In der Bürgerversammlung am 25. November 2019 hatte  Anton Graf aus Perchting, selbst Feuerwehrmann, beantragt, dass die Stadt keine weiteren Investitionen für die Feuerwehr tätigt und dafür auch keine hauptamtlichen Stellen in ihrem Stellenplan ausweist, bevor der bereits in Auftrag gegebene Feuerwehrbedarfsplan vorliegt (siehe Viel Arbeit für Stadtrat und Verwaltung). Zur Begründung des Antrages war angegeben worden, dass zur Vermeidung von unnötigen Ausgaben das Ergebnis des Feuerwehrbedarfsplanes abgewartet werden muss. Dieser sei die Grundlage für bedarfsgerechte Entscheidungen. Aufgrund der Tatsache, dass der Auftrag bereits erteilt wurde und auch der Kommandant der Feuerwehr Starnberg diesen fordert, sei es nur konsequent diesen abzuwarten und jetzt keine Tatsachen zu schaffen, die dem Bedarfsplan vorgreifen und schlimmstenfalls widersprechen könnten. Über Anträge aus der Bürgerversammlung muss laut Gemeindeordnung innerhalb von drei Monaten der Stadtrat befinden. Es ging aber jetzt auch um die Empfehlungen, die der Ausschuss für Feuerwehrangelegenheiten des Stadtrates zuvor schon am 20. November 2019 empfohlen hatte (siehe Feuerwehr: 1. Schritte Richtung Zukunft? und Wertgutachten abwarten): Drei Stellen für hauptamtliche Ausbilder, den Kauf des ausgemusterten Feuerwehrbootes des Landkreises und das Zukunftskonzept Bootshütte.

Laut Beschlussvorlage aus dem Rathaus ging es um drei neue Stellen im feuerwehrtechnischen Dienst, die jährliche Personalkosten von rund 120000 Euro verursachen. Hinzu kommen je nach den persönlichen Verhältnissen des Eingestellten weitere Zuschüsse und Zulagen. Franz Sengl (Grüne) wollte dem so nicht zustimmen. Er verlangte einen Haushaltssperrvermerk, sollten die Stellen im Stellenplan der Stadt aufgenommen werden, der erst aufzuheben sei, wenn der Bedarfsplan bestätige, das sie nötig seien. Franz Heidinger (BLS), Referent für Feuerwehr und Rettungsdienst, sah das ganz anders. Die Ausbildung der Feuerwehrleute sei eine Pflichtaufgabe der Stadt. Es gelte diese auf Aufgaben wie sie nach der Inbetriebnahme des B2-Tunnels anstünden sowie für die Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn vorzubereiten. Die Ausbilder seien schon deshalb nötig, weil in Zukunft nicht nebenberuflich abends oder am Wochenende ausgebildet werden solle, sondern wesentlich familienfreundlicher in Blocks während der Arbeitswoche. Nach Auskunft des Staatlichen Bauamtes Weilheim solle der Tunnel in sechs Jahren fertig sein, erinnerte Heidinger. Gerd Weger (CSU) meldete dagegen persönliche Schwierigkeiten an, dem zuzustimmen, insbesondere, wenn es um eine neue Bootshütte auf dem Gelände des Strandbades gehe.

Der Erste Kommandant der Feuerwehr Starnberg, Markus Grasl, stellte einige Dinge noch einmal klar. Entgegen mancher Aussagen sei die hiesige Feuerwehr und nicht der Kreisbrandrat für die Ausbildung zuständig. Gespräche mit Besuchern der Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr hätten gezeigt, dass sich deshalb niemand für den Dienst melden wolle, weil die Frei- und Familienzeit heilig sei. Aber es gebe bereits einen Beschluss aus dem Jahr 2010, diese Stellen zu schaffen. „Warum also auf den Feuerwehrbedarfsplan warten?“, fragte Grasl. Aus dem Jahr 2015 gebe es einen Antrag der Vorgänger-Kommandanten, ein Feuerwehrboot ganzjährig in Starnberg vorzuhalten, um bei Bränden im Bereich des Seeufers von der Seeseite löschen helfen zu können. Grasl erinnerte an die Situation beim Brand im Münchner Yachtclub. Eine Bootshütte im Strandbad habe den Vorteil, dass Diensthabende während der einsatzfreien Zeit mit der Familie den See genießen könnten. Der Nepomukweg müsse für das Einsatzfahrzeug nicht extra ausgebaut werden, was Weger ins Spiel gebracht hatte. Die Bürgermeisterin beantwortete Fragen, wann mit der Vorlage des Bedarfsplans zu rechnen sei, mit „Viertes  Quartal 2020“.

