Wenn andere sich längst zur Ruhe gesetzt haben und das Leben um sich herum mehr beobachten als selbst noch aktiv zu werden, tut Günther Picker genau das Gegenteil. Er greift noch einmal an und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, wie ernsthaft er seine Ziele verfolgen wird. Der Chef der „Wählergemeinschaft pro Starnberg“, hervorgegangen aus der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“, feiert heute seinen 75. Geburtstag. Vor kurzem ließ er sich von seiner Gruppierung als Stadtratskandidat auf Platz 1 der WPS-Liste aufstellen, und machte damit deutlich, sich weiter um die Geschicke der Kreisstadt Starnberg kümmern zu wollen.

Seit 2008 ist Picker Mitglied des Stadtrates. Sechs Jahre unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger, dann die letzten sechs Jahre mit der von ihm unterstützten Bürgermeisterin Eva John haben ihn zum profunden Kenner der Starnberger Verhältnisse und hiesiger politischer sowie baulicher Projekte werden lassen. Der Rechtsanwalt ist einer der vier im Stadtrat vertretenen Juristen und nimmt dort meist eine diametral andere Haltung als seine Berufskollegen Otto Gaßner, Patrick Janik (beide UWG) und Stefan Frey (CSU) ein. Er ist gegen den Bau des B2-Tunnels, gegen die Gleisverlegung, die Gaßner 1987 für die Stadt mit der Bahn ausgehandelt hatte, gegen die zahlreichen Versuche, Bürgermeisterin Eva John in ihren Rechten zu beschränken, und er ist ihr ein treuer Unterstützer, wo die Mehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS nichts unversucht lässt, die Rathauschefin mittels Klageverfahren vor Verwaltungs- und Landgericht zu zerren, um ihre persönliche und berufliche Reputation in Frage zu stellen. Picker ist kein Leisetreter. Er nimmt für gewöhnlich kein Blatt vor den Mund, wenn er etwas zu sagen hat. Für so manche Fraktion ist er ein rotes Tuch, hält er diesen doch oft genug vor, rechtswidrige Beschlüsse zu fassen oder dringt auf namentliche Abstimmung, damit spätere Politikergenerationen noch nachlesen können, wer die Verantwortung für bestimmte Entwicklungen in Starnberg trägt.

Der in seinen Augen wohl größte Vertrauensbruch gegenüber den Wählern, aber auch gegenüber ihm, Picker selbst, war der Seitenwechsel, den die fünf Stadträte Klaus Rieskamp, Angelika Kammerl, Sieglinde Loesti, Angelika Wahmke und Johannes Bötsch vollzogen, als sie mit UWG und CSU am 20. Februar 2017 für den Bau des B2-Tunnels stimmten, obwohl sie als Tunnelgegner und Umfahrungsbefürworter in die Wahl gezogen waren. Mit Rieskamp war Picker bis dahin befreundet gewesen, Kammerl hatte er auf die WPS-Kandidatenliste für die Stadtratswahl 2014 und 2015 geholt, um ihr nach dem Tod ihres mit Picker befreundeten Ehemannes eine Perspektive zu geben, und Loesti konnte sich seiner Unterstützung sicher sein, weil sie stets versicherte, alles gegen den Tunnel und die Gleisverlegung unternehmen zu wollen. Die menschliche Enttäuschung über die ehemaligen Weggefährten sitzt bei Picker tief. Er sagt: „So etwas darf nie wieder passieren.“ Deshalb lässt er nicht nach, die nun wegen dieser neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat seiner eigenen Haltung zuwider laufenden Entwicklungen aufzuhalten zu versuchen, zumindest für die Bürger transparent zu machen und anzuprangern. Deutliche Worte scheut er dabei nicht. So erteilte ihm die Stadtratsmehrheit kürzlich wie berichtet eine Rüge, weil er Loesti öffentlich als „Judas“ bezeichnet hatte. Die Rüge nahm er hin. Ebenso hatte er es akzeptiert, als er vor einigen Jahren auf Betreiben von Stefan Frey nach vieljähriger Mitgliedschaft aus der CSU ausgeschlossen wurde, weil er auf einer anderen als der CSU-Liste, nämlich für die WPS gegen die Christsozialen kandidiert hatte. Dabei war es noch CSU-Übervater Franz-Josef Strauß gewesen, der Picker einstmals in die Partei geholt hatte.

Wertschätzung bezüglich seiner Lebensleistung erfahre er auch ohne das Parteibuch, ließ Picker durchblicken. Er ist 27 Jahre Geschäftsführendes Mitglied des Bayerischen Bankenverbandes gewesen, ausgezeichnet mit dem ihm von Edmund Stoiber verliehenen Bayerischen Verdienstorden. An der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg hielt er Vorlesungen zum Thema „Kunst und Recht“. Picker ist ein Familienmensch und verbringt gern gemeinsam mit seiner Frau Birgit Zeit mit seinen Kindern und den zahlreichen Enkelkindern. Die werden ihn an seinem besonderen Geburtstag sicher ordentlich feiern.