Für einen Teil der Bewerber für eine Parzelle im Einheimischenmodell Am Wiesengrund ist es der Worst Case. Weil die Verwaltung bei der Vergabe der Punkte nach den Vergaberichtlinien der Stadt einem Bewerber versehentlich zehn Punkte zu wenig angerechnet hatte, sollen die Platzziffern 29 bis 69 nochmals neu ausgelost werden. Wer also schon sicher war, sein Häuschen auf dem Wiesengrund bauen zu können, muss nun bangen, im neuerlichen Losverfahren keinen Zuschlag mehr zu erhalten. Bisher nicht berücksichtigte Bewerber auf den Nachrückerplätzen bekommen dagegen die Chance, doch noch eines der insgesamt 51 zu vergebenden Baugrundstücke zu ergattern (siehe Wiesengrund: Rangliste steht fest). Ob das alles tatsächlich so kommt hängt vielleicht auch mit den Reaktionen der Betroffenen zusammen. Keine Auswirkungen hat der Fall für Bewerber, die dank höherer Punktsummen im August die Platzziffern 1 bis 28 zugesprochen bekommen hatten. Für sie sollen nach Auskunft von Bürgermeisterin Eva John in diesem Monat die Gespräche zur Auswahl einer konkreten Parzelle beginnen.

Statt der ihm zustehenden 75 Punkte hatte der fragliche Bewerber nur 65 angerechnet bekommen, was dazu führte, dass er in der im Ferienausschuss im August dieses Jahres öffentlich durchgeführten Auslosung der Platzziffern unter Bewerbern gleicher Punktzahl auf Platz 114 landete. Richtigerweise hätte er jedoch einen Platz zwischen 29 und 69 erhalten müssen. Als der Fehler bekannt wurde, entschied der Ferienausschuss des Stadtrates laut Mitteilung aus dem Rathaus nichtöffentlich für den betroffenen Bewerber einen Platz zwischen 29 und 68 neu auszulosen. Vorgenommen hat das ein Rechtsanwalt. Er zog die Nummer 58. Somit hatte der Betroffene nun zwar bessere Chancen nachzurücken, wenn Bewerber aus dem Feld der Ziffern 1 bis 51 abspringen sollten, war aber eben nicht einer der Glücklichen, die von Beginn an eine Parzelle zugesprochen bekamen. Sein Rechtsanwalt fordert nun eine Neuauslosung unter allen Bewerbern mit 75 Punkten.

Auch die Stadt habe sich anwaltlich beraten lassen und sei zu der Auffassung gelangt, „dass die durchgeführte Vorgehensweise zur Verletzung der Vergaberichtlinien und zur Verletzung des Gleichheitsgrundrechts führen kann“, heißt es in der gestrigen Information an die Presse. Das Rathaus habe deshalb Ende Oktober an alle Bewerber mit 75 Punkten die Darstellung des Sachverhalts und die schriftliche Aufforderung zur Stellungnahme versandt. Damit soll rechtliches Gehör gewährt werden, denn es ist beabsichtigt, die Vergabebescheide zurückzunehmen. Die Betroffenen hätten eine Frist von drei Wochen (bis 22. November 2019) für ihr Vorbringen. Dieses werde dann von einem Rechtsanwalt bewertet, bevor es zur Neuverlosung komme. Bürgermeisterin Eva John informierte gestern Abend im öffentlichen Teil der Haupt- und Finanzausschusssitzung über die Angelegenheit. Was danach im nichtöffentlichen Teil dazu beraten und entschieden wurde, ist nicht bekannt.

Unterdessen musste der zwar noch junge Bebauungsplan für das Einheimischenmodell Am Wiesengrund schon zum ersten Mal geändert werden. Hintergrund ist, dass Rechtssicherheit herrschen muss, wenn die Stadt mit der konkreten Vergabe der Parzellen an die künftigen Eigentümer beginnt, die wie berichtet kürzlich nach einem Punktesystem ausgewählt und zum Teil ausgelost worden sind. So hatte der Kreistag zugestimmt, eine bisher noch der Landschaftsschutzverordnung unterliegende Fläche aus dieser zu entlassen. Die Träger öffentlicher Belange und die Rathausverwaltung selbst hatten im Rahmen der erneuten öffentlichen Auslegung Konkretisierungen angeregt und Bürger, insbesondere aus den angrenzenden Wohngebieten, nochmals darauf gedrängt, dass das neue Wohngebiet über eine andere Verbindung als Jahnstraße und Am Waldspielplatz erschlossen wird. Über die Einwendungen hatte der Bauausschuss zu entscheiden, der danach den geänderten Bebauungsplan zur Satzung erklärte, womit Rechtskraft eintritt. Einzig Gerd Weger (CSU) stimmte dagegen.

Sechs Stellungnahmen kamen von Bürgern und hatten die Erschließung zum Inhalt. Hierzu hat der Stadtrat jedoch bereits Beschlüsse gefasst, an denen auch nichts geändert wird. Demzufolge ist vom Staatlichen Bauamt Weilheim zu prüfen, ob es eine Variante gibt, das neue Wohngebiet auf irgendeine Weise direkt an die Bundesstraße 2 anzuschließen, was Verkehr aus den angrenzenden Wohngebieten fern halten würde. Nach Mitteilung von Bürgermeisterin Eva John hat sich die Antwort aus Weilheim jedoch mehrmals verzögert. Zuerst sei sie der Stadt für den Sommer versprochen worden, dann für den Herbst und jetzt habe das Staatliche Bauamt mitgeteilt, dass die Prüfung weiter verschoben werde, weil andere Projekte vorrangig zu bearbeiten seien (siehe auch Einheimische vorerst nicht direkt zur B2 und Wiesengrund: Ampel am Waldspielplatz und “Nicht alle durch die Jahnstraße” und Jahnstraße Fall für Mobilitätsausschuss). Das Einheimischenmodell kann durch diese Verzögerung jedoch nicht aufgehalten werden, da die Fläche, auf der es entsteht, als erschlossen gilt.

Auf Anregung der Rathausverwaltung  wurde die geplante Nahwärmezentrale am südöstlichen Rand des Wohngebietes um bis zu vier Meter nach Westen verschoben, weil die Detailplanung das erforderte. Zur Angleichung der Baugrundstücke an die gerade im Bau befindlichen Erschließungsstraßen- und -wege erlaubt die Stadt nun Aufschüttungen und Abgrabungen bis zu 30 Zentimeter Höhe. Ergänzt wurde auch die dem Bebauungsplan beiliegende Planzeichnung um ein weiteres Haus vom Typ 2, bei dem, wie vom Stadtrat im Juni 2018 beschlossen, ein drittes Geschoss möglich sein soll. Statt der beschlossenen neun Häuser mit dieser Variante waren in der Zeichnung bisher nur acht entsprechend gekennzeichnet worden.