Nachdem der Stadtrat die weitere Behandlung der Planung für eine ortsferne Umfahrung im Mai dieses Jahres in den Projektausschuss Verkehrsentwicklung verwiesen hatte (siehe Nächste Schritte für ortsferne Umfahrung), gab das Rathaus gestern Abend in der Sitzung dieses Ausschusses den Stand der Bearbeitung durch die Verwaltung bekannt und informierte über Ergebnisse zu den vom Stadtrat damals erteilten Aufgaben. So hat die Ermittlung der Grobkosten für die neue Straße zwischen der Kiesgrube an der Straße zwischen Hanfeld und dem Bahnhof Mühlthal sowie der Polizeistation bei Oberdill ergeben, dass diese brutto 51,1 Millionen Euro kosten würde, allerdings noch ohne den Aufwand für Grunderwerb (geschätzt laut Bürgermeisterin Eva John 1,5 Millionen Euro) und für die noch unbekannten ökologischen Ausgleichsmaßnahmen (Schätzung rund 7 Millionen Euro). Nicht eingerechnet wurden bisher auch die für die Untersuchung der Machbarkeit notwendigen Gutachten. John  sagte: „Stand heute rechnen Sie mit insgesamt mindestens 70 Millionen Euro. Bauen können wir nur in kommunaler Sonderbaulast, so dass die Stadt Starnberg etwa 30 Prozent der Kosten selbst tragen müsste.“ Das veranlasste Günther Picker (WPS) zu der Aussage: „Das kostet ein Drittel dessen, was der Tunnel kostet. Der Tunnel ist Verschwendung von Steuergeld.“

Aber der Auftrag, den der Stadtrat im Mai 2019 erteilt hatte, umfasste auch den Auftrag an die Verwaltung,  zu klären, ob sich der Freistaat grundsätzlich vorstellen kann, die vorgestellte Trasse oder alternative Trassen als Vorhabenträger zu verwirklichen? John wandte sich auftragsgemäß an das Staatliche Bauamt Weilheim und erhielt eine Antwort, in der die Behörde ihrer Verwunderung darüber Ausdruck verlieh, nochmals gefragt zu werden, obwohl doch schon 2017 gesagt worden sei, dass weder Bund noch Freistaat als Baulastträger in Frage kommen. Sollte die Stadt erwägen, die Umfahrung im Norden Starnbergs in kommunaler Sonderbaulast zu bauen, müssten die damals aufgezählten Untersuchungen als Vorbedingung durchgeführt und die Genehmigungsfähigkeit geprüft werden. Dazu gehörten die Machbarkeitsstudie was Naturschutz und FFH-Verträglichkeit angehe, ein Verkehrsgutachten, das die verkehrliche Notwendigkeit beziehungsweise den Bedarf der Maßnahme nachweise, und eine Machbarkeitsstudie hinsichtlich des notwendigen Anschlusses der neuen Umfahrung an die Autobahn A95 bei Oberdill.

Vom Starnberger Büro „Terrabiota“ war schon im März dieses Jahres die Betrachtung  der durch die Maßnahme erforderlichen naturräumlichen Eingriffe und Umweltauswirkungen dem Stadtrat vorgestellt worden. Es ist ein Grundstein für die Umweltverträglichkeitsstudie. Christian Ufer von Terrabiota machte im Ausschuss nun deutlich, dass die Studie nicht weiter bearbeitet werden könne, solange nicht die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (gesicherte Erkenntnisse über das Vorkommen einzelner geschützter Tierarten) und die hydrologische Untersuchung der Auswirkungen des Umfahrungsbaus auf die Würm abgeschlossen seien. Die Bürgermeisterin riet den Ausschussmitgliedern, Ufer zu folgen und dem Stadtrat, der am 11. November 2019 wieder tagt, zu empfehlen, die beiden Untersuchungen auszuschreiben und in Auftrag zu geben. Auf Christiane Falks (SPD) Frage, wie lange diese Studien in Anspruch nehmen würden, ergab sich, dass Ufer mit etwa einem Jahr rechnet, wenn der Auftrag heuer noch vor Weihnachten erteilt wird. Im besten Fall lägen im Frühjahr 2021 alle Unterlagen vor, die man bei den Behörden einreichen müsse, sagte er. Gegen die von John formulierte Empfehlung an den Stadtrat stimmte nur Annette von Czettritz (Grüne). Ihre Fraktionskollegen hatten die Untersuchungsschritte im Mai „gerade noch so“ befürwortet. Die Grünen gehörten am 20. Februar 2017 zu den Mehrheitsfraktionen, die den Beschluss „B2-Tunnel bauen – ortsferne Umfahrung planen“ durchgesetzt hatten (siehe Eine denkwürdige Sitzung).