Die vier Kandidaten für das Amt des/der Bürgermeister(in)s haben sich gestern Abend von den Sprechern der noch existierenden STAgenda-Arbeitskreise befragen lassen. Laut Karin Wurzbacher (Energie  und Klimaschutz) sollte das Leitbild der STAgenda 21 „Global denken – lokal handeln“ Motto der Befragung sein, die Starnberger Bürgern eine Entscheidungshilfe für die am 15. März 2020 stattfindende Kommunalwahl geben sollte. In einer kurzen Runde stellten sich die vier Kandidaten vor: Eva John, die aktuelle Amtsinhaberin, tritt für Bündnis-Mitte-Starnberg (BMS) und die Wählergemeinschaft Pro Starnberg (WPS) an, Kerstin Täubner-Benicke für die Grünen, Patrick Janik, aktuell Stadtrat der UWG, bewirbt sich im Namen von CSU, UWG, SPD und Bürgerliste (BLS) sowie Marc Fiedler für die FDP. Der Kleine Saal der Schlossberghalle war voll besetzt. Überwiegend waren Parteigänger, amtierende Stadträte und solche die es werden wollen sowie Mitstreiter der STAgenda gekommen.

Die ersten Fragen stellte Irmgard Franken vom Arbeitskreis Verkehr. Sie wollte von den vier Kandidaten wissen, was sie im Falle ihrer Wahl tun würden, um die STAgenda überflüssig zu machen – weil hinsichtlich der Zukunft der Stadt Starnberg ohnehin schon nachhaltig genug gehandelt werde. John lehnte es ab, die Einrichtung, in der sich Bürger für ihre Stadt engagieren können und die sie als Bereicherung empfinde, überflüssig zu machen. Denn sie schätze das Engagement sehr und wolle weiter auf deren Rat bauen. Schließlich könne man sehr viel voneinander lernen. Auch Janik hält die STAgenda für „eine wunderbare Plattform, gute Ideen in den Stadtrat einzuspeisen“. Er habe kein Interesse das überflüssig zu machen, versicherte er. Täubner-Benicke fand, es sei an der Zeit, die zahlreichen in Schubläden schlummernden Konzepte rauszuholen, die es wert seien angepackt zu werden. Fiedler: „Ich hoffe, dass Sie uns immer wieder mit neuen Ideen nerven.“ Für Franken dies ein Anlass, dringend Verstärkung für die STAgenda-Arbeitskreise zu fordern, die seit etlichen Jahren vor sich hin dümpeln. Wirklich aktiv arbeiten derzeit nur die Arbeitskreise „Verkehr“ sowie „Energie und Klimaschutz“. Die nächste Frage Frankens richtete sich auf Ziele, die die Kandidaten bei der nächsten großen Ausschreibung der Leistungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vorgeben würden. Sie, Franken, sei der Ansicht, das sei ausbaufähig. Für Janik ist der ÖPNV „der Schlüssel“, um den Autoverkehr im Griff zu behalten. Statt nur großen sollten auch kleine Busse – je nach Nachfrage – eingesetzt, und natürlich alternative Antriebe eingeführt werden. Fiedler würde einen Elektrobus als Shuttle in der Innenstadt fahren lassen wollen, auch zu den Parkhäusern. Das dürfe die Stadt auch etwas kosten. John findet das Busfahren heute schon komfortabler als vor der letzten großen Ausschreibung 2012. Die Busse seien jetzt im Stadtbild sichtbar und machten auf die Fahrmöglichkeiten aufmerksam. In jährlichen Fahrplankonferenzen könne die Stadt beim für die Ausschreibung zuständigen Landratsamt Verbesserungen vorschlagen. Für die neuerliche Ausschreibung erhofft sie einen 2012 vergleichbaren „Quantensprung“. Täubner-Benicke will Busslinien weiter in Wohngebiete hineinfahren lassen, eine App schaffen, die die verschiedenen ÖPNV-Systeme verknüpft, und sie möchte eine Mobilitätsgarantie, die auch die Ortsteile zwischen 5 und 24 Uhr täglich anbindet. Eine weitere Million Euro dafür wäre für sie „gut angelegtes Geld“. Mit ihrer letzten Frage äußerte Franken ironisch die Vermutung, in Starnberg könne man am allerbesten Planen. Doch wie würde man es mit der  Umsetzung halten, zum Beispiel mit den Dingen, die im Integrierten Stadtentwicklungskonzept stünden? Während John Teile davon – wie zum Beispiel das Projekt „moosaik“ der Familie Houdek und den Umbau der Petersbrunner Straße – in Umsetzung sieht, will Fiedler die Innenstadt nach dem Muster der Maximilianstraße gestalten. Für Janik sind Konzepte „wichtig, aber nicht die Bibel, die andere Bauvorhaben verbietet.“ Täubner-Benicke möchte die Innenstadt attraktivieren, zum Beispiel durch die schnelle Realisierung des Einbahnstraßenkonzeptes aus dem Projekt der STAgenda Verkehr, „Lebendiges Starnberg“. Franken forderte alle Kandidaten und die Besucher auf, sich im Internet über bereits vorhandene Konzepte zu informieren.

