Die politischen Gruppierungen sind heftig auf der Suche nach Themen, mit denen sie im laufenden Kommunalwahlkampf punkten können. So hatte Angelika Wahmke für die UWG beim Rathaus beantragt, die Thujenhecke, die das Badegelände „Steininger“ gegenüber dem Unteren Seeweg und der Bahn schützt, auf 1,20 Meter zurückzuschneiden. Den gleichen Antrag hatte 2017 schon einmal die Bürgerliste (BLS) gestellt, aber keinen Erfolg damit gehabt, als Wahmke noch dieser Gruppierung angehörte.

Derzeit hat die Hecke laut Stadtverwaltung eine Höhe von 1,80 Meter. Im Frühjahr und Herbst wird sie jedes Jahr in der Höhe reduziert, damit es bei dieser Höhe bleibt. Wahmke bestätigte auch: „Die Hecke ist super gepflegt.“ Die Abteilung des Rathauses für Straßen- und Landschaftsbau hat von einem darüber hinaus gehenden Rückschnitt abgeraten. So wie sie ist, biete sie derzeit Schutz vor Lärm und Schmutz für die Gäste des Steininger Grundstücks, das als Badegelände auch nicht unbedingt einsichtig sein solle. Ein Rückschnitt würde zwar Spaziergängern auf dem Unteren Seeweg kurzzeitig einen Blick auf den Starnberger See ermöglichen, die Aufenthaltsqualität für die Badegäste jedoch deutlich verringern. Zudem sei durch den heftigen Eingriff in die Struktur der Hecke deren Austrocknung und deshalb das Absterben einzelner Thujenpflanzen zu befürchten.

Wahmke will festgestellt haben, dass an Starnbergs Ufer gerade mal nur 1000 Meter Seeblick möglich ist. Die von den Fachleuten im Rathaus angeführten Argumente könne sie „überhaupt nicht nachvollziehen“. Und überhaupt sei die Thuja kein heimisches Gewächs, die die städtische Einfriedungssatzung aber vorschreibe. Winfried Wobbe (UWG) empfahl als Kompromiss einen Rückschnitt auf 1,50 Meter. Das werde die Hecke leichter verkraften. Josef Pfister (BMS) ist sich allerdings sicher, dass Spaziergänger, die den See sehen möchten, die Gelegenheit wahr nehmen, in das das ganze Jahr geöffnete Steininger Grundstück hinein zu gehen. Er sprach sich deutlich dagegen aus, jetzt die Hecke zu zerstören oder ein anderes Gehölz mit hohem finanziellen Aufwand zu pflanzen. „So lange diese Hecke lebt, sollte man sie in ihrer bisherigen Form bestehen lassen“, riet Pfister.

Markus Mooser (WPS) befürchtete negative Folgen für die Vögel, die in der Thujenhecke nisteten. Auch bezweifelte er, dass Leute den See nur von der Straße aus erleben wollen. Dann müssten auch alle Weiden am Ostufer gefällt werden, denn die versperrten den Seeblick ebenfalls. Ein Rückschnitt widerspreche den Stadtratsbeschlüssen zum Artenschutz, mahnte er.

Wahmkes in der Sitzung auf eine Hecken-Höhe von 1,50 Meter reduzierter Antrag wurde mit 3:7 Stimmen abgelehnt. Bürgermeisterin Eva John meinte erleichtert: „Dann hat die Thujenhecke ja noch einen Gnadenfrist.“