Insgesamt geht es in den nächsten Jahren um drei Grundstücke am südlichen Ende des Vogelanger. Die jeweiligen Eigentümer – in zwei Fällen die Familie eines Stadtrates der UWG – wollen erheblich mehr Baurecht, als jetzt dort verwirklicht (Vogelanger 17 und Schlossbergstraße 9) ist. Die Ansicht, insbesondere aus Richtung Dinard- und Weilheimer Straße Richtung Sankt Josef Kirche und Schloss würde sich dadurch gravierend verändern. Teile der Stützmauer entlang der Nordseite der Hauptstraße würden für Tiefgarageneinfahrten aufgebrochen. Die massiven Neubauten könnten nur schwer durch ansehbare Lärmschutzwände vor dem Verkehrslärm geschützt werden. Das war Tenor in den früheren Bauausschussberatungen in 2018 und 2019. In der jüngsten Stadtratssitzung – der Ausschuss hatte die Entscheidung auf den Stadtrat übertragen –  ging es vorerst um die Hausnummer Vogelanger 15. Eine Ortsbesichtigung war vorher durchgeführt worden. Was an dieser Stelle passiert und genehmigt wird, hat unweigerlich Auswirkungen auf die beiden nach Süden hin benachbarten Grundstücke, die der Familie Gaßner gehören (Schlossbergstraße 9 und Vogelanger 17). In der Vergangenheit hatte der Stadtrat auf Vorschlag der Bauverwaltung bereits einen Versuch unternommen, die Probleme durch Erlass eines Bebauungsplanes in den Griff zu bekommen. Am Ende war man sich aber nicht einig geworden und gab die Bauleitplanung im Januar 2019 wieder auf (siehe Überzogene Planung abgelehnt und Mehrheit will keinen Bebauungsplan). Auch jetzt ist alles blockiert, denn der Stadtrat hat bei Stimmengleichheit (14:14) sowohl einen neuen Versuch, einen Bebauungsplan weiterzuverfolgen, als auch die Erteilung des gemeindliche Einvernehmens für den leicht geänderten Bauantrag für Vogelanger 15 abgelehnt. Laut Bürgermeisterin Eva John muss nun das Landratsamt entscheiden. Ohnehin habe der Grundstückseigentümer schon Klage erhoben, teilte sie mit.

Stadtbaumeister Stephan Weinl nahm in der Sitzung nochmals Stellung zu diesem Bauantrag: „Statt des bisherigen Zeltdaches ist jetzt ein Walmdach geplant. Es sind aber immer noch fünf Geschosse. Besonderheit ist die noch oben drauf kommende Dachterrasse, so dass die Wandhöhe 12,50 Meter beträgt. Diese Höhenentwicklung und das Bauvolumen sehen wir nach wie vor kritisch. Der Vogelanger ist die zweite Stadtebene. Der Neubau käme massiv heraus.“ Er empfehle, den Bebauungsplan nochmals aufzugreifen, wenn auch als einfachen Bebauungsplan. Denn dann wäre die Frage des Lärmschutzes ein Problem der Baugenehmigung und nicht mehr der Stadt. Der Bauherr müsste selbst für gesunde Lebensbedingungen der Bewohner seines Hauses sorgen und diese dem Kreisbauamt nachweisen.

Ludwig Jägerhuber (CSU) sprach erneut von „problematischen Grundstücken“ am Vogelanger. Aber er würde sich mit dem Bauantrag anfreunden können: „Wenn wir nicht da verdichten, dann weiß ich wirklich nicht mehr wo dann.“ Jägerhuber sprach sich dafür aus, dem Bauantrag ohne Bebauungsplan das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. Auch Winfried Wobbe (UWG) sah „durchaus ein Einfügen“. Sein Fraktionskollege Patrick Janik schloss sich ebenfalls Jägerhuber an. Seiner Meinung nach würde die Stadt das Bauvorhaben mit einem Bebauungsplan unzulässigerweise verhindern. Angelika Kammerl (DPF) schloss sich ihren Vorrednern an.

Annette von Czettritz (Grüne), von Beruf Architektin, sprach dagegen von „einem Klotz von der Hauptstraße aus gesehen“. Gerd Weger (CSU) warb für eine andere Entscheidung: „Ein einfacher Bebauungsplan hilft uns. Das hier geplante Gebäude erschlägt für mich die Hauptstraße, denn es steht exponiert an dieser Stelle. Die Höhe macht mir wahnsinnig viel Bauchweh.“ „Nicht diese Masse. Das ist ja Wahnsinn“, klagte Sieglinde Loesti (DPF).

Iris Ziebart (FDP) sprach mahnende Worte: „Es ist ja schon heute ein ganz ordentliches Haus. Sie müssen die bebauten Grundflächen vergleichen, dann sehen Sie, dass mehr als das Doppelte der heutigen Fläche des Grundstücks bebaut werden soll. Ich muss ganz eindringlich davor warnen, in diesem Zusammenhang von einem Einfügen zu sprechen. Das fällt Ihnen auf die Füße, wenn Sie das so beschließen. Es wird eine der vielen Bausünden sein, die wir in Starnberg schon haben.“  Die Stadtkrone sei die Identifikationskrone der Stadt. Doch der Neubau werde deutlich vor der Kirche Sankt Josef zu stehen kommen. „Wenn Ihnen diese Sicht etwas wert ist, sollten Sie sich Ihre Entscheidung heute ganz gut überlegen“, so Ziebart. Grünes Licht für den Neubau gab es dann nicht, aber auch keines für die Weiterführung des Bebauungsplanes.