Gestern haben Wolfgang Ziebart und Markus Lehmann-Horn vom Aktionsbündnis „Rettet den Schlossgarten“ bei Bürgermeisterin Eva John 212 Unterschriften übergeben. Gesammelt worden sind sie im Umfeld des Schlossbergs. Ziel von Ziebart und Lehmann-Horn sowie der Unterschriftensammlung ist es, das Staatliche Bauamt Weilheim zu überzeugen, dass es sein Luftschadstoffgutachten zum B2-Tunnel neu rechnen lässt und dann aufgrund der erwarteten Erkenntnisse auf den Bau des Abluftkamins und des dafür notwendigen Betriebsgebäudes am Schlossberg zu verzichten.

Diverse Bemühungen in dieser Richtung sind schon gescheitert. Wie berichtet sieht die Weilheimer Behörde keine Notwendigkeit, das Gutachten zu korrigieren und die Mehrheit des Starnberger Stadtrates lehnt es generell ab, sich in dieser Angelegenheit zu engagieren (siehe “Abluftkamin unverzichtbar” und Abzug Brandrauch in der Stadtmitte? und Abluftkamin: Planung anpassen und Ratsmehrheit will den Abluftkamin). Ziebart wies noch einmal darauf hin, dass die ursprüngliche Tunnelplanung ohne diesen Kamin und das dazugehörige Betriebsgebäude ausgekommen ist. Beides wurde erst ergänzt, als 2002 Grenzwerte für die NO2-Belastung der Luft eingeführt wurden. Damals ging man von einer Eröffnung des Tunnels im Jahr 2010 aus. Zu dem Zeitpunkt  wären die Grenzwerte an den Tunnelportalen überschritten worden, weshalb das Lüftungsbauwerk in der Stadtmitte in die Planung eingefügt wurde.

Inzwischen ist die Rede von einer Tunneleröffnung im Jahr 2026. Das Staatliche Bauamt Weilheim hat jedoch ein Gutachten in Auftrag gegeben, dem ein Eröffnungsdatum im Jahr 2020 zugrunde gelegt wurde. Der Gutachter kam aber auch hier schon zu dem Fazit, dass Überschreitungen der Grenzwerte an den Portalen unwahrscheinlich sind, wenn die Planer zur ursprünglichen Längslüftung im Tunnel zurückkehren sollten. Ziebart und Lehnmann-Horn forderten bisher ohne Erfolg die Anpassung der Aussagen des Gutachters an das wirkliche Datum der Tunneleröffnung. Die Unterschriften sollen dieser Forderung aber nochmals Nachdruck verleihen. Denn es gehe um ein „gigantisches Bauwerk“ – ein Schacht 45 Meter tief, elf Meter Durchmesser sowie das unterirdische Maschinenhaus mit 45 Meter Länge, 12 Meter Breite und 6 Meter Höhe. Die Kosten schätzt die Initiative auf 30 bis 40 Millionen Euro und plädiert dafür, dieses Geld besser in Dinge zu stecken, die die Stadt wirklich braucht. Zum Beispiel für die Ausstattung der Feuerwehr, die für Aufgaben im Zusammenhang mit dem Tunnel noch gar nicht gerüstet sei. Bis 2026 rechne sogar das Umweltbundesamt mit einer weiteren Reduzierung der NO2-Belastung um nochmals 40 Prozent.

„Der Bestand an Altfahrzeugen, die hinsichtlich des NO2-Ausstoßes problematisch sind, sinkt in den nächsten Jahren kontinuierlich. 2026 ist das Problem vollständig erledigt“, sagte Ziebart. Auch sei es unrealistisch, dass im Tunnel Tempo 80 erlaubt werde, was dem Gutachter für seine Berechnungen so vorgegeben worden sei: „Annahmen, die völlig unsinnig sind.“ Weilheim wollte als Ergebnis wohl Aussagen, die belegten, dass man die Lüftungsanlage doch brauche. Lehmann-Horn berichtete, man habe der Behörde sogar angeboten, die Aktualisierung des Gutachtens aus eigener Tasche zu bezahlen, was aber ebenfalls abgelehnt worden sei. Seiner Ansicht nach, sticht das Argument, man brauche den Abluftkamin im Falle eines Brandes im Tunnel, ebenfalls nicht. Gutachter hätten ihm bestätigt, dass das Ausblasen des Rauches am Schlossberg die ungünstigste Stelle sei, weil dies die Stadtmitte mit vielen betroffenen Bewohnern ist.

Beide Initiatoren glauben, dass das Staatliche Bauamt Weilheim eine Umplanung verhindern will, obwohl inzwischen klar ist, dass schon aufgrund der Forderungen der Feuerwehr nach einem Aufzug in den Rettungsschächten und einer Brandlöschanlage im Tunnel sowie diversen Forderungen der STAgenda im Konzept „Lebendiges Starnberg“ (“Lebendiges Starnberg” ist das Ziel) ohnehin ein Planänderungsverfahren zu erwarten ist. „Da hätte man das gleich mit erledigen können“, sagte Ziebart, der glaubt, dass die Lüftungsanlage voraussichtlich nie betrieben wird. Unterschriften habe seine Initiative gesammelt, damit die Bürger, insbesondere die, die von der gigantischen Baumaßnahme mit allen Folgen für ihre Wohnstraßen betroffen sein werden, später nicht sagen können, sie hätten das alles nicht gewusst. „Wenn die Bagger anrücken ist es zu spät“, so Ziebart. Lehmann-Horn sagte, wenn das Bauwerk wirklich sein müsse, dann müsse es sein. Doch die wichtigen Fragen würden einfach nicht geklärt. Dann stehe nach vierjähriger Bauzeit eine „Industrieruine“ am Schlossberg. Er kann nicht verstehen, warum nicht nach den reellen Werten gefragt wird. Beide sind der Ansicht, dass nur noch öffentlicher Druck etwas bewirken kann. Lehmann-Horn betont, er finde den Tunnel gut. Ziebart meint, das Weglassen des Lüftungsbauwerks könnte dem Tunnel zu mehr Akzeptanz verhelfen und Probleme mit dem schwierigen Untergrund vermeiden. „Aus meiner Sicht tut sich das Bauamt keinen Gefallen, wenn es weiter auf dem Bau besteht“, sagte er.

Wenn die Bürgermeisterin die Unterschriften an das Staatliche Bauamt Weilheim weiterleitet, dort aber kein Umdenken stattfindet, sehen die Initiatoren ihre Mittel ausgeschöpft, es sei denn, die Starnberger Bürger wollen sich nochmals einmischen. In der Bürgerversammlung könnte das Thema sein.