Wieder einmal große Aufregung in den sozialen Medien. Oh, mein Gott, ein neuer Kreisverkehr ist auf dem Bahnhofsplatz/Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße entstanden! Und er war nicht vorher angekündigt. Ein Starnberger Fahrlehrer und eine Rechtsanwältin befeuern die Diskussion mit immer neuen Beiträgen und Fotos. Was ist aber eigentlich passiert?

An der Einmündung der Kaiser-Wilhelm-Straße in den Bahnhofsplatz hat der städtische Betriebshof die dortige kleine Grüninsel  und ein Teilstück der Leitplanke beseitigt. So entstand ausreichend Platz für die Markierung eines Kreisverkehrs, der laut Rathaus ab sofort einen Missstand beseitigen soll. Es sind nicht nur die Busse, die hier ihre Park- und Haltebuchten am Bahnhofsplatz anfahren, und, wenn sie  wieder abfahren wollen, teilweise hier wenden mussten. Viele Autofahrer sind in diesem Bereich auf der Suche nach einem Parkplatz, teils in der Verlängerung des Bahnhofsplatzes nach Osten, teils auf der inzwischen neu geordneten Parkplatzfläche am Bahnhof See. Dazu kommt jede Menge Durchgangsverkehr, der entweder von der Seeuferstraße Richtung Münchner Straße will oder umgekehrt,  und sich dabei den Stau auf der B2 sparen möchte. Nach den Zahlen zum Verkehrsentwicklungsplan des Hannoveraner Ingenierbüros SHP tummeln sich hier 10000 Kfz pro Tag.

Andererseits gibt es schon lange den Wunsch der Grünen und auch das Konzept der STAgenda 21 – Arbeitskreis Verkehr, mit dem Titel „Lebendiges Starnberg“. Beide möchten den Bahnhofplatz verkehrsberuhigen, auf jeden Fall Durchgangsverkehr herausnehmen. Mit dem neuen Kreisverkehr könnten drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden sein. Er verlangsamt die Durchfahrt, die dadurch unattraktiver wird, gibt Bussen die Möglichkeit sicher zu wenden und leitet den Verkehr übersichtlicher als bisher zu den Zufahrten zu angrenzenden Straßen oder Parkplätzen. Doch wie immer ist in Starnberg  zunächst einmal großes Geschrei, sobald sich etwas verändert. Das Konzept der STAgenda 21 war übrigens vom Stadtrat ohne Gegenstimme angenommen worden. Darin heißt es: „Dem Bahnhofsplatz kommt im Rahmen der von uns vorgeschlagenen Verkehrsberuhigung und Aufwertung des Stadtzentrums besondere Bedeutung zu. Der Arbeitskreis beantragt, für diesen Bereich zeitnah den Ausbau einer barrierefreien Shared-Space-Zone in die Wege zu leiten.“ Der neue Kreisverkehr könnte als eines der nötigen Zugänge zu dieser Zone gute Dienste leisten.

Das Rathaus hat heute am späten Nachmittag eine Pressemitteilung  herausgegeben:

„Der Bahnhof See ist ein zentraler Bestandteil der Angebote für die Nutzung des ÖPNV’s und für den Busverkehr, der durch die Lage am See und die Angebote der Staatlichen Seenschifffahrt bedient werden soll. Für alle Busse, besonders aber für die Buslinie 964 (Starnberg – Wieling), bestand bisher keine Möglichkeit im vorhandenen Straßenraum wenden zu können. Dies ist aber notwendig. Die bisherige „Notlösung“, nämlich das Drehen im Kreuzungsbereich zur Kaiser-Wilhelm-Straße mit Rückwärtsfahren konnte aus Verkehrssicherheitsgründen nicht mehr länger toleriert werden.

Um das Problem zu lösen, wurde der erforderliche Wendekreis mittels einer Kreisverkehrsanlage sichergestellt. Die bestmögliche Lage wurde in einem Fahrversuch mit ÖPNV-Bussen am 16.12.2019 festgelegt. An anderen Stellen im Verlauf der Bahnhofsstraße konnte der erforderliche Durchmesser für den großen Wendekreis eines Busses nicht realisiert werden. Der Fahrversuch, der auch von Reisebussen unternommen wurde, wurde in Begleitung des Verkehrssachbearbeiters der Polizei Starnberg durchgeführt. Nachdem sich die Planung als umsetzbar erwiesen hat, wurde sie noch vor Ort optimiert und ohne Beeinträchtigung des Verkehrsflusses am 16. und 17.12.2019 realisiert. Die ÖPNV-Stelle im Landratsamt, Frau Dr. Schwarzhuber, wurde im Vorfeld, zuletzt am 11.12.2019, über die Absicht informiert und begrüßte sie, da damit ein lange bestehendes Defizit behoben wurde.

Die Ein- und Ausfahrtssituation am provisorischen Parkplatz am Bahnhof See wurde ebenfalls klar strukturiert, sie ist ab sofort nur über die Asphaltfläche möglich. Für die neu geordnete Verkehrsführung mussten fünf Stellplätze weichen. Anstelle dessen werden zusätzliche Fahrradstellplätze und drei Stellplätze für behinderte Menschen ausgewiesen.

Da die Maßnahmen im Wesentlichen durch das Personal des Betriebshofes der Stadt Starnberg und mit vorhandenem Material umgesetzt wurden, sind keine betragsmäßig relevanten Zusatzkosten entstanden.

Einführung Parkraumbewirtschaftung

Die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses zur Parkgebührenverordnung vom 01.07.2019 ist in Umsetzung. Die erforderlichen Parkscheinautomaten wurden heute am Bahnhof See und am Bahnhof Nord installiert. Sie werden offiziell am 27.12.2019 in Betrieb genommen.

Beim Parkplatz am Bahnhof See gelten ab dann zwei Tarife. Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs erhalten ein vergünstigtes Ticket für 1 Euro pro Tag. Die Höchstparkdauer beträgt dabei 24 Stunden. Sonstige Nutzer des Parkplatzes zahlen für ein Ticket 1,50 Euro pro Stunde, wobei die Höchstparkdauer auf 4 Stunden beschränkt ist. Zwischen 18.00 Uhr und 6.30 Uhr kann der gesamte Parkplatz von Bewohnern bzw. Geschäftsleuten und Angestellten der angrenzenden Innenstadt kostenfrei genutzt werden, wenn sie einen Bewohnerparkausweis bzw. eine Ausnahmegenehmigung in ihr Fahrzeug legen.

Das Parkhaus am Bahnhof Nord steht ab 27.12.2019 ausschließlich Nutzern des öffentlichen Personennahverkehrs zur Verfügung. Die Parkgebühren belaufen sich auf 50 Cent pro Tag. Das Parken ist dort für einen längeren Zeitraum von bis zu 14 Tagen möglich. Das Fahrzeug kann somit während einer längeren Dienstreise oder eines Urlaubs abgestellt werden, wenn Bus und Bahn genutzt werden.“