Wenn auch noch der Stadtrat zustimmt, dann ist der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) nach langer Zeit (seit 2015) abgeschlossen. Der Projektausschuss Verkehrsentwicklung hat den noch ausstehenden Teil für den Fuß- und Radverkehr sowie den Öffentlichen Personennahverkehr nach der Präsentation durch das Ingenieurbüro SHP aus Hannover einstimmig zur Kenntnis genommen, den Bericht gebilligt und die Verwaltung beauftragt, den nun vollständigen VEP der Regierung von Oberbayern vorzulegen und somit die bewilligten Fördergelder zur Auszahlung abzurufen.

Eine Zusammenfassung  der Grundlagen für das künftige Mobilitätsmanagement gab Jörn Janssen von SHP. Man habe zwei Untersuchungen miteinander verglichen.  So sei der Anteil des Kfz-Verkehrs in Starnberg von 1989 bis 2011 von 62 auf 67 Prozent gestiegen, der Anteil des Radverkehrs im gleichen Zeitraum von 13 auf sieben Prozent gesunken, Fußverkehr und ÖPNV ungefähr gleich geblieben. Vor dem Hintergrund dieser negativen Entwicklung habe sein Büro für das Ziel 2030 nur moderate Zahlen prognostiziert. Es bleibe vorerst wohl so, dass jeder zweite Weg in Starnberg mit dem Auto genommen werde. Entsprechend laute das Ziel für 2030: 50 Prozent Kfz-Verkehr, 14 Prozent Rad-, 23 Prozent Fußverkehr und 13 Prozent ÖPNV-Nutzung.

Der VEP empfiehlt der Stadt eine konsequente Förderung der Nahmobilität und das behutsame Aufbauen von Widerständen für den Kfz-Verkehr. Das Auto solle nicht verteufelt, aber ein anderes Verkehrsverhalten gefördert werden, sagte Janssen.  Leitthemen könnten sein, den Straßenraum gleichberechtigt allen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung zu stellen, für hohe Verkehrssicherheit zu sorgen und für alle Verkehrsarten eine geeignete Infrastruktur bereit zu halten.

Sabrina Stieger von SHP stellte Ausgangslage und Ziele gegenüber. So müssten Gehwege attraktiv, breit und barrierefrei werden, sichere Querungsmöglichkeiten über Straßen angeboten und mehr Verkehrssicherheit geschaffen werden. Für den Radverkehr benötige Starnberg den Ausbau des Radwegenetzes inklusive alltagtauglicher Routen, deren kontinierliche Führung, mehr Abstellmöglichkeiten für Räder und Fahrradleihstationen. Im ÖPNV brauche es bessere Verknüpfungen, eine Aufwertung des Netzes und der Bahnhofsumfelder, Barrierefreiheit, engere Takte sowie einen Badebus im Sommer. Dem noch fehlenden Mobilitätsbewußtsein – es wird widerrechtlich auf Rad- und Gehwegen geparkt oder Fußgängern und Radfahrern kein Raum zugestanden – sollte eigentlich durch gegenseitige Rücksichtnahme als Mobilitätskultur der Garaus gemacht werden. Als Strategie könnte die Stadt eine Art Willkommenskultur für zu Fuß Gehende und Radfahrer entwickeln. SHP hat insgesamt 24 Steckbriefe entwickelt, die jeweils eine zu empfehlende Maßnahme aufzeigen, erklären und die Umsetzungsmöglichkeiten beleuchten. Zum Beispiel sollten die Perchastraße (schon beschlossen) und der Alte Berg Fahrradstraße werden. Am Bahnhof Nord könnte ein Fahrradparkhaus hilfreich sein, in der Stadt Service-Punkte mit Luftpumpen, Werkzeugangeboten, Schlauchautomaten und Ladesäulen für Pedelecs. Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete seien die Mobilitätskonzepte gleich mitzudenken, forderte Stieger.

Klaus Huber (WPS) kritisierte, dass beide Verkehrsreferenten – Klaus Rieskamp (DPF) und Stefan Frey (CSU) –  bei dieser Präsentation nicht anwesend seien und bat das im Protokoll festzuhalten. Anton Summer (BMS) wies darauf hin, dass gerade in den letzten Jahren schon viel verbessert worden sei. Christiane Falk (SPD) will Dinge, die leicht und schnell umsetzbar sind, in Angriff nehmen. Die Leiterin des STAgenda Arbeitskreises Verkehr sah in den Empfehlungen „viele Vorschläge, die wir schon seit 20 Jahren machen“. Die Umsetzung scheitere jedoch an der nicht vorhandenen Basis an Entscheidungen. Nur wenn die fielen, gebe es in Starnberg Veränderung. Das Bewusstsein müsse gefördert werden, dass es Alternativen zum Auto gebe. „Starnberger machen so viel Sport, da können sie auch mal eine Strecke mit dem Rad fahren“, schloss sie.