„Wie gehen wir fair miteinander um, angesichts der Starnberger Verhältnisse?“, lautete die Frage von Barbara Pfaffinger von Arbeitskreis „Schule und Soziales“. In der kürzlichen Kandidatenbefragung des Starnberger Merkur sei das leider nur sehr kurz abgehandelt worden. Bürgermeisterin Eva John habe dort darauf verwiesen, dass 95 Prozent der Beschlüsse vom Stadtrat und seinen Gremien nahezu einstimmig gefasst worden seien. Trotzdem bezeichnete Pfaffinger das Verhältnis in Rat als höchst angespannt. Es gebe große Differenzen zwischen dem Stadtrat und der Stadtspitze, was auch die Bevölkerung spalte. „Wie empfanden Sie es selbst in dieser Atmosphäre zu arbeiten? Was muss der/die Bürgermeister(in) konkret tun, um schnellstmöglich ein anderes Klima zu bekommen?“, fragte sie weiter. Fiedler, der selbst noch nie Mitglied des Starnberger Rates war und auch kaum eine Sitzung besucht hat, meinte: „Mir geht es nicht gut mit dem Zustand. Vor allem die Außenwirkung ist katastrophal.“ Beifall aus dem Publikum. Mit der Vergangenheit müsse aufgeräumt, wieder Fraktionsvorsitzendenbesprechungen eingeführt, Stadträte rechtzeitig mit Informationen versorgt werden. Verwaltung und Stadtrat müssten zusammenarbeiten können, einer auf den anderen zugehen. Er würde einzelne Stadträte fragen, was sie gern anders hätten, sagte Fiedler. Täubner-Benicke gab unumwunden zu, bisher nicht im Stadtrat gewesen zu sein. Damit sei sie aber auch unbelastet und könne in eine Mediation hinein gehen. Sie will ebenfalls Fraktionsvorsitzendenbesprechungen, eine neue Geschäftsordnung und meinte: „Ich verspreche die auch einzuhalten.“ Damit transportierte sie Vorwürfe der aktuellen Stadtratsmehrheit gegenüber Amtsinhaberin Eva John, ohne deren Berechtigung zu belegen. Ins gleiche Horn stieß sie mit der Ankündigung, Sitzungszeiten für die ehrenamtlichen Stadträte familienfreundlich zu gestalten, und „Beschlüsse verlässlich“ umzusetzen. Für Janik war damit „das Wesentliche“ gesagt. Er betrieb etwas Presseschelte. Die Medien fänden die 95 Prozent-Einstimmigkeit eher langweilig und berichteten deshalb lieber über die fünf Prozent, bei denen der Stadtrat so ein Verhältnis wie von Pfaffinger geschildert abgebe. Dieses sei letztlich auf ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Rat und Bürgermeisterin zurückzuführen, die wahrheitsgemäße Auskünfte vermissen habe lassen. Belege Fehlanzeige. Sie würde auf Teambildung in einer Mediation setzen, sagte John, die die „unterschwellig in den Raum gestellten Vorwürfe“ ihr gegenüber und damit gegenüber der Rathausverwaltung zurückwies. Natürlich passierten Fehler, aber man müsse immer die Chance geben, Fehler zu beheben. 2017 hätten sich „Teile der Stadtrates“ dazu entschieden, sehr vorwurfsvoll mit der Bürgermeisterin umzugehen. Zur Erinnerung: Das war das Jahr, in dem im Februar völlig überraschend für Bürgermeisterin und Verwaltung der Doppelbeschluss „B2-Tunnel bauen – ortsferne Umfahrung planen“ auf den Tisch kam und mit Hilfe der fünf die Haltung wechselnden Stadträten mit Mehrheit beschlossen werden konnte, der Stadtrat mehrfach die Mitarbeit verweigerte, besonders Janik sich damit hervor tat, eine neue Geschäftsordnung zu entwerfen, die die Befugnisse der Bürgermeisterin drastisch einschränken sollte (Anm. d. Red.: Diese ist bis heute wegen Mängeln nicht in Kraft getreten) und Stadträte von CSU, UWG, Grünen und DPF Dauergäste bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt waren, um Beschwerden gegen John vorzubringen, was letztlich dazu dienen sollte, dass Landrat Karl Roth ein Disziplinarverfahren gegen John in Gang setzt, was später auch geschah. Es war das Jahr, indem es heftige Differenzen gab, wie mit den Verträgen zwischen Stadt und Bahn aus 1987 umzugehen sei. Davon sagte die Bürgermeisterin aber nichts. Vielmehr erinnerte sie daran, dass aus der Bürgerversammlung heraus eine Mediation zwischen ihr und dem Rat vorgeschlagen, diese zwar öffentlich beschlossen, nichtöffentlich jedoch abgelehnt worden sei. Dass für Letztgenanntes die Grüne, Martina Neubauer, verantwortlich zeichnete, sagte John auch nicht. Sie bedauerte diese Ablehnung nur und stellte fest, für die Presse seien kritische Sitzungen für Berichte eben interessanter. Im Stadtrat gebe es 30 verschiedene Persönlichkeiten, denen „meistens“ Respekt voreinander anzumerken sei. Aber es habe auch Ausrutscher gegeben, über die sie selbst „total traurig“ gewesen sei. Die könne man dann aber nicht rückgängig machen. Sie habe jedoch auch Beispiele eines positiven Umgangs erlebt, zum Beispiel mit Stefan Frey (CSU). „Ich kann nicht bestätigen, dass sich der Stadtrat vollständig blockiert hat“, sagte John. Verwundert zeigte sie sich über die in ihren Augen „persönliche Aussage“ von Fiedler, die sie nach der harmonischen Kandidatenrunde beim Starnberger Merkur irritiere. Fiedler hatte gesagt: „Es fängt immer bei einem selbst an, die Größe zu haben, zu sagen: Entschuldigung, ich habe etwas falsch gemacht.“ „Ich wusste nicht, dass sie ein solches Problem mit mir haben“, antwortete John. Für sie sei es am wichtigsten, verzeihen zu können. Das gebiete schon ihr Christsein. Hier legte Pfaffinger noch nach: „Das waren schon Vorwürfe an die Sitzungsleiterin der Ratssitzungen. Der Bürgermeister ist auch Chef der Verwaltung – im Fall von Starnberg von 350 Mitarbeitern. Aus „Medien und Stellenausschreibungen“ wisse sie, dass es beim Personal eine „heftige“ Fluktuation  gegeben habe. Viele aus der Kernverwaltung seien gegangen. „Läuft das was schief? Wie und was würden Sie tun für ein gutes Klima in der Verwaltung?“ Täubner-Benicke würde sich zuerst mal anschauen, wie es da ausschaut und dann ganz viel Dialog anbieten. Janik  stellte fest, dass die gegangenen beiden Kräfte – er nannte den Kämmerer und den Geschäftsleiter – heute wo anders den gleichen Job machten. „Der Leiter der Verwaltung, sprich Bürgermeister, müsse Kritik aushalten.“ Fiedler würde im Falle seiner Wahl hoffen, „möglichst viele kritische Mitarbeiter“ zu haben. Auf sie zugehen, zuhören und motivieren – das gehe aber nicht von heute auf morgen, helfe aber, „wieder qualifizierte Leute rein zu geben“. Das wollte John nicht auf ihrer Verwaltung sitzen lassen: „Wir haben eine sehr, sehr große Anzahl an absolut kompetenten Mitarbeitern. Eine Führungsaufgabe ist eine große Aufgabe. Wir haben eine leistungsfähige Verwaltung, in der top gearbeitet wird, und zwar im Interesse der Bürger, für die Lösunge gesucht würden.“ Natürlich leide die Stadt genauso unter dem Fachkräftemangel wie es ihn anderswo gebe, aber immer wieder gelinge es schnell gutes und qualifiziertes Personal neu zu gewinnen. „Jeder muss an seinem Arbeitsplatz glücklich sein. Wenn sich jemand aber wegentwickeln möchte, dann muss man das begleiten“, so John. Dem von Pfaffinger und Vorrednern gezeichneten Bild müsse sie widersprechen, könne sich aber, wie ihr Vorgänger im Amt des Rathauschefs, Pfaffingers Ehemann Ferdinand, bei Personalangelegenheiten nur beschränkt zu den genannten Mitarbeitern öffentlich äußern.

