Die Gemeindeordnung schreibt vor, dass die Jahresrechnung innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Haushaltsjahres aufzustellen und dem Stadtrat vorzulegen ist. Um der Vorschrift zu genügen, hatte das Rathaus genau dies mit der Jahresrechnung 2018 am 1. Juli 2019 getan. Doch die Ratsmehrheit wollte an diesem Tag die überplanmäßigen Ausgaben im Zusammenhang mit der Ufersanierung und dem Landschaftsbau am neuen Seebad, die in Höhe von 698641,45 Euro entstanden waren, nicht genehmigen (siehe Stadtrat verweigert Genehmigung). In der Folge kam es nicht dazu, dass der Rat die Vorlage der Jahresrechnung bestätigte und den Auftrag an die örtliche Rechnungsprüfung, die aus Stadträten besteht, zur Prüfung des Abschlusses erteilte. Bürgermeisterin Eva John setzte den Punkt deshalb auf die nachfolgende Sitzung des Ferienausschusses am 31. Juli 2019 und fragte zuvor bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt nach, ob die Genehmigung der überplanmäßigen Ausgaben Voraussetzung dafür ist, die Prüfung angehen zu können. Die Antwort stand bis zum Tag der neuerlichen Behandlung noch aus.

„Wir sind der Ansicht, dass die Nichtgenehmigung dieser Ausgaben keine Auswirkung auf die Jahresrechnung hat. Heute kam die Mitteilung von der Rechtsaufsicht, dass sie unsere Ansicht teilt“, berichtete John den Ausschussmitgliedern am 31. Juli 2019. Somit stehe nichts entgegen, die Vorlage der Jahresrechnung durch den Stadtrat zu bestätigen und die Prüfung in Auftrag zu geben, was dann einstimmig geschah.

Die Bürgermeisterin freute sich wie zuvor schon beim Haushaltsjahr 2017 über die positiven Aspekte im Verlauf des Haushaltsjahres 2018: So habe sich hier ein Überschuss in Höhe von fast 8,9 Millionen Euro ergeben, der dem Vermögenshaushalt (Gesamtumfang 76,78 Millionen Euro) zugeführt werden konnte. Geplant gewesen waren lediglich 1,7 Millionen Euro. Statt der geplanten Kreditaufnahme in Höhe von fast 1,6 Millionen Euro konnte auf diese ganz verzichtet werden. Als Entnahme aus der allgemeinen Rücklage waren 7,5 Millionen Euro geplant gewesen, tatsächlich wurden nur rund 5,5 Millionen Euro entnommen. Damit liegt das Rechnungsergebnis 2018 um insgesamt 3,6 Millionen Euro günstiger als geplant. Die allgemeine Rücklage betrug am Jahresende rund 3,1 Millionen Euro, der Schuldenstand sank von 13,82 auf 12,15 Millionen Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 520 Euro entspricht. Diese liegt damit unter der des Landesdurchschnitts vergleichbar großer Gemeinden (557 Euro, Stand 31.12.2017).

Nach Abschluss der Rechnungsprüfung muss der Stadtrat entscheiden, ob er Verwaltung und Bürgermeisterin für das Haushaltsjahr 2018 entlastet. Für die Vorjahre hatte die Ratsmehrheit dies verweigert (siehe Entlastung zum dritten Mal versagt). Im Disziplinarverfahren gegen John, das am 3. Juli 2019 vor dem Verwaltungsgericht München verhandelt wurde, haben diese Dinge jedoch nicht die von der politischen Mehrheit erhoffte Rolle gespielt (siehe Verwaltungsgericht: Tenor des Urteils und Verwaltungsgericht: Die Verhandlung). Der Bericht über das Ergebnis der vom Kommunalen Prüfungsverband durchgeführten überörtlichen Prüfung der Haushaltsabschlüsse für 2015 bis 2017 wurde einstimmig von der Tagesordnung der Stadtratssitzung vom 31. Juli 2019 genommen, weil die Aufbereitung für den Rat noch nicht abgeschlossen war.