von wirklicher Relevanz für ganz Bayern.“ Konkret geht es, wie aus den Worten der Bezirks- und Gautinger FDP-Ortsvorsitzenden Viktoria Beyzer zu entnehmen war darum, dass die Liberalen in Bayern trotz der seit der Landtagswahl geleisteten vielen Arbeit unverändert bei fünf Prozent stünden, während die Freien Wähler beständig dazugewinnen. „Wir sind nicht kühl. Wir benötigen Sympathie“, rief sie die Mitglieder auf, dies auch zu transportieren.

Anton Wiesböck hält es für am wichtigsten, authentisch zu sein. Er bedankte sich bei Barall-Quiring, mit der er immer habe telefonieren können, wenn er mal nicht gewusst habe, wie er sich als Stadtrat in Abstimmungen verhalten sollte. Sie meinte dazu: „Wir können auch weiter telefonieren, Toni.“