„Ein besonders schönes Projekt“ kündigte Bürgermeisterin Eva John zu Beginn der Bauausschusssitzung an. Es ging um die Pläne der Familie Houdek und der mit ihnen an einem Strang ziehenden Nachbargrundstückseigentümer für das Projekt „moosaik“ (siehe Gewerbegebiet Nord: Ein Stück Zukunft). Der Ausschuss bekam erstmals Gelegenheit öffentlich darüber zu beraten. Damit es Realität werden kann muss im ersten Schritt der noch gültige Bebauungsplan für den Teilbereich im Starnberger Gewerbegebiet zwischen B2, Moosstraße und dem Moos nördlich der Petersbrunner Straße geändert werden. Für die neue Bauleitplanung legten die Stadträte einstimmig zahlreiche Ziele fest.

John war noch nicht festgelegt, ob es ein ganz neuer Bebauungsplan oder eine Änderung des bisherigen werden soll. „Je nachdem, wie wir am besten voran kommen“, sagte sie an die Adresse der anwesenden beteiligten Grundeigentümer. Rudolf Houdek warf das Wort „Angebotsbebauungsplan“ in den Raum. Dieses Instrument setzt voraus, dass neben den Interessen des privaten Investors auch Interessen der Stadt verfolgt werden.

Architekt Klaus Kehrbaum führte nochmals kurz in die Eckpunkte des geplanten Projektes „moosaik“ ein, das dem Stadtrat bereits einmal in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt worden war. Zuvor hatte sich Rudolf Houdek bei Bürgermeisterin, Verwaltung und Stadtrat für die bisherige Begleitung und Unterstüzung zur Entstehung der jetzigen Pläne bedankt. Die heutige „Industriebrache“ – so Kehrbaum, solle in ein ganz neues Stadtquartier verwandelt werden, mit gemischter Nutzung und tatsächlich mit der Stadt verbunden. Kehrbaum lenkte den Blick darauf, dass das gesamte Erdgeschoss im Plangebiet autofrei sein solle, was Freiräume schaffe. Baumaterialien würden in Holz, Recycling-Beton und CO2-neutral bevorzugt, die Souterrainbereiche über Lichthöfe zu erlebbaren Ebenen gemacht. Der geplante Steg, der das neue Stadtquartier über die Bundesstraße hinweg barrierefrei mit den Wegen zum See und zur Stadt verbinde zeige, dass es kein „08/15-Projekt“ werden soll. Berücksichtigt würden die Wünsche nach Kombinationen aus Wohnen, Arbeiten, Freiräumen, Energiesparen, Kinderspielplätzen, einem Ort der kurzen Wege und nach alternativer Mobilität. Platz sei für Betriebe „vom Handwerk bis zu Hightech“. Heute bestehende Betriebe könnten im Quartier bleiben, auch wenn sie eventuell auf andere Flächen umziehen müssten. Geboten werden solle „alles was die Stadt stärkt“: ein Hotel, kulturelle Einrichtungen, Raum für die Feuerwehr und das Rote Kreuz, Kinderbetreuung und mehr. Das Konzept stehe noch am Anfang. Ein mit Hilfe einer Drohne aufgenommener Film über das heutige Quartier, und im Vergleich dazu das digital bearbeitete künftige Aussehen dieses Bereiches sollte den Stadträten die zu erwartenden Veränderungen zum Guten augenscheinlich machen. In der Mitte eine multifunktionale Halle mit Vorplatz und Wasserspielen, ein sternförmig angeordnetes Wegenetz mit direkter Verbindung zum See und zum im Norden angrenzenden Landschaftsschutzgebiet, den ab dem dritten Obergeschoss möglichen See- und Bergblick, kurz „die phantastische Lage“, so Kehrbaum.

Für Gerd Weger (CSU) „wert, darüber zu reden“. Er wolle „nicht zu viel Wasser in den Wein gießen“, aber hinsichtlich der Höhenentwicklung am Rand zur Natur habe er schon Bedenken. Es solle außerdem nicht zu viel Konkurrenz zur Innenstadt Starnbergs entstehen, und wenn Bäume auf Dächern geplant seien, habe er ein mulmiges Gefühl wenn er an Stürme denke. „Der nächste Schritt muss realistischer werden“, forderte Weger, der von John darauf hingewiesen wurde, dass man sich erst im Bauleitplanverfahren befinde, nicht schon beim Bauantrag.

Patrick Janik (UWG) sieht in dem Projekt „einen großen Wurf“. Um die Höhenentwicklung sei ihm nicht bange, die könne man in den Griff bekommen. Er sei „begeistert“ von dem Angebot. Christiane Falk (SPD) forderte die Eigentümer auf, zu verdeutlichen, dass sie an einem Strang ziehen. Johannes Bötsch (BLS) sprach von einem „tollen und gelungenen Entwurf“. Er regte an, dort auch Platz für die Volkshochschule zu suchen. Josef Pfister (BMS) erinnerte daran, dass die Firma Houdek schon 1963 eine bahnbrechende Entwicklung an gleicher Stelle angestoßen habe. Jetzt entstehe hier wieder „etwas Bahnbrechendes“. Iris Ziebart (FDP) lobte, man könne die Idee, gemeinsam mit den Nachbarn alles neu zu gestalten nicht genug hervorheben. Als „ausgesprochenen Glücksfall“ bezeichnete sie es, „dass es auch der Stadtrat komplett begrüßt“. Sie wünsche der Verwaltung, dass diese die anstehenden Aufgaben zügig bearbeiten kann. Ludwig Jägerhuber (CSU) denkt auch an Raum für „eine Art Musikschule“. Darüber hinaus sei ihm „äußerst wichtig“: „Wir dürfen klein strukturierte Gewerbebetriebe nicht zerstören. Es muss uns klar sein, dass keine unnötigen Konflikte mit dort noch produzierendem Gewerbe, wie zum Beispiel mit einer Lackiererei, die gerade neu entsteht, aufkommen dürfen.“ Angelika Kammerl (DPF) ermutigte die Investoren, die von den Vorrednern geäußerten Bedenken „nicht so ernst zu nehmen“. Sie sollten nicht so viele Kompromisse schließen, die den Entwurf nur verwässerten. Die Grünen sind laut deren Stadträtin Annette von Czettritz „in voller Breite“ dafür. So bekomme Starnberg doch noch Fußgängerzonen, wenn auch nicht in der Innenstadt.

Mit seinem einstimmigen Beschluss stellte der Bauausschuss die Änderung des gültigen Bebauungsplanes in Aussicht, vorausgesetzt es gelingt, sich auf die städtebaulichen Grundlagen und die formulierten Ziele zu einigen, die entsprechenden städtebaulichen Verträge abzuschließen, zum Beispiel zur Übernahme der Planungskosten durch die Investoren, sowie mit künftigen Nutzern und heutigen Eigentümern die Rahmendaten für die Bauleitplanung zu erarbeiten. „Besser geht es nicht“, freute sich Bürgermeisterin John über die Einigkeit, die Verwaltung lasse sich nun durch nichts aufhalten.