Im nächsten Schritt erhalten die Öffentlichkeit, die Behörden und die Träger öffentlicher Belange Gelegenheit, sich im Bebauungsplanverfahren für die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn äußern und Anregungen geben zu können. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung gegen die Stimmen von SPD, Grünen und Winfried Wobbe sowie Angelika Wahmke (beide UWG) beschlossen (20:6). Zuvor war der Antrag der Fraktion der Grünen, unterstützt von den selben, oben genannten Stadträten, mit 6:20 Stimmen abgelehnt worden. Sie hatten verlangt die Planungen zu stoppen und den beim Landkreis schon in Bearbeitung befindlichen Antrag auf Herausnahme der nötigen Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet „umgehend zurückzuziehen“.

Vor der Abstimmung war den Stadträten vom Vertreter des Büros „Koch + Partner Architekten Stadtplaner“ der Stand der Planung erläutert worden.  Er machte deutlich, dass man auf von der Politik geäußerte Kritik, zum Beispiel an den geplanten Höhen von Gebäuden, reagiert und diese reduziert habe (siehe Schorn: Mehrheit will keinen Stillstand und Schorn: Die Debatte und Schorn – wie es weiter geht). Und zwar sollen es nun nur noch maximal 20 statt bisher 25 Meter werden, was deutlich unterhalb der Höhe des umgebenden Waldes liegen wird. Der Planer kündigte an, dass der jetzige Stand des Masterplans „Campus Schorn“ einem Experten-Workshop vorgelegt werden soll, damit dieser ihn beurteilt. Das künftige Gewerbegebiet werde in auch vom Namen her unterschiedliche Quartiere unterteilt sein und maximal 3000 Arbeitsplätze bieten. Anspruch sei, eine hohe Wirtschaftlichkeit zu erreichen und den vorhandenen landschaftlichen Wert des Gebietes zu erhalten. Die Quartiere erhielten Größen zwischen 3000 und 12000 Quadratmeter und würden durch Gebäudeteile abgetrennt zu den Naturkanten. Bei der Energieversorgung wolle man innovativ denken. In vier Parkhäusern würden 1750 Parkplätze angeboten. Angelika Wahmke (UWG) regte an, stattdessen besser Tiefgaragen vorzusehen.

Martina Neubauer (Grüne) sprach ironisch gemeint von einem „sehr grünen Vortrag“. Tatsächlich gehe es aber um Flächenverbrauch, man holze ab, gefährde seltene Arten und den Wasserschutz. „Bei 3000 Arbeitsplätzen – was kommt da an Infrastruktur auf die Stadt zu?“, fragte sie und meinte, es sei besser, innerhalb der Stadt das vorhandene Gewerbegebiet zu überarbeiten. Gerd Weger (CSU) hält zwar zusätzliche Gewerbeflächen für nötig, will aber auch Raum für Handwerksbetriebe, die im Konzept noch fehlten. Auch müsse man Wohnraum mitplanen und prüfen, wo das möglich sei. Für Tim Weidner (SPD) macht schon das bestehende „Großgewerbegebiet Schorn“ Probleme, die Planung verschlimmere diese nur. Ludwig Jägerhuber (CSU) sah hingegen eine „verbesserte Planung“. Winfried Wobbe (UWG) bezeichnete sich als „fast Anlieger (Fercha)“ und schloss sich Weidner an. Die Verkehrsernschließung von Süden störe, weshalb man bessere Lösungen von Süden und Westen benötige. Günther Picker (WPS) dagegen befand: „Ein toller Entwurf. Wir werden zustimmen.“ Patrick Janik (UWG), der als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von CSU, UWG, SPD und BLS aufpassen muss, nicht zwischen allen Stühlen zu sitzen, meinte: „Das Projekt wird uns grundsätzlich gut tun. Aber die Bedenken der Anlieger hinsichtlich des Verkehrs muss man ernst nehmen.“ Franz Sengl (Grüne) monierte, es gebe keine Lösung hinsichtlich Wohnraum und Infrastruktur für das Verkehrsaufkommen. Jägerhuber plädierte dafür, angesichts des nun erreichten Stands der Planung ins öffentliche Bebauungsplanverfahren einzusteigen, damit die Bürger Gelegenheit zur Stellungnahme bekämen. Iris Ziebart (FDP) begrüßte die hochwertige Gewerbeentwicklung für Schon. So innovative Arbeitsplätze brauche die Stadt für die nächsten Jahrzehnte. Im Stadtgebiet selbst gebe es keine Chance so etwas zu bekommen. Auch Franz Heidinger (BLS) wollte Gewerbe „besser nach außen verlagern“. Die Stadt brauche Steuereinnahmen und es sei zugesagt, den Campus langsam zu entwickeln. „Echt verzweifelt“ äußerte sich dagegen Christiane Falk (SPD): „Unsere Jugend geht auf die Straße und wir betreiben dieses Projekt“, erinnerte sie an die „Fridays for Future“-Bewegung. „Dabei könnten wir die Hüttenwerke – das Gewerbegebiet an der Petersbrunner Straße entwickeln.“ Dieser Versuch war jedoch schon vor Jahren an den recht eigenwilligen Interessen der jeweiligen Grundstückseigentümer krachend gescheitert.