Helge Walter, früherer UWG-Stadtrat und derzeit einziges Mitglied im STAgenda-Arbeitskreis „Wirtschaft“, hatte etliche Fragen. Er wollte wissen, nach welchen Vorgaben die Größe der geplanten Erweiterung für das Gewerbegebiet in Schorn ermittelt worden sei. Janik wusste das nicht. So fragte Walter, ob schon Verträge mit der Eigentümergemeinschaft geschlossen worden seien, was er genauso gut seinen Gruppierungs-Kollegen, den früheren UWG-Stadtrat Jürgen Busse hätte fragen können, der diese Gemeinschaft heute anwaltschaftlich vertritt. John verwies auf die Planungshoheit der Stadt, die ein Bebauungsplanverfahren angestoßen habe, in dem auch die eventuelle Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutz geregelt werde, über die aber nicht die Stadt sondern der Kreistag entscheide. Die Abwägung der Anregungen aus der ersten Bürgerbeteiliung sei vom Stadtrat vertagt worden. Inzwischen habe die Eigentümergemeinschaft darum gebeten, ihre Sache bis nach der Kommunalwahl ruhen zu lassen. Bemerkung von Walter: „Ja, das glaube ich.“ Täubner-Benicke hofft, dass nach der Wahl der Stadtrat in Sachen Nachhaltigkeit eine andere Zusammensetzung aufweist. Für Fiedler ist es Frage, was wirtschaftlich ist. Seiner Ansicht nach braucht die Stadt das Projekt. Er wolle Landschaft aber nicht „um des Plattmachens willen platt machen“. Wie viel Gewerbesteuermehreinnahmen die Stadt denn aus Schorn erwarte, wollte Walter noch wissen, und wer die Projektkosten trage? „Das ist Sache der Eigentümer“ antwortete Janik. Zur Höhe der Steuereinnahmen könne er nur sagen: „Ohne das Gewerbegebiet wird es auf ewig keine Steuereinnahmen von dort geben.“ Auf lange Sicht sei es „gut zu gebrauchen“, zumal sich das Gewerbegebiet Starnberg Nord durch das Houdek-Projekt zu einem Bereich mit Wohnen wandele, wo dann keine Lärm produzierenden Betriebe mehr erlaubt seien. Für Täubner-Benicke ist das ganze Schornprojekt eine „Milchmädchenrechnung“, denn es ziehe Infrastrukturkosten der Stadt nach sich und Arbeitnehmer von anderswo nach Starnberg. „Die Schulen reichen heute schon nicht für die Zukunft“, entgegnete John. Selbst wenn die Eigentümergemeinschaft die Infrastrukturkosten auch noch übernähme, seien diese niedrig im Vergleich zu dem, was diese aus dem Projekt erzielen könnten. Ihrer Ansicht nach sei es richtig gewesen, das Bauleitplanverfahren in Gang zu setzen, es müsse aber mit aller Sorgfalt betrieben werden. Dann zeige sich auch, in welcher Größe es erforderlich und verträglich sei. Bis jetzt sei der volle Bedarf noch nicht nachgewiesen. Walter fragte nach interkommunaler Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Gewerbegebieten. Das betrifft laut John in erster Linie die Lösung der gemeinsamen Verkehrsprobleme mit Schäftlarn. Was wird, wenn es keinen Autobahnvollanschluss für das Projekt gibt, wollte Walter weiter wissen. Für Janik wäre das ein Ausschlusskriterium für die beabsichtigte Größe. Walter unterstellte, der Stadtentwicklungsplan, das Einzelhandelskonzept der Cima und mehr werde seit geraumer Zeit unter den Tisch fallen gelassen. Täubner-Benicke wartete sofort mit neuen Vorwürfen auf: Die Geschäftsleute wünschten sich, dass man mehr mit ihnen spreche und die Cima werde gar nicht mehr beachtet. John klärte dagegen über die unterschiedlichen Aufgagen von City-Initiative (Zusammenschluss der Starnberger Geschäftsleute) und Stadtmarketing (angesiedelt beim Rathaus) auf. Sie fragte ihre grüne Mitbewerberin, wie sie zu der Behauptung komme? Die blieb eine Antwort schuldig. Das Cima-Konzept werde immer beachtet und aktualisiert, so John. Bei Geschäftsvorhaben in der Stadt werde die Cima-München gefragt und der Stadtrat halte sich weitgehend an das Konzept. Es gebe aber auch unternehmerische Entscheidungen wie jüngst der Umzug der „Dm-Drogerie“ an die Weilheimer Straße, die die Politik nur akzeptieren könne.

