Angelika Kammerl (DPF) und Franz Heidinger (BLS) waren die Einzigen, die den dauerhaften Umbau der Kreuzung Josef-Jägerhuber-/Leutstettener-/Kaiser-Wilhelm-Straße nach wie vor vorwiegend negativ beurteilen und ihn deshalb in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Mobilität ablehnten. Alle anderen Ausschussmitglieder stimmten dafür. In der folgenden Bauausschusssitzung war auch Gerd Weger (CSU) Teil derer, die den Umbau ablehnten. Dem Bauausschuss des Stadtrates war empfohlen worden, die Maßnahme auf der Basis der aktuell vorgestellten Planung – versehen mit noch kleineren Änderungen, falls diese möglich sein sollten –  und unter Einbeziehung von Städtebaufördermitteln in Angriff zu nehmen. Damit bekommen Fußgänger und Radfahrer an dieser Kreuzung mehr Fläche auf den Gehwegecken, kürzere Wege beim Überqueren der Straßen, in Ost-West-Richtung und umgekehrt neue Zebrastreifen und eine deutlich bessere Übersicht über das Verkehrsgeschehen auf den Straßen. Die Mehrheit des Bauausschusses stimmt zu. Ein vom Rathaus eingeholtes Verkehrsgutachten hatte die positive Wirkung des ein Jahr lang untersuchten Provisoriums bestätigt (siehe Kammerl: “Bremse ziehen” und Probephasen laufen weiter).

Laut Stefanie Fritz vom Stadtbauamt bestätigt das Gutachten die Verbesserung der Verhältnisse für Fußgänger und Radfahrer und eine klarere Verkehrsführung. Zwei Pkw kämen problemlos aneinander vorbei, bei der Begegnung von Bus und Pkw müsse ein Fahrzeug warten, was aber auch schon vor dem Einbau der provisorisch verbreiterten Gehwege der Fall gewesen sei. Zur Verbesserung sei vorgeschlagen worden, die Kaiser-Wilhelm-Straße im Bereich der Brücke über den Georgenbach um 60 Zentimeter breiter zu machen und dort zu einer kleinen Grünfläche eine Sitzbank aufzustellen. Fritz berichtete von 14 Zuschriften von Bürgern an das Rathaus, von denen 13 die Veränderung postiv gesehen hätten. Beim endgültigen Umbau kämen nun noch die Zebrastreifen hinzu, wodurch die Ausbuchtungen an den Gehwegecken etwas geringer ausfallen könnten.

Martina Neubauer (Grüne) verlangte, die endgültige Planung nochmals dem STAgenda-Arbeitskreis Verkehr vorzustellen, der sich wie berichtet seit vielen Jahren mit Verbesserungen an dieser Kreuzung beschäftigt und eigene Vorschläge dazu eingereicht hatte. Christine Lipovec (BMS) wies darauf hin, dass die Veränderungen eine Stelle betreffen, an der es viel Fußgänger- und Fahrradverkehr gebe. Stefan Frey (CSU) meinte: „Ich finde die Planung nicht schlecht. Aber die Ausbuchtungen sollten noch auf ein vernünftiges Maß zurückgenommen werden. Dann können wir es uns bei einer Ortsbesichtigung noch einmal anschauen.“ Bürgermeisterin Eva John wies darauf hin, dass es im Juli bereits einen Ortstermin gegeben habe, weshalb alle Stadträte die Planung eigentlich kennen sollten. Frey hielt seinen Wunsch nach einem Termin vor Ort aber aufrecht. Der wurde vor der Bauausschusssitzung angesetzt und durchgeführt. Patrick Janik (UWG) wollte die beiden gegenüberliegenden Rundungen an den Gehwegen auf jeder Seite noch einmal um je 30 Zentimeter zurückgenommen haben: „Grundsätzlich geht die Planung in die richtige Richtung“, gestand er zu. Fritz hielt ihm entgegen, dass dadurch der Weg der Fußgänger bei der Straßenquerung wieder verlängert werde, sich für den Busfahrer aber nichts verbessere. Die Busfahrer sind übrigens befragt worden, wie sie mit dem Provisorium zurecht gekommen sind. Es gab nach Angaben des Bauamtes keine Vorfälle oder Beschwerden.

Ganz anders sahen das Kammerl und Heidinger. Kammerl äußerte grundsätzliche Bedenken, lehnte die Aufstellung einer Sitzbank an der Georgenbachbrücke – dort wo die Straße etwas breiter werden soll – rundweg ab: „Ich will keine Bank auf der Ostseite und keine Verkehrsbehinderung auf der Straße. Ich bin gegen den Kostenaufwand und halte das für überteuert. Auch fehlt ein Gesamtkonzept für die Innenstadt. Wir haben andere Projekte, wo wir das Geld nötiger brauchen.“ Heidinger: „Das macht keinen Sinn.“ Weger sagte im Bauausschuss: „Das sind Schikanen für Autofahrer, um Fußgänger in den Vorteil zu bringen.“ Man mache Starnberg für Leute, die auf das Auto angewiesen seien, so unattraktiv, dass sie anderswo zum Einkaufen führen. Christiane Falk (SPD) hielt ihm entgegen: „Autofreundlich ist nicht gleich einkaufsfreundlich.“ Und Josef Pfister (BMS) sagte: „Ich werde das Gefühl nicht los, dass einige alles nur schlecht reden wollen.“ Wenn Starnberg die Städtebaufördermittel nicht nehme, gingen diese wo anders hin. Günstiger könne die Stadt eine solche Verbesserung nie mehr ausführen.

Vor der Bauausschusssitzung hatte das Bauamt mit Hilfe von Markierungen auf dem Asphalt dargestellt, in welchen Bereichen es doch noch etwas schmalere Gehwege für vertretbar hielte. Die Kante der in die Fahrbahn hinein geschobenen Fußgängerwege im Bereich der Kreuzung konnten nun doch zu Gunsten des Straßenraumes um knapp einen Meter zurückversetzt werden. Auf die Sitzbank an der Georgenbachbrücke wurde verzichtet, was Iris Ziebart (FDP) mit Blick auf die Gestaltung des öffentlichen Raums schade fand. Bürgermeisterin Eva John vertröstete aber auf eine Zeit, in der die Brücke über den Bach insgesamt erneuert werden müsse. Dann könne das mitberücksichtigt werden. „Jetzt sollten wir die dafür nötigen 70000 Euro einsparen“, empfahl sie. Insgesamt werde der Umbau 500000 Euro kosten, wovon 60 Prozent mit Städtebaufördermitteln bezuschusst würden. Ludwig Jägerhuber (CSU) lobte, die Stadt leiste mit dieser Umgestaltung einen Beitrag zum jetzt schon dank der privaten Bauvorhaben positiveren Erscheinungsbild der Kaiser-Wilhelm-Straße.

Der angepasste Entwurfsplan wurde gebilligt und festgelegt, dass die Stadt die Absicht hat, auf dieser Grundlage die Maßnahme 2020 umzusetzen. Damit wurde Wünschen von Falk und Jägerhuber Rechnung getragen, dass es nur zur Realisierung kommt, wenn der städtische Haushalt gut genug ausgestattet ist. Die Verwaltung erhielt den Auftrag, die nächsten Leistungsphasen in Auftrag zu geben, die Arbeiten auszuschreiben und Fördermittel zu beantragen.