Wow – so viel Arbeit machen sich Stadträte nicht immer, wenn es darum geht einen Antrag anderer Stadtratsfraktionen auf die lange Bank zu schieben. Bündnis-Mitte-Starnberg (BMS), die Fraktion, die die Bürgermeisterin stellt, hatte im Juni beantragt, darüber zu beschließen, dass die Stadt Starnberg eine Medaille für Starnberger Zivilcourage ins Leben ruft und künftig an verdiente Mitbürger verleiht (siehe BMS: Zivilcourage auszeichnen). Voraussetzung wäre gewesen, dass diese sich in herausragender Weise eingesetzt haben, um Menschen und/oder Tiere aus akuten Notlagen zu retten. Die Medaille hätte die Bürgermeisterin verliehen. Das Rathaus hatte vorgeschlagen, eine entsprechende Satzung zu erarbeiten, über die dann der Stadtrat hätte entscheiden müssen. Christine Lipovec (BMS) sagte im Ferienausschuss zur Begründung: „Es geht um Helden des Alltags, um ganz besondere Menschen und darum, das zu würdigen, was in Starnberg passiert.“ Auch andere Städte hätten sich eine solche Möglichkeit gegeben. Bei der Sportlerehrung würden zum Beispiel Leistungen auf mehreren Ebenen verdient gewürdigt. „Wir könnten so auch etwas kleinere, aber sehr couragierte Taten würdigen.“

Tim Weidner (SPD) hatte sich gründlich vorbereitet und zählte eine immens lange Liste verschiedener Ehrungen auf, die vom Freistaat Bayern und vom Bund für besondere Taten verliehen werden und ergänzte gleich: „Ich habe jetzt nur einen kleinen Teil vorgetragen.“ Von dem BMS wollte er wissen: „Was unterscheidet Ihren Vorschlag von diesen Medaillen? Welche Sachverhalte sind noch offen?“ Wenn man das dann wisse, müsse auf jeden Fall erst einmal intern in den Fraktionen über den Antrag beraten werden.

Bürgermeisterin Eva John verwies darauf, dass es auf allen Ebenen vorkomme, dass der Freistaat und die Kommunen Gleiches auszeichnen. Mit der hier beantragten Medaille könnten aber „spezielle Dinge“ gewürdigt werden, die bei den strengen Vorgaben des Freistaates bisher durchfielen. Der Stadtrat solle doch den Mut haben, besondere Ereignisse kommunal zu ehren – „weniger streng und der Situation angepasst“.

Angelika Kammerl (DPF) meinte: „Das Ansinnen ist ja ganz schön, aber wenn man Medaillen inflationär vergibt, nimmt ihr Wert ab.“ Außerdem sei eine Medaille vom Ministerpräsidenten mehr wert. Im Übrigen könnten die Fraktionen auch noch Vorschläge ausarbeiten.

„Erhebliche Bauchschmerzen“ meldete Gerd Weger (CSU) an, denn in der Regel leisteten nicht Einzelne, sondern mehrere gemeinsam als Team etwas Besonderes. Und wenn so etwas vorkomme, liege es in der Hand des Stadtrates, dies dem Ministerpräsidenten mitzuteilen. „Das wird dort sicher nicht übergangen“, so Weger. John sah kein Problem: „Die Stadt kann auch Mannschaften ehren.“

Martina Neubauer (Grüne) erinnerte daran, dass ein ähnlicher Antrag ihres Fraktionskollegen Peter Unger vom Kreistag auch abgelehnt worden sei. Sie verlangte von der Verwaltung für die Beratung in den Fraktionen eine Auflistung aller in Deutschland möglichen Ehrungen und der dazugehörigen Zugangsvoraussetzungen.

Die Bürgermeisterin sagte daraufhin, es sei besser gleich zu sagen, dass man den Antrag ablehnen wolle, bevor die Verwaltung sich die Arbeit macht. Darauf wollte aber niemand eingehen. Die Liste wurde einstimmig beschlossen. Einen Satzungsvorschlag gleich mit zu erstellen lehnte der Ferienausschuss dagegen mit 4:8 Stimmen ab.