In der ersten Sitzung des Projektausschusses für Feuerwehr- und Rettungsdienstangelegenheiten ging es  unter anderem um den Wunsch der Feuerwehr, die seit rund 20 Jahren gesperrte Brücke im Maisinger-Bachtal auf der Verbindungsstraße zwischen Söcking und der Mozartstraße (Neusöcking) für schwere Feuerwehrfahrzeuge zu ertüchtigen und frei zu geben. Begründet wurde das damit, dass die Feuerwehr dann bei Einsätzen in Starnberg Süd, vor allem im Zusammenhang mit dem geplanten B2-Tunnel, der 2026 in Betrieb gehen soll, schneller vor Ort sein könne. Auch schon während dessen Bauzeit. Die dem Ausschuss angehörenden Stadträte äußerten sich überwiegend skeptisch und erteilten am Ende der Debatte Bürgermeisterin Eva John einstimmig (13:0) den Auftrag, im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Öffnung der Brücke prüfen zu lassen und über das Ergebnis dann den Ausschuss zu informieren.

Markus Mooser (WPS) übte zu Beginn der Sitzung Kritik: „Wir reden hier nicht über dringende Themen, zu denen jetzt Beschlüsse gefasst werden müssen.“ Erster Feuerwehrkommandant Markus Grasl, der die Befahrbarkeit der Brücke für unerlässlich hält, sprach dagegen von „Dingen, die seit 2018 in der Pipeline stecken.“ Er sei von der Verwaltung aufgefordert worden, für den Finanzplan 2021 bis 2023 seinen Bedarf anzumelden. Warum man jetzt über das Thema spreche, erläuterte die Bürgermeisterin: Bei den Gesprächen zum Sicherheitskonzept des Tunnels zwischen dem Staatlichen Bauamt Weilheim und den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS-Kräfte) sei die Brücke im Maisinger Bachtal Thema gewesen. Im Tal befänden sich aber die Trinkwasserbrunnen für die teilweise Versorgung der Stadt Starnberg. Es handele sich um ausgewiesene Wasserschutzzonen. Die Brücke sei vor etwa 20 Jahren zurückgebaut worden, nachdem sich Schäden an deren Widerlagern nicht ohne Eingriffe in die sogenannte Dichtschicht (Absperrschicht im Boden zwischen Oberflächen- und Grundwasser) hätten reparieren lassen. Diese Tatsache widerspreche auch einem Brückenneubau, der tiefer als die hier möglichen drei Meter gegründet werden müsste, ergänzte Josef Pfister (BMS), damals bereits Mitglied des Stadtrates  und des Werkausschusses. Ohne Einschaltung des Wasserwirtschaftsamtes lasse sich da gar nichts entscheiden, so Pfister, denn: „Die Wassergewinnung für Starnberg muss sicher bleiben.“ John will mit dem Landratsamt die rechtlichen Voraussetzungen für einen eventuellen Brückenneubau besprechen. Werde das Vorhaben für rechtlich möglich gehalten, könne eine Planung in Auftrag gegeben werden.

Gerd Weger (CSU) beurteilte es als „fatal“, die Brücke wieder zu öffnen. Die würde dann womöglich nicht nur die Feuerwehr nutzen. Solchen „Schleichverkehr“ wollte auch Christiane Falk (SPD) auf jeden Fall verhindert sehen. Angelika Kammerl (DPF) wunderte sich, dass das Landratsamt zur rechtlichen Prüfung beigezogen werde: „Die Stadtverwaltung ist ja sonst auch nicht so unselbständig. Außerdem weiß ich nicht, warum das so zäh läuft. Das hätte schon längst alles initiiert werden können.“ Klaus Huber (WPS) plädierte dafür abzuwägen zwischen den Interessen der Feuerwehr und der Gefährdung des Trinkwassers. Für Franz Sengl (Grüne) gibt es ein „absolutes Verbot in die Dichtschicht einzugreifen“. Er wies darauf hin, dass ein Neubau deshalb aufwändige technische Konstruktionen für eine neue Brücke erfordere, mit entsprechenden Kostenfolgen. Schließlich wiege ein Feuerwehr-Lkw 18 Tonnen. Weitere Probleme sieht Sengl in der geringen Breite der Straße zwischen Söcking und Neusöcking, die zudem beidseits stets heftig zugeparkt sei. Starnberg brauche die Brunnen im Maisinger Bachtal als zweites Standbein der Wasserversorgung, auch wenn Hauptlieferant der Brunnen in Mamhofen sei, so Sengl. Für Anton Wiesböck (FDP) kommt es „niemals in Frage die Dichtschicht zu durchbrechen“. Er interessierte sich dafür, wer denn die Kosten der Brücke tragen solle. John meinte, es sei noch zu früh, darüber zu reden. Mooser fragte, ob die Söckinger Feuerwehr überhaupt ein so schweres Fahrzeug im Einsatz habe. Er verstehe, dass es darum gehe, schnell am Einsatzort sein zu können, doch sei es bestimmt nicht so einfach über die schmale Straße und durch die Wohngebiete in Söcking und Neusöcking, noch dazu steil bergab, zu fahren. „Da sind Sie doch schneller über die neue Westumfahrung“, gab er zu bedenken. Seiner Ansicht ist es ohnehin nicht zielführend schon vor dem Vorliegen des von der Stadt in Auftrag gegebenen Feuerwehrbedarfsplans – Ergebnisse sind frühestens im nächsten Jahr zu erwarten – über die Brücke zu reden. Der Vorsitzende des Söckinger Feuerwehrvereins und CSU-Stadtrat Fritz Obermeier, hält es aber schon für bedeutend, dass die Einsatzkräfte im Ernstfall fünf Minuten sparen könnten, wenn die Brücke geöffnet werde.

Patrick Janik (UWG): „Mich wundert die Bedenkenträgerei, wenn wir nur über einen Prüfauftrag  reden.“ Man solle nicht „verzweifelt“ Probleme suchen, sondern diese Prüfung angehen. Grasl stellte klar: „Wir beraten den Stadtrat zu den Fragen des abwehrenden Brandschutzes. Wir müssen die Hilfsfrist (höchstens zehn Minuten) einhalten. Es geht um die Frage, ob die Feuerwehr Starnberg Einsätze in Neusöcking abdecken kann. Wir wollen eine fachliche Prüfung und auch eine Beratung durch das Staatliche Bauamt Weilheim.“ Wie berichtet hat die Starnberger Wehr mit Blick auf die in der Stadt vorherrschende Verkehrslage Probleme, den Süden zu erreichen und will deshalb Aufgaben auf Söcking übertragen (siehe Feuerwehr spricht Klartext).