Zehn Tage vor der Bürgermeister(In)wahl am 15. März 2020 wollte „Lokales-aus-Starnberg“ für seine Leser die Haltung der vier Kandidaten für das höchste Amt der Stadt zu den wichtigsten Themen der nächsten Stadtratsperiode erfragen. Wie berichtet stellen sich die Amtsinhaberin Eva John (BMS und WPS), Kerstin Täubner-Benicke (Grüne), Patrick Janik (CSU, UWG, SPD und BLS) sowie Marc Fiedler (FDP) zur Wahl. Allen vier sind die Fragen gleichzeitig vor einer Woche zugegangen. Geantwortet hat lediglich Eva John. Täubner-Benicke wollte für ihr Schweigen offenbar keine Begründung geben. Sie hat auf die Bitte um Rückruf nicht reagiert. Janiks Reaktion am Telefon: „Ich sehe in der Fragestellung schon wieder die Schöner-zum-See-Propaganda. Da mache ich mir gar nicht erst die Mühe das zu beantworten.“ Fiedler fand es nach eigener Aussage zu schwierig in der geforderten Kürze Anworten auf die gestellten Fragen zu geben: „Ich brauche da viel mehr Text. So sind die Fragen für mich nicht zu beantworten.“

Deshalb an dieser Stelle nur das Interview mit Eva John:

Blog:

Gesetzt der Tunnel wird realisiert. Experten prognostizieren generell bis 2035 zunehmende Verkehrsbelastungen auf Deutschlands Straßen. Mit welchen konkreten Maßnahmen werden Sie den Autoverkehr in der Starnberger Innenstadt und den Schleichverkehr in den Wohngebieten reduzieren und die Aufenthaltsqualität verbessern? Bitte nennen Sie die aus Ihrer Sicht sechs wichtigsten Maßnahmen.

John:

– Durchgangsverkehr nur auf den Hauptverkehrsstraßen und Innenstadtverkehrsberuhigung (vgl. STAgenda Lebendiges Starnberg)

– Tempo-30-Zonen in den Wohngebieten

– barrierefreie Umgestaltung des öffentlichen Raums

– noch mehr sichere Fuß- und Radwege

– mehr Bushaltestellen, bessere Takte und kleinere Busse in der Innenstadt

– Ausbau der Park&Ride-Plätze an den Bahnhöfen und dynamisches Parkleitsystem
 

Blog:

Die Stadtratsmehrheit hat sich Ende 2019 dafür ausgesprochen, die Variante 1 der von der Bahn in ihrem Ultimatum an die Stadt genannten Alternativen zu akzeptieren und der Bahn bei deren Finanzierung deutlich entgegen zu kommen. Die Variante 1 bedeutet Veränderungen an der Gleislage, eine Verschiebung der Bahnsteige nach Osten und die Errichtung eines Abstellgleises. Auf diesem abgestellte Züge werden die Sicht – zum Beispiel von der Terrasse des Bayerischen Hofes – auf den See und die Berg verstellen. Tragen Sie diese Entscheidung mit? Ja oder nein? Bitte jeweils begründen.

John:

Nein, denn das Abstell- und Wendegleis wäre eine städtebauliche Todsünde. Was wir brauchen ist der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes, eine Verschlankung der Bahnanlagen und eine attraktive Seepromenade mit See- und Bergblick. Sofort müssen die verwahrlosten Bahnsteige instandgesetzt, die Bahnsteigdächer erneuert und Wartehäuschen und Treppenaufzüge (ggf. in Eigenregie der Stadt) installiert werden.
 

Blog:

Tunnel und Seeanbindung sind für die zukünftige Entwicklung Starnbergs bedeutend. Bitte nennen Sie konkret, ob und bei welchen Planungs- und Entscheidungsschritten Sie im Vorfeld die Bürger beteiligen wollen. Welche Beteiligungsform ist gegebenenfalls Ihr Favorit?

John:

Tunnel: Schlimm, dass die Stadtratsmehrheit den Bürgerentscheid zum Tunnel zweimal abgelehnt hat. Das durch bürgerschaftliches Engagement entstandene Konzept „Lebendiges Starnberg“, das der Stadtrat schon beschlossen hat, soll konsequent und mit Öffentlichkeitsbeteiligung umgesetzt werden.
Seeanbindung: Öffentlichkeitsbeteiligung schon beim Entwurf der Neugestaltung und abschließend einen Bürgerentscheid.

Blog:

Wenn Sie BürgermeisterIn werden, welche Projekte werden Sie sofort stoppen (3 Nennungen möglich), und welche Projekte (3 Nennungen möglich) sofort beginnen?

John:

dem Stadtrat vorschlagen, zu stoppen:
Umbau der Gleisanlagen am Bahnhof See auf Kosten der Stadt (vgl. 2. Frage)
Maximallösung bei der Erweiterung des Gewerbegebietes Schorn
sofort beginnen:
Planung für Blaulichtzentrum (Gebäude für Feuerwehr Starnberg und Rettungsdienste)
Umbau des Bahnhofsplatzes zu einem verkehrsberuhigten Bereich mit Aufenthaltsqualität
Baulandentwicklung in Söcking für geförderten Wohnungsbau