Gegen die Stimmen von Martina Neubauer (Grüne) und Winfried Wobbe (UWG)  empfiehlt der Haupt- und Finanzausschuss dem Stadtrat, der Einrichtung einer Sicherheitswacht im Stadtgebiet Starnberg zuzustimmen (11:2). Voraussetzung soll jedoch sein, dass die örtliche Polizeidienststelle dies ebenfalls befürwortet. Ihre Stellungnahme ist bis zur entscheidenden Ratssitzung noch einzuholen.

Der Vorstoß für die Einrichtung einer Sicherheitswacht kommt vom Freistaat Bayern. Er befürwortet das,  um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen. Die Polizei soll so unterstützt werden. Wer ehrenamtlich als Mitglied der Sicherheitswacht tätig sein will, muss einige Voraussetzungen erfüllen: Er oder sie sollten zwischen 18 und 62 Jahre alt sein, das Auswahlverfahren der Polizei durchlaufen, bei dieser 40 Unterrichtsstunden absolviert haben und zu jährlich vier Fortbildungsveranstaltungen bereit sein. Je geleistete ehrenamtliche Stunde steht ihnen eine Aufwandsentschädigung von 8 Euro zu, samt erforderlicher Ausrüstung für den Dienst. Der Stadt entstehen keine Kosten. Dennoch ist ein positiver Beschluss des Stadtrates Voraussetzung für die Einführung. Seit 2017 ist der zuvor bestellte kommunale Ordnungsdienst nicht mehr im Stadtgebiet unterwegs weil sich kein geeigneter Dienstleister für dieses Aufgabenspektrum hatte finden lassen. Bis dahin hatte sich die Stadt die Überwachung ihrer Grünanalgen, des Umfelds der beiden Bahnhöfe und der Seepromenade jährlich knapp 59000 Euro kosten lassen.

Mitglieder der Sicherheitswacht dürfen die Identität von Bürgern feststellen, Befragungen zu Vorfällen durchführen, personenbezogene Daten an die Polizei übermitteln und Platzverweise erteilen. Sämtliche Einsätze laufen unter Aufsicht und Kontrolle der örtlichen Polizeidienststelle.

Die Reaktionen unter den Stadträten fielen unterschiedlich aus. Michael Mignoli (BLS) wollte gleich die Bediensteten des städtischen Betriebshofes mit Sicherheitswachtaufgaben betrauen. Dieser Antrag wurde jedoch gegen seine Stimme abgelehnt. Winfried Wobbe (UWG) hatte Zweifel „ob das bei uns nötig ist?“ Er will die Stellungnahme der Polizei abwarten. Tim Weidner (SPD) hält den Landkreis Starnberg für einen der sichersten in ganz Bayern, glaubt aber auch, dass eine Sicherheitswacht vor Ort das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken und „den Müll im öffentlichen Raum reduzieren“ könnte. Dagegen steht Martina Neubauer (Grüne) der Einrichtung „sehr kritisch gegenüber“. Man solle nicht die Verantwortung jedes Einzelnen „an Leute mit gelber Weste abgeben“. Was junge Leute angeht, verwies sie auf die schon umgesetzte Entscheidung des Stadtrates einen Streetworker einzusetzen. Anton Wiesböck (FDP) hat das Gefühl, dass am Bürgerpark und an den beiden Bahnhöfen mehr Sicherheit nötig ist. Er fragte jedoch nach dem Personal der Sicherheitswacht: „Kommen da Rambos oder geschulte Leute für friedliches Zusammenleben?“ Patrick Janik (UWG) äußerte: „Ich habe ein Problem damit hoheitliche Befugnisse outzusourcen.“ Er tröstete sich damit, dass die Stadt ihre Zustimmung eventuell auch widerrufen könnte, wenn sie schlechte Erfahrungen mache. Ludwig Jägerhuber (CSU) zeigte sich „erstaunt, wie etwas von der Mücke zum Elefanten hochgepuscht wird“. Er forderte seine Kollegen auf, die Polizeiberichte zu lesen. Dann wisse man, dass es Defizite gebe und die Polizei Unterstützung an neuralgischen Punkten gebrauchen könnte. Außerdem seien die städtischen Satzung beschlossen worden, damit sie eingehalten werden, zum Beispiel, dass auf der Seepromenade zwischen Undosa-Unterführung und Seespitz nicht Fahrrad gefahren werden dürfe. Seine Fraktion werde sich deshalb für die Einführung der Sicherheitswacht einsetzen. Auch Christine Lipovec (BMS) sieht „an vielen Stellen Bedarf“. Man solle es ausprobieren und dem ganzen eine Chance geben. Der positive Beschluss könne ja unter dem Vorbehalt der Stellungnahme der Polizei gefasst werden, was dann einstimmig so auch geschah. Markus Mooser (WPS) warnte: „Nicht immer gleich alles negativ belegen. Es soll ja keine zweite Polizei entstehen, sondern eine ehrenamtliche Hilfestellung für die Bevölkerung.“ Er forderte die Kollegen auf, „nicht gleich an eine zweite Art von Schwarzen Sheriffs zu denken“. Vielmehr wolle man nur Gutes tun. Er selbst halte das Wort „Sicherheitswacht“ allerdings „für etwas unglücklich“. Trotzdem sei an der Einrichtung an sich nichts verkehrt, zum Beispiel wenn an einem schönen Wochenende zehntausende Menschen im Stadtgebiet unterwegs seien.