Bei einem Antrag unterlegen zu sein, kann die CSU-Stadtratsfraktion nicht akzeptieren, weshalb sie, unterstützt von neun anderen Stadträten der üblichen Mehrheit einen Nachprüfungsantrag für den Beschluss des Mobilitätsausschusses vom Oktober stellte. Der hatte beschlossen, dass – entgegen dem Antrag von Stefan Frey (CSU), die Bushaltestelle in Söcking Mitte an ihren alten Standort zurückzuverlegen – im Rahmen des Umbaus der Ortsmitte ein ganz neuer Standort gefunden werden soll (siehe Bushaltestelle nochmals verlegen?). Im Stadtrat erhielt Freys Antrag eine Mehrheit von 20:9 Stimmen für die Zurückverlegung. Er stimmte dann auch noch als Einziger gegen den Vorschlag der Verwaltung, bei Straßenumbaumaßnahmen für die Ortsmitte Söcking im Rahmen des Städtebauförderprogramms den „Neubau als barrierefreie und richtlinienkonforme Bushaltestelle“ als Anforderung zur Gestaltung des Straßenraums mit aufzunehmen. Bisher ist der alte Standort, an den das MVV-Schild nun auf Grund des Stadtratsvotums zurückversetzt wird, nämlich beides nicht – weder barrierefrei noch richtlinienkonform. Eine verkehrsrechtliche Anordung des Landratsamtes fehlt noch, weshalb der Stadtratsbeschluss bisher noch nicht umgesetzt werden konnte. Zudem gibt es laut Bürgermeisterin Eva John auch noch Schwierigkeiten mit der gültigen Bauleitplanung, die das Landratsamt gerade mit der Bauverwaltung des Landkreises zu klären versuche. „Es dauert noch einen Moment“, sagte John jetzt im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität. Der Stadtrat hatte eigentlich eine Frist bis Jahresende 2019 für die Zurückverlegung der Haltestelle vorgegeben.

In der Beschlussvorlage des Rathauses heißt es: „Die mit der Lage des Haltestellenmastes in der Parkbucht einhergehenden Defizite, wie fehlende Aufstellflächen für wartende Busgäste, die Lage im direkten Bereich der Lichtsignalanlage, die Ausbildung der Parkbucht als eine für Bushalte zu schmale  und zu kurze „Bus“-Bucht, die keine gerade Anfahrt ermöglicht, die oftmals zugeparkte Busbucht sowie die Tatsache, dass keine geeignete Bordsteinkante zum Einstieg vorhanden ist, lässt eine rechtskonforme Anordnung der Haltestelle nicht zu.“ Außerdem mahnt die Verwaltung, dass beim geplanten Umbau für den barrierefreien Zugang zur Kirche Sankt Stephan die Haltestelle aus dem Baustellenbereich herausgehalten werden sollte. Der Vorschlag des Rathauses lautete deshalb, mit den Söckingern einen geeigneten anderen Standort zu suchen.

Frey bestand aber darauf: „Unverzüglich zurück verlegen.“ Diesen Beschluss wolle er nicht verwässern lassen. Der Vorschlag der Verwaltung sei für ihn „noch eine große Wolke“, mit der er die Sache nicht in Zusammenhang bringen wolle, auf jeden Fall nicht mehr vor der Kommunalwahl. Am jetzigen Standort gebe es mehr Verkehrsgefährdung, einen zu schmalen Gehweg, es gebe Probleme für den eventuellen Winterdienst, und die Eigentumsverhältnisse seien nicht geklärt. Franz Heidinger (BLS) sprang ihm beiseite: „Die Gründe für die ursprüngliche Verlegung sehe ich als fadenscheinig an.“ Auf der Stadtratsliste seiner Gruppierung für die Kommunalwahl am 15. März 2020 kandidiert die Anliegerin, vor deren Grundstück die Stadt die Haltestelle neu eingerichtet hatte und die dagegen Sturm gelaufen war. Martina Neubauer (Grüne), deren Vorschlag die Mehrheit im Mobilitätsausschuss zuvor noch gefolgt war, unterstützte nun Freys Antrag ebenfalls. Sie sprach sich allerdings gleichzeitig für den Vorschlag aus, einen optimaleren Standort zu suchen.