Stefan Frey (CSU) betonte, er teile die positiven Beschlussempfehlungen des Rathauses. „Wir haben Einsätze am Ufer, brauchen deshalb ein Boot und die dazugehörige Bootshütte benötigt einen Standort.“ Das solle nicht geschoben werden, weil man bis zum Bedarfsplan nicht warten könne. Auch Otto Gaßner (UWG) wollte nicht warten. Die drei neuen Stellen seien Verstärkung für die Feuerwehr, wenn man sie zugleich für den Dienst verpflichte und Wohnraum anbiete. Patrick Janik (UWG) schloss sich ihm an. Das Boot solle die Stadt schnell kaufen, bevor es der Landkreis, der schon ein neues angeschafft habe, an andere verkaufe. Den Standort für die Bootshütte wollte Janik sich aber noch offen halten. Den sah Anton Wiesböck  (FDP) eher auf der großen Wiese in Percha. Drei neue Stellen – da solle man mit Vorsicht dran gehen, forderte er. Michael Mignoli (BLS) fand, es gebe genug Gründe, diesmal eine Ausnahme vom in der Bürgerversammlung artikulierten Willen zu machen, wenn das neue Personal multifunktional eingesetzt werde. Auf seine Frage, ob es ausgelastet sein werde, antwortete Grasl, es sei ausreichend Arbeit da, zum Beispiel in der Feuerbeschau, und das Ausbildungskonzept müsse auch erst noch erarbeitet werden.

Wasser in den Wein goss Markus Mooser (WPS). Jeder Stadtrat wolle zwar das Beste für die Feuerwehr, trotzdem müsse der Beschluss aus der Bürgerversammlung ernst genommen werden. Zudem sah er Uneinigkeit innerhalb der Feuerwehr und wies auf die noch vorhandene erhebliche Unterdeckung im Entwurf für den städtischen Verwaltungshaushalt hin. Dort hätten Stadträte darüber gejammert, wollten jetzt eine Woche später jedoch großzügig drei neue Stellen schaffen. „Der Feuerwehrbedarfsplan muss das klären“, verlangte Mooser. Außerdem habe der Bund noch nicht einmal entschieden, ob er für die von der Starnberger Wehr geforderten zusätzlichen  Brandschutzeinrichtungen im Tunnel bezahlen werde. Die Entscheidung über die Bootshütte und deren Standort habe noch keine Dringlichkeit. „Die auf dem Boot vorhandene Spritze ist ein Spielzeug und löscht keinen Hüttenbrand“, behauptete der WPS-Stadtrat. Bisher seien im Brandfall alle Bootshütten komplett abgebrannt. So ein Feuerwehrboot sei im Übrigen im Hafen der Seenschiffahrt schon wegen der dort vorhandenen Wassertiefe viel besser untergebracht. Dort könnte es ja auch mal brennen. „Nicht das Erholungsgebiet Strandbad strapazieren“, forderte Mooser. Christiane Falk (SPD) war sich dagegen sicher, dass der Feuerwehrbedarfsplan all diese Dinge als notwendig aufzählen werde. Für Josef Pfister (BMS) ist die Entscheidung der Bürgerversammlung „schon wichtig“. Andererseits habe der Feuerwehrausschuss mit 9:4 Stimmen für die Schaffung der Stellen votiert. Sein Vorschlag: „Eine Brücke bauen, und die neuen Stellen auf zwei Jahre befristet ausschreiben.“ Er gehe nicht davon aus, dass die im Bedarfsplan abgelehnt werden. Die insgesamt rund 20000 Euro für das Feuerwehrboot könne Starnberg sich leisten, zumal für die Feuerwehr. „Ich wehre mich nicht gegen die Hütte“, sagte Pfister, aber man solle Alternativstandorte suchen, denn wie bei der Ertüchtigung des alten Wasserparks zum Seebad könnten wieder Probleme mit der alten Ufermauer auftreten. Iris Ziebart (FDP) war sich nicht sicher, ob es wirtschaftlich und ökologisch vernünftig ist, ein so altes Boot, das künftigen Bedürfnissen in beiden Fällen nicht genügen werde, zu kaufen. Was die Stellen angehe, wäre ihr wohler, wenn der Bedarfsplan schon vorläge. Für die Bootshütte müssten Alternativstandorte gesucht werden, schon wegen der Ufermauer, warnte sie.

Gegen acht Stimmen beschloss der Stadtrat, dass die drei Stellen in den Stellenplan aufgenommen und ausgeschrieben werden. Den von Sengl beantragten Sperrvermerk lehnte die Mehrheit mit 11:16 Stimmen ab. Eine Abstimmung über eine Befristung der Stellen fand nicht statt. Das Boot zum vom Sachverständigen des Landkreises in einem Wertgutachten festgestellten Preis zu kaufen, es feuerwehrtechnisch neu auszurüsten und künftig in eigener Regie zu warten, war ebenfalls Mehrheitswille (23:4). Gegen zwei Stimmen war Wille des Rates, die Inhaber der neuen Stellen zum Feuerwehrdienst zu verpflichten und ihnen im Bedarfsfall Wohnmöglichkeiten anzubieten. Gegen fünf Stimmen fiel der Beschluss mit der Suche nach einem geeigneten Standort für die Bootshütte zu beginnen.