Bei der Aufstellung des städtischen Haushaltes für 2020 ist der Stadtrat im Haupt- und Finanzausschuss einen deutlichen Schritt weiter gekommen. Die Ausschussmitglieder akzeptierten einstimmig die Liste der Projekte, die 2020 in Angriff genommen werden sollen, ebenso den Vorschlag der Stadtverwaltung, welche Vorhaben zeitlich noch geschoben werden können. Dadurch ist das Defizit im Vermögenshaushalt von 9,4 Millionen Euro auf 3,9 gesunken. In dieser Höhe wird nun eine Kreditaufnahme geplant. Auf dieser Basis sollen die Haushaltsberatungen fortgeführt werden. Für den Verwaltungshaushalt vertröstete Bürgermeisterin Eva John auf die nächste Ausschusssitzung.  Hier sei der Ausgleich der ursprünglich fehlenden 2,4 Millionen Euro sehr schwer, und es müsse hausintern weiter beraten werden (siehe Maßnahmenliste gefordert).

Beim Hochbau wird es bei der geplanten Sanierung der Turnhalle am Hirschanger (siehe Neue Heizung und Lüftung für Turnhalle) und bei der Grundstücksentwässerung am Gymnasium etwas länger dauern. Hier finden nun in diesem Jahr nur Planungen statt, die dann erst 2021 umgesetzt werden. Ebenfalls um ein Jahr vertagt wurde der Ausbau der Hanfelder Straße im Kreuzungsbereich mit der B2 (siehe Lückenschluss Gehweg Hanfelder Straße und Hanfelder Straße als Opfergabe) sowie der Ausbau des Gehwegs an der Lenbachstraße. Die Anschaffungen für den Fuhrpark des städtischen Betriebshofes wurden auf 450000 Euro gedeckelt.

Winfried Wobbe (UWG) wollte sich damit noch nicht zufrieden geben und verlangte, weitere schon beschlossene Projekte wie den Umbau der Kreuzung Innere Leutstettener-/ Josef-Jägerhuber-/Kaiser-Wilhelm-Straße zu vertagen. Die Bürgermeisterin erinnerte jedoch  einmal mehr daran, dass die Stadt für diese Maßnahme in bedeutendem Umfang staatliche Zuschüsse erhalte, die dann verloren gingen (siehe Kreuzung dauerhaft umbauen). Ihrer Ansicht nach ist die jetzige Planung für den Vermögenshaushalt „sehr ausgewogen“. Sorgen mache ihr eher der Verwaltungshaushalt, bei dem die Luft nach oben in den nächsten Jahren immer dünner werde, weil hier die zahlreichen Projekte des Landkreises bei der Bemessung der Kreisumlage oben drauf kämen und die Stadt wegen der wirtschaftlich guten Lage in den letzten Haushaltsjahren noch eine Zeit lang Umlagen aufgrund dieser  hohen Bemessungsgrundlage zahlen müsse.

Unzufrieden bleibt nach wie vor Angelika Kammerl (DPF): „Es kann nicht sein, dass wir weiter aus dem Vollen schöpfen.“ Kammerl tritt in der anstehenden Kommunalwahl am 15. März 2020 für die CSU an, die im Landkreis allen anderen Gruppierungen voran für die teuren Projekte wie beispielsweise die Erweiterung des Landratsamtes, der Bau des Gymnasiums in Herrsching und der Fachoberschule in Starnberg eintritt. Ihr Lieblingsthema ist zudem die Klage der Bahn gegen die Stadt Starnberg. Sie will deren Ergebnis jetzt schon berücksichtigt wissen, auch wenn – wie sie selbst sagte – das erst in fünf bis sechs Jahren relevant wird. Die Stadt müsse streichen, „auch wenn es weh tut“, so Kammerl. Sie empfahl, deshalb auf den barrierefreien Zugang zur Söckinger Kirche Sankt Stephan zu verzichten. Schließlich seien die Leute da auch bisher rein gekommen. „Es geht nicht, dass wir das Geld mit vollen Händen ausgeben. Verschieben ist keine seriöse Haushaltsplanung“, so Kammerls Fazit. Unterstützung bekam sie nicht.

Markus Mooser (WPS) bedankte sich stattdessen bei der Verwaltung für die gute Vorarbeit. Er sehe im diesjährigen Vermögenshaushalt keine „explosionsartige“ Steigerung und halte eine Unterdeckung von vier Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro für vertretbar. Denn in den letzten Jahren habe man im Haushalt stets mit einer Kreditaufnahme geplant, die dann aber gar nicht nötig geworden sei. „Ich spreche das magische Wort (Anm. d. Red.: „Bau des B2-Tunnels“) in dieser Sitzung nicht aus. Deshalb soll man auch nicht weiter einzelne Projekte streichen“, sagte Mooser (siehe Kommt Tunnel Stadt teuer zu stehen?).

Ludwig Jägerhuber (CSU) erinnerte daran, dass der Stadtrat es gewesen sei, der sich politisch für große Projekte wie die Sanierung der Musikschule oder des denkmalgeschützten Bahnhofs See entschieden habe. Dass für heuer Erlöse von rund acht Millionen Euro aus Grundstücksverkäufen eingeplant seien, um den Haushalt auszugleichen, zeige, dass man die Zukunft im Blick haben müsse. „Im Großen und Ganzen sehe ich für 2020 keine Einsparmöglichkeiten mehr. Sonst geht es ans Eingemachte“, warnte Jägerhuber. Und außerdem habe die Stadt schließlich bisher immer in einen ordentlichen Gegenwert investiert, und es sei Beschlusslage des Stadtrates gewesen, zuerst die Rücklagen zu verbrauchen, bevor für diese Strafzinsen gezahlt werden müssen. Aber die Stagnation der Gewerbesteuereinnahmen müsse bedacht werden. Das unterstrich auch die Bürgermeisterin, vor allem mit Blick auf die steigende Kreisumlage.