Rolf Gottstein von Arbeitskreis „Natürliche Ressourcen“ fragte provokant: „Die Schaffung von Wohnraum und die Reduzierung von Bodenverbrauch. Wie ist das zu vereinbaren und wann ist genug Natur verbraucht?“ John sagte, man müsse eben sehr genau abwägen, welcher Eingriff vertretbar sei. Täubner-Benicke sieht Schorn als „Frischluftschneise“ für die Landeshauptstadt München und will Entwicklungen im Inneren denen im Außenbereich vorziehen. Janik hielt ihr sie belächelnd entgegen, die Frischluftschneise, das sei doch die Autobahn A 95. Innen vor Außen sei aber richtig, wenn es gehe. „Außen dann, wenn etwas in der Innenstadt nicht möglich ist.“ Hinsichtliche Schorn werde das Bauleitplanverfahren erst am Ende zeigen, was möglich ist. Fiedler schloss sich Janik an. Zuzug will er nicht begrenzen, denn das sei „Teil der Freiheit die wir haben“. Ob die Trinkwassergewinnung in Schorn höhere Bedeutung bekommen sollte, wenn die aktuellen Probebohrungen im Wildmoos bei Wangen scheiterten, wollte Gottstein wissen. Janik will abwägen, welcher Standort geeignet ist, John betonte, sie sehe das auch so, ihr sei aber ganz wichtig, „dass unser Wasser nicht aus der Hand gegeben wird“. Ob das Houdek-Projekt den Standort des Wertstoffhofes im Gewerbegebiet Nord in Gefahr bringe, fragte Gottstein.  Beschlusslage des Stadtrates sei es, dass er dort bleibe, sagte John, es gebe aber noch eine Vorratsfläche am Betriebshof an der Hanfelder Straße. Janik sieht vorher andere, dringlichere  Probleme zu lösen. Täubner-Benicke will den Standort nicht verändern, Fiedler vorerst auch nicht. Angesprochen wurden noch die Umstellung der Verwaltung von Papier auf Elektronische Aktenführung und das Fremdwasservermeidungskonzept beim Abwasserverband. Die Kandidaten antworten weitgehend ähnlich.

