Nachdem das Staatliche Bauamt Weilheim derzeit Flyer unter dem Titel „DIALOG“ an Starnberger Haushalte verteilt und darin Informationen über den geplanten B2-Tunnel abdruckt, hat nun die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) mit der unten abgedruckten Presseerklärung reagiert:
„Sicherheitskonzept des B2-Tunnels ohne Akzeptanz
Das Staatliche Bauamt in Weilheim erläutert in seinem Flyer „Dialog“ Teil 1 unter anderem das Sicherheitskonzept des B2-Tunnels so: „Nach Durchschreiten der Notausstiegstüre betritt man den Rettungsstollen. Bereits hier befinden sich flüchtende Personen im sicheren Bereich.“ „Durchschreiten“ kann ein Flüchtender diese Notausstiegs- bzw. Fluchttüre aber nur, wenn diese geöffnet werden kann. Das setzt voraus, dass die zweite Türe der Schleuse geschlossen ist. Andernfalls kann er im Tunnel geduldig warten bis er schwarz wird.
Die brennende Frage im Brandfall ist aber speziell: Wie kommen Gesunde, Verletzte
oder Menschen mit Mobilitätseinschränkung überhaupt bis zu den Fluchttüren? Deren
Abstand von 300 m bei einer Fahrbahn-Längsneigung von 3,5 % ist einfach tödlich! Das
Argument, die Entfernung zum nächsten Notausstieg sei maximal nur die Hälfte von 300 m, ist falsch. Im Brandfall gibt es nur eine sichere Flucht-Richtung, nämlich die vom Feuer weg.
München hat sich die Sicherheit im Luise-Kiesselbach-Tunnel Millionen kosten
lassen. Dort trennt eine massive Stahlbetonwand die beiden Fahrbahnrichtungen. Alle 60
Meter (i.W. sechzig) ist eine Fluchttür in der Trennwand, durch die man im Katastrophenfall auf die rettende andere Fahrbahn gelangt. Entsprechend können die Fluchttüren zur Selbstrettung bei einem Rettungsstollen, einer Fahrbahntrennwand oder einem zweiten Richtungstunnel in akzeptabler Entfernung eingeplant werden. Das ist bei dem System mit Rettungsschächten ausgeschlossen.
Das System der Rettungsschächte ist wegen zu langer Fluchtwege nicht mehr Stand
der Technik. Deshalb bekommt die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München nach aktueller Umplanung eine Rettungsröhre. Einröhrige Straßen-Tunnel werden bundesweit mit einer Fahrbahn-Trennwand als Brandwand nachgerüstet.
Die Mehrheit der Tunnelfreunde im Stadtrat haben aber im Jahr 2011 einen parallel
laufenden Rettungsstollen abgelehnt, weil sie neue juristische Einsprüche und
Verzögerungen befürchteten. So sind bis heute – 12 Jahre nach Baugenehmigung –
keinerlei Verbesserungen festzustellen. Es werden auch keine mehr folgen, weil die Mehrheit der Tunnelfreunde im Stadtrat jede Planänderung scheut wie der Teufel das Weihwasser.
Der Brandschutzexperte Dr. Schneider hat im Stadtrat erklärt, dass er persönlich den
Tunnel mit seinen so genehmigten Unzulänglichkeiten nie benutzen würde. Entsprechend
werden auch viele Pendler diesen Tunnel nicht akzeptieren, weil sie bei einer Hin-und
Rückfahrt an 220 Arbeitstagen mehrere brenzliche Situationen pro Jahr erwarten dürfen.
Zum Schutz der Amphibien wurden kürzlich bei der Umfahrung Weßling die
Amphibientunnel einer „Akzeptanz-Untersuchung“ unterworfen. Es wurde festgestellt, dass Frösche Tunnel gerne meiden. Eine „Akzeptanz-Untersuchung“ beim Starnberger B2-Tunnel wäre nur recht und billig, denn „auch der Mensch ist eine Kröte“ (nach Prof. B.
Winkler).“