Feuerwehrkommandant Markus Grasl hat mit seinem Team ein Zukunftskonzept für die Freiwillige Feuerwehr Starnberg entwickelt und dieses Politik und Verwaltung sowie der Öffentlichkeit schon mehrfach vorgestellt (siehe Feuerwehr spricht Klartext). Er dringt darauf, dass jetzt schon Punkte vorgezogen entschieden werden. Erfolg hatte er im jüngst tagenden Projektausschuss für Feuerwehr- und Rettungsdienstangelegenheiten bei zwei Themen. Es sollen für eine Ausbildungsoffensive drei zusätzliche hauptamtliche Stellen bei der Stadtverwaltung geschaffen werden (9:4), wenn der Stadtrat dem zustimmen sollte. Und es sollen Planungen für die Stationierung eines Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF) und den Bau einer Bootshütte samt Feuerwehrbadeplatz am Strandbad aufgenommen werden (8:5), ebenfalls unter der Bedingung der Zustimmung des Stadtrates. Über die weiter beantragte Fusion zwischen dem städtischen Betriebshof und den vier bei der Stadt hauptamtlich beschäftigten Gerätewarten der Feuerwehr, sowie dort dann freiwillig in Bereitschaft für Einsätze stehenden Betriebshofbediensteten, sowie über den Wunsch, die Berufsschule solle den Lehrsaal im Starnberger Gerätehaus nicht mehr nutzen dürfen, damit er uneingeschränkt für Feuerwehrausbildung zur Verfügung steht, wurde noch nicht entschieden. Franz Heidinger (BLS) erhielt einstimmig Unterstützung für seinen Antrag, zunächst eine Ortsbesichtigung im Feuerwehrhaus und beim Betriebshof durchzuführen.

Sollten die Gerätewarte umziehen müssen, zöge das laut Stadtverwaltung zusätzliche Bauten für Garagen und eine Schlauchtrocknungsanlage am Betriebshof nach sich. Ob die Betriebshofmitarbeiter tatsächlich schnell für Einsätze zur Verfügung stünden wird mit einem Fragezeichen versehen, denn sie sind tagsüber nicht am Betriebshof, sondern im ganzen Stadtgebiet tätig. Die Verwaltung ist deshalb der Ansicht, solche Entscheidungen würden dem Ergebnis des erst noch abzuwartenden Feuerwehrbedarfsplans hinsichtlich technischer und personeller Ausstattung vorgreifen, was nicht zu empfehlen sei. CSU-Stadtrat Gerd Weger  verlangte, den Punkt gleich komplett zu vertagen, erhielt aber keine Mehrheit dafür. Vor allem Patrick Janik (UWG) intervenierte: „Wir haben schon jetzt ein Zeitproblem“, sagte er mit Blick auf das Fertigstellungsdatum des geplanten B2-Tunnels in 2026. Man dürfe nicht alles hinten anstellen. Die Entscheidungen könnten bereits jetzt vorbereitet werden, um sie dann freizugeben, wenn der Feuerwehrbedarfsplan vorliege.  Auch Franz Heidinger (BLS) riet: „Zügig nach vorn arbeiten. Das Ausbildungsprogramm sei vordringlich umzusetzen. Bis zur Tunneleröffnung benötige Starnberg „eine einigermaßen schlagkräftige Mannschaft“. Markus Mooser (WPS) bat die Feuerwehr zunächst die Kosten aufzulisten, die die Verlegungen zum Betriebshof und der Umzug der derzeit im Gerätehaus in der Rheinlandstraße vorgehaltenen technischen Einrichtungen bedeuten würde.

Grasl verteidigte das mit allen Ehrenamtlichen besprochene Zukunftsprogramm. Er sah sich und sein Konzept nur deshalb in Bedrängnis, weil der Stadtrat sich uneinig sei in der Frage, ob der B2-Tunnel nötig oder unnötig sei. Seit 2018 sei das Zukunftsprogramm der Feuerwehr bekannt, im städtischen Finanzplan für die nächsten Jahre habe es aber noch keinen Niederschlag gefunden. So gebe es auch noch keinerlei Pläne zum Neubau des Feuerwehrgerätehauses an anderer Stelle der Stadt. Was er aufgeschrieben habe, reiche für die Abbildung der notwendigen Projekte im Finanzplan der Stadt. Der Umzug von Feuerwehreinrichtungen zum Betriebshof verhelfe zur intelligenten Vernetzung. Er schlage vor, geeignete Objekte für Neubauten in Augenschein zu nehmen. FDP-Stadtrat Anton Wiesböck hielt Grasl entgegen: „Was ist denn dann noch am Gerätehaus in der Rheinlandstraße los, wenn die Einsatzkräfte wo anders stationiert sind?“ Angelika Kammerl (DPF): „Ich wundere mich über die Zaghaftigkeit und Zähigkeit hier. Nicht ständig alles schieben. Es gibt schon einen DPF-Antrag, ein passendes Grundstück für ein neues Feuerwehrgerätehaus zu suchen. Der wurde noch nicht im Stadtrat behandelt.“ Es sei verantwortunglos, die notwendigen Mittel nicht zur Verfügung zu stellen, meinte sie. Heidinger mahnte: „Das sind Pflichtaufgaben der Stadt.“

Bürgermeisterin Eva John sagte, sie werde die Empfehlungen des Ausschusses dem Stadtrat vorlegen. In der Bürgerversammlung ein paar Tage später stellte jedoch Anton Graf von der Feuerwehr Perchting den Antrag, keine Entscheidungen mehr zu treffen, bevor nicht der Feuerwehrbedarfsplan vorliegt. Die Versammlung nahm das mit Mehrheit an. Auch damit muss sich der Stadtrat nun auseinander setzen.