Karin Wurzbacher wollte wissen, was die Kandidaten tun würden, um die für 2035 terminierte Energiewende im Landkreis Starnberg doch noch zu erreichen. Fiedler würde Windräder auf den dafür schon festgelegten Flächen bauen, die Bürger an solchen Anlagen beteiligen und die Photovoltaik fördern. Das bringe ausreichend Energie, ist er überzeugt. Janik verwies auf die vielen kleinen Maßnahmen, die die Stadt schon ergriffen habe, zum Beispiel mit der Umrüstung der Beleuchtung auf LED, ebenso auf die beschlossenen Förderprogramme für private Bauherren und das STAgenda-Projekt, den für den B2-Tunnel erforderlichen Düker für Geothermie zu nutzen oder beim Einheimischenmodell Am Wiesengrund ein Blockheizkraftwerk einzuplanen. „Wir müssen deutlich einsparen“, mahnte Täubner-Benicke und zählte von ihr privat ergriffene Maßnahmen auf. Sie will andere Private beraten  und beim Thema Mobilität umsteuern. John appelierte an die Verantwortung jedes Einzelnen, etwas zur Energiewende beizutragen. „Weniger regulieren, besser unwiderstehliche Angebote machen“, sei ihr Credo. Zeigen, das der ÖPNV schicker sei, als mit dem Auto zu fahren, den eigenen Energiehunger auf Diät setzen. Die Stadt selbst könne bei ihren Immobilien weiter Vorbild sein. Windkraft sei der richtige Weg,  um noch Energie hinzuzugewinnen. Auch Janik hält Windkraft „auf lange Sicht“ für den richtigen Weg. Wie sie von der Wärmeerzeugung aus fossilen Energieträgern wegkommen wollten, fragte Wurzbacher weiter. Janik will den ÖPNV ausbauen und den Radverkehr fördern. Täubner-Benicke die Photovoltaikanlagen auf den Dächern, die Anschaffung von Elektroautos, den Austausch von Heizungen erreichen, und sie will dazu Anreize für die Bürger schaffen. John wurde keine Antwort abverlangt.

Erika Schalper, Sprecherin des Arbeitskreises „Umwelt und Bauen“, der ebenfalls seit dem Weggang von Schalpers Vorgängers dort, Carsten Münster, nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgefallen ist, fragte nach der „Identität Starnbergs“. Für Fiedler ist das der See, „leider auch unser Bahnhof“, der Alpenblick – das sehe alles nach Heimat aus. Was den Baustil angehe, sei er liberal. Der Bauherr dürfe selbst entscheiden. Für John liegt die Identität in den „wahnsinnig vielen interessanten Leuten“, ihrer Aufgeschlossenheit und ihrem respektvollen Umgang. Für Janik sind die Kirche Sankt Josef und das Finanzamt identitätsstiftend. Baulich lebe diese Identität von der Vielfalt. Er habe da eine liberale Auffassung, wolle nicht „Geschmacksbaupolizei“, sein. Aber eigentlich habe Starnberg keine direkte Identität, dachte er am Ende laut. „Jeder hat einen eigenen Zugang zur Identität“, findet Täubner-Benicke. In ihren Augen sei Starnberg ein „aus den Nähten geplatztes Fischerdorf“. Man müsse nachdenken, ob man Zuzug weiter zulassen wolle. Die dörflich geprägten Ortsteile wolle sie erhalten. „Soll man denkmalgeschützte Häuser verfallen lassen?“, fragte Schalper. Täubner-Benicke will an Eigentümer appellieren und Hilfen anbieten. Für Janik hat Denkmalschutz „nicht zwingend etwas mit hübsch“ zu tun. Er sieht für die Stadt eine Aufgabe in der Sanierung des Bayerischen Hofes. Das unterstützte Fiedler, der aber nicht die Stadt sondern einen privaten Investor als Bauherren sieht. Für John steht die Stadt in Sachen Denkmalschutz auf „relativ schwachem Posten“. Die Eigentümer seien in der Pflicht, aber es gehe nur mit Überzeugungsarbeit und im Guten. Auch Schalper fragte noch einmal nach dem Widerspruch, Wohnraumprobleme lösen zu müssen, ohne Landschaft zu verbrauchen. John sprach sich dafür aus, im Bestand wo möglich nachzuverdichten, diesen auf jeden Fall zu erhalten. Höher zu bauen schaffe nicht automatisch günstige Mieten, warnte sie. Für sie brauche es einen Mix aus Angeboten der Genossenschaft und von Privaten. Janik will durchaus „höher gehen“, hätte dies auch im Umfeld des Bahnhofs Nord für gut befunden. Ein städtischer Wohnungsbestand müsse aufgebaut und für private Bauherrn Möglichkeiten geschaffen werden. Täubner-Benicke will neues Bauland nur in Erbpacht ausweisen, die Trennung von Wohnen und Arbeiten auflösen und neue Wohnmodelle sowie flexible Grundrisse fördern. „Ohne die privaten Bauherren wird es nicht gehen“, meinte Fiedler. Houdek sei ein Paradebeispiel. So etwas sollte die Stadt mit schnellstmöglichen Genehmigungen unterstützen, ebenso die Genossenschaften. In den Ortsteilen dürfe es aber keinen Geschosswohnungsbau geben. Von Schalper gefragt, was man gegen den Zuzugsdruck machen wolle, äußerte Janik, darauf habe die Stadt nicht viel Einfluss, was seine Mitbewerber bestätigten.

Am Ende gab es noch zwei Fragen aus dem Publikum an die Bürgermeisterin, die diese beantwortete, weil es um den Straßenzustand ging. Wurzbacher gab des Ergebnis eines „Kandidaten/innen-Quizz“ bekannt. Dort waren den Bewerbern vier Fragen gestellt worden, die die STAgenda-Vertreter nach unbekannten Gesichtspunkten bewertet hatten. Die Besucher der Veranstaltung konnten nicht nachvollziehen, warum Janik neun, John 6, Täubner-Benicke 5 und Fiedler 4 Punkte erreicht hatten.

 

Kommentar:

Nie wieder kann die STAgenda 21 der Stadt Starnberg für sich reklamieren, neutral und überparteilich zu arbeiten. Dass sie genau das alles nicht ist, hat sie gestern Abend eindrücklich demonstriert. „Keine Frage-Antwort-Runde“, sondern ein „lebhaftes Gespräch zwischen den Bürgermeister-Kandidaten“ hatte Moderatorin und Fragestellerin Karin Wurzbacher dem voll besetzten Kleinen Saal der Schlossberghalle versprochen. Versprechen gebrochen! Der selbst gesetzte Zeitrahmen hetzte die Fragesteller der STAgenda Arbeitskreise durch ihre jeweiligen Fragenlisten. Reaktionen der Kandidaten auf Aussagen ihrer Vorredner waren kaum möglich. Ein lebhaftes Gespräch – Fehlanzeige. Aber das nur die organisatorischen Mängel.

Politische Neutralität? Auch hier: Fehlanzeige! Mit nur einer Ausnahme sind alle STAgenda-Arbeitskreissprecher an UWG oder Grüne gebunden, überwiegend sogar selbst Kandidaten für die anstehende Stadtratswahl. Barbara Pfaffinger ist die Ehefrau von Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger, aktuell Vorsitzender der UWG. Erika Schalper steht auf der Kreistagsliste der Grünen und ist die Frau des grünen Stadtratsmitglieds und -kandidaten Franz Sengl. Helge Walter kandidiert auf der UWG-Stadtratsliste, Karin Wurzbacher und Rolf Gottstein auf der Liste der Grünen, Gottstein als Ersatzkandidat. Nur Irmgard Franken gehört keiner Partei oder Gruppierung an. Sie ist Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz in Starnberg.

Barbara Pfaffinger, Sprecherin des Arbeitskreises Soziales und Schule, von dem schon seit Jahren keine Ideen mehr in die Stadtratsarbeit eingebracht wurden, erweckte mit Fragen und eigenen Feststellungen den Eindruck, als reduzierten sich soziale Probleme in Starnberg allein auf die Probleme, die Stadträte untereinander und mit der derzeitigen Bürgermeisterin Eva John zu haben glauben. Pfaffinger plauderte munter aus dem Nähkästchen der internen Rathausverwaltung und seiner Mitarbeiter, was schlichtweg nicht Thema der STAgenda ist. Bezeichnend, dass der Altbürgermeister mit seiner ehemaligen Chefsekretärin – die einige Jahre auch noch die Chefsekretärin von John gewesen ist – im Publikum heftig tuschelten.

Überhaupt – das Publikum. Waren da wirklich Starnberger Bürger gekommen, um sich ein Bild über die Bürgermeister-Kandidaten zu machen? Zum überwiegenden Teil saßen Stadtrats-Kandidaten aller Parteien und Gruppierungen im Saal, die sich ihre Meinung naturgemäß längst gebildet haben. Noch nicht festgelegten Starnbergern wäre es nämlich niemals eingefallen, hämisches Gelächter anzustimmen, als John sagte, für sie sei es das Wichtigste verzeihen zu können. Das gehöre zu ihrem Christsein. Starnbergern ohne politische Bindung wäre es auch nicht eingefallen, besonders heftig zu klatschen, wenn Johns Mitbewerber, Patrick Janik, – ohne auch nur den Hauch eines Beweises anzutreten – altbekannte Vorwürfe der derzeitigen Stadtratsmehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS wiederholte. Keiner der Organisatoren der Runde schritt ein, alle ließen Barbara Pfaffingers Part unwidersprochen und unkommentiert. Hatten sie schon im Vorhinein gewusst was geplant war?

Das Ehepaar Pfaffinger hat der STAgenda einen Bärendienst erwiesen. Es hat sie genauso nachhaltig beschädigt wie die STAgenda selbst es mit diesem Abend